Situation auf dem Holzmarkt normalisiert sich
Bauholz ist nach Engpässen zum großen Teil wieder lieferbar. Auch die Preise kehren auf ein Normalmaß zurück. Doch ausgestanden ist die Situation noch nicht.

Der weltweite Bauboom und insbesondere die hohe Nachfrage nach Konstruktionsholz in den USA haben den Holzpreis auf Rekordwerte getrieben. Die Spitzen liegen nun einige Wochen zurück, eine Gegenbewegung hat eingesetzt. Die Händler sind wieder lieferfähig.
Ein Auf und Ab bei den Preisen
"Der Wendepunkt war vor etwa acht Wochen", sagt Manfred Metzger, Geschäftsführer des Holzgroßhändlers Eckert in Lauffen. Für Konstruktionsvollholz seien die Preise von über 1000 Euro um rund 400 Euro gesunken. "Und wir haben nur noch Lieferzeiten von ein bis zwei Wochen", sagt Metzger.
Die Entwicklung sei von Spekulation und Absicherungskäufen getrieben. Händler und Handwerker mit vollen Lagern würden nun aber möglichst niedrige Preise abwarten und erst einmal aus dem Bestand leben.
Auch der Leim geht aus
Nicht ganz so gut sieht es bei den Palettenherstellern aus. "Wir sehen ein uneinheitliches Bild", sagt Martin Fix, Geschäftsführer des Holzverpackungsherstellers HPN in Waldenburg.
Besonders Leim sei derzeit knapp, und davon sei auch die Produktion von OSB-Platten oder auch Pressspanklötzen betroffen, die man für die Herstellung von Paletten benötigt. "Man hat momentan das Gefühl, irgendetwas fehlt immer", sagt Fix.
Großsägereien in der Kritik
Wen man in der Branche auch fragt, eine entscheidende Rolle in der jüngsten Holz-Hausse schreiben alle der Großsägeindustrie zu. Sie besteht letztlich aus wenigen Unternehmen, überwiegend in Österreich angesiedelt. Als in den USA die Nachfrage stieg, habe man dort nicht gezögert, ohne Rücksicht auf die heimatlichen Märkte in Europa so viel wie möglich nach Übersee zu verschiffen.
"Für uns ist es nicht einmal möglich, einen Jahresvertrag mit einer dieser Großsägereien abzuschließen", sagt HPN-Chef Fix. Deshalb habe es auch schon Gespräche gegeben, ob man als Gegengewicht nicht eine Einkaufsgemeinschaft der Verpackungshersteller in Baden-Württemberg gründen soll. "Wenn der Leidensdruck groß genug ist, dann hat diese Idee schon eine Chance", sagt Fix.
Bei den Waldbesitzern kommt noch wenig an
Leidensdruck haben auch die Waldbesitzer. In der Vergangenheit sorgten regelmäßig Sturmschäden und Trockenperioden mit anschließendem Borkenkäferbefall für ein Überangebot an Nadelholz. Entsprechend schwach entwickelten sich die Preise.
Das änderte sich auch jetzt nicht schlagartig, obwohl Holz weltweit Mangelware war. "Beim Waldbesitzer kommt das noch nicht an", sagt Frank Schuppert aus Öhringen, der gemeinsam mit seinem Sohn 30 Hektar Wald bewirtschaftet.
Schuppert beklagt auch die Bürokratie, die den Waldbesitzern das Leben schwer mache. Die Politik fordere einen Wald, der CO2 bindet, die Menschen wollten zur Erholung in den Wald kommen, Umweltschützer würden am liebsten überall naturbelassenen Bannwald haben - und der Waldbesitzer solle all das finanzieren, "und zwar ohne eine Förderung, wie es sie in der Landwirtschaft gibt".
Stabile Rahmenbedingungen notwendig
Dabei müsse man gerade in der Waldwirtschaft Entscheidungen treffen, die sich erst in 30, 40 Jahren auswirken. Das zeige sich gerade jetzt. In der Region habe man sich nach dem Orkan Wiebke 1990 auf die Buche konzentriert und kaum noch Nadelholz gepflanzt. Schlecht gepflegte Laubholzwälder könnten aber oft nur noch für Brennholz genutzt werden.
Fichten hätten damals aber zu Unrecht einen schlechten Ruf bekommen. "Uns fehlen jetzt 30 Jahre Produktionszeit beim Nadelholz." Denn nur das Nadelholz wird als Konstruktionsholz auf dem Bau verwendet und erlebt deshalb den Höhenflug bei den Preisen.
Verhandlungsposition könnte sich verbessern
Sollte die Nachfrage hoch bleiben, würden natürlich auch die Waldbesitzer profitieren, erklärt Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, der Interessenvertretung der Waldbesitzer. "Spannend wird aber, wie es im nächsten halben Jahr weitergeht", so Hilt. Denn nur wenn die Preise nun nicht wieder stark fallen, habe man eine gute Verhandlungsposition gegenüber den Sägewerken und anderen Abnehmern.
Weltweit gefragter Rohstoff
Die Preise für Bauholz sind in diesem Jahr explodiert. Aus der Politik wurden deshalb Stimmen laut, vorübergehend Exportbeschränkungen zu erlassen. Die Bundesregierung setzt jedoch nach wie vor auf weniger drastische Maßnahmen. Die Entwicklung drücke auch die gestiegene Wertschätzung des Rohstoffs Holz aus und ist Zeichen für einen funktionierenden Markt, erklärte die Bundesregierung bereits im Juni. "Ein höheres Preisniveau wird sich mittelfristig auch auf die Verbesserung der Struktur und Bewirtschaftung der Wälder auswirken." Protektionistische Maßnahmen wie Exportverbote könnten handelspolitische Streitfälle erzeugen und mittelfristig preissteigernd wirken.



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