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Trotz zwei Drittel Schäden: Es gibt Lichtblicke im Heilbronner Stadtwald

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Schüttere Kronen, hängende Triebe sind klare Warnzeichen, sagt der Heilbronner Forstchef. Auf einer Aufforstungsfläche im Schweinsbergwald war er dieses Jahr vom Wuchsschub bei Jungbäumen überrascht.

von Carsten Friese
Ist begeistert vom Wuchserfolg bei jungen Eichen: Immanuel Schmutz auf einer Fläche am Schweinsberg. Schulklassen betreuen hier einzelne Parzellen.
Foto: Friese
Ist begeistert vom Wuchserfolg bei jungen Eichen: Immanuel Schmutz auf einer Fläche am Schweinsberg. Schulklassen betreuen hier einzelne Parzellen. Foto: Friese  Foto: Friese, Carsten

Er hat beim Rundgang durch den Heilbronner Stadtwald ernste Sorgenfalten. Etwa zwei Drittel der Bäume auf der 1200 Hektar umfassenden Stadtwaldfläche zeigen "deutliche Schäden", überschlägt Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz. Dies müsse nicht zwingend zum Absterben der Bäume führen. Aber die Bäume seien durch die Trockenheit der vergangenen Jahre sichtbar geschwächt.

Nicht mehr viel Zeit zum Gegensteuern

Dass der Wald beim Durchlaufen auf den ersten groben Blick grün aussehe, "reicht nicht", erklärt Schmutz. Schüttere Kronen, hängende Triebe seien klare Warnzeichen. Neben Fichten leiden auch Buchen und Eichen unter angreifenden Käfern, die Esche unter dem Triebsterben durch einen eingeschleppten Pilz aus Ostasien. Den Klimawandel sieht Schmutz als klare Bedrohung für den Wald. Die Menschen müssten jetzt begreifen, "dass wir nicht mehr viel Zeit zum Gegensteuern haben".

Dennoch: Es gibt auch Lichtblicke im Wald. Der Forstexperte führt zu einer umzäunten Hangfläche am Schweinsberg, wo tote Fichten gefällt und neue Bäume gepflanzt wurden. Von Jungeichen ist Schmutz begeistert. Gut 1,80 Meter hoch sind einige nach nur einem Jahr. "Sie stehen prachtvoll da."

Eine Garantie auf ein Überleben im Klimawandel "hat man bei keinem Baum", sagt Immanuel Schmutz

Der viele Regen in diesem Jahr hat Entlastung gebracht. Doch schon nächstes Jahr kann wieder ein Trockenjahr folgen. Schmutz verdeutlicht, dass man neben dem Anpflanzen neuer, robuster Arten auch die Naturverjüngung steuere - in Richtung trockenheitsverträglicher Arten wie Roteiche, Kirsche, Bergahorn, Robinie oder Vogelbeere. Der Stadtwald hat jetzt schon über 40 Arten, Hauptarten sind Eiche (30 Prozent), Buche (15), Ahorn (9) und Hainbuche (7). Wie viel wärmer es wird, weiß niemand. Eine Garantie "hat man bei keinem Baum", sagt Schmutz. Aber: Die Vielfalt im Wald wolle man weiter vergrößern, um künftigen Genererationen einen größeren Handlungsspielraum zu geben.

Die Aufforstungsfläche mit Jungbäumen und viel Buschwerk ist ein Projekt in die Zukunft. Das Areal heißt Schulwald - weil Klassen aus sieben Schulen hier eine Parzelle betreuen. Sie sollen mithelfen, dass die neuen Bäume gesund emporwachsen - und damit auf lange Sicht viel CO2 in sich speichern.

Einen Wunsch ganz anderer Art hat Schmutz an Waldbesucher. Es werde viel Müll einfach im Wald zurückgelassen. Im Sommer sei ein Förster da gut zwei, drei Tage pro Woche mit Müllwegräumen beschäftigt. "Den Unrat mit nach Hause nehmen", ist seine klare Botschaft.

Den Försterberuf will er trotz aller Probleme nicht missen. Es mache immer noch Spaß. Und wenn er eine Schulklasse durch den Wald geführt habe, "dann bin ich tiefenentspannt".

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