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Wie steht es um unseren Wald?

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Das Forstamt des Landkreises Heilbronn blickt auf ein mildes Borkenkäferjahr zurück. Die Menge des Schadholzes hat sich gegenüber 2020 halbiert. Dennoch sind einige Baumarten weiter rückläufig. Eine natürliche Waldverjüngung hat im Forstkonzept Vorrang.

 Foto: Kühl, Jörg

In diesem Jahr war es, anders als in den Vorjahren, ausreichend feucht und nicht zu heiß. Hat sich das positiv auf den Borkenkäferbefall ausgewirkt? "Ja", versichert Martin Rüter. Er ist Leiter des Forstamts des Landkreises Heilbronn und zuständig für 15.000 Hektar Kommunalwald in 46 Städten und Gemeinden sowie 3000 Hektar Privatwald. "Die Fichten waren weniger trockenheitsgestresst und konnten sich dadurch besser zur Wehr setzen." Die Menge des Schadholzes habe sich gegenüber dem zu trockenen Vorjahr auf etwa 20.000 Festmeter halbiert.

Aktuell sind die Förster laut Rüter dabei, den winterlichen Holzeinschlag vorzubereiten. Die Einschlagssaison dauert bis Ende Februar. "Der Boden ist jetzt an der Oberfläche relativ trocken." Dadurch würden die Rückegassen weniger tief zerfurcht als in den nassen Wintermonaten.

 


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Keine Katastrophenbilder wie im Harz

Der Anstieg der Temperatur-Jahresmittelwerte wirkt sich nach Rüters Erfahrung auf die hiesige Zusammensetzung der Baumarten aus. Besonders Fichten machen demnach die trockenen und heißen Jahre zu schaffen. Aber auch die Buche benötige regelmäßige Niederschläge. Die gab es in diesem Jahr. In den Vorjahren sah es dagegen ganz anders aus. "Die Fläche der Fichte ist in allen Betrieben stark rückläufig, aber es gab auch nur maximal 20 Prozent, in manchen Betrieben sogar deutlich weniger. Insofern entstehen bei uns keine Katastrophenbilder wie im Harz, wo ganze Landschaften voller toter Bäume stehen", vergleicht Rüter.

Auch die Fläche der Esche geht laut dem Forstamtsleiter durch das Eschentriebsterben, eine Pilzkrankheit aus Asien, deutlich zurück. Genaue Zahlen, die die Veränderung der Waldstruktur belegen, werden demnächst vorliegen. Zur Zeit läuft die mittelfristige Planung der Forsteinrichtungen in den Forstbetrieben. Mit Hilfe dieses computergesteuerten Programms wird die Entwicklung der Gemeindeforste und sonstigen per Forsteinrichtung bewirtschafteten Wälder bis zum Jahr 2031 festgelegt. Die letzten Vergleichszahlen stammen laut Rüter aus dem Jahr 2012.

Fast alle Jungbäume müssen gegen Wildverbiss geschützt werden

In Folge der drei zu trockene Vorjahre mussten aufgrund von Borkenkäfern, Stürmen und fehlendem Regen einige Flächen gerodet werden. Auf den betreffenden Schneisen führt die Forstverwaltung im Auftrag der Eigentümer Aufforstung durch. "In diesem Jahr wachsen die gepflanzten Bäume gut an, es gibt viel weniger Ausfälle als in den Trockenjahren 2018 bis 2020", berichtet Rüter. "Wir müssen sie aber fast alle gegen Rehwild-Verbiss und -fegen schützen." Dies geschieht auf dreierlei Weise: Zäune umfrieden die Aufforstungsfläche, Jungpflanzen wachsen in Verbissschutzhülsen auf oder mit speziellen Pfählen neben der Pflanze, die gegen das Fegen der Rehböcke einen Schutz bieten.

 Foto: Kühl, Jörg

Am liebsten ist den Förstern jedoch, wenn Wald ohne aktives menschliches Zutun heranwächst. Dies geschieht etwa, wenn unter bestehenden Bäumen oder dort, wo bis vor kurzem welche gestanden haben, herabgefallene Samen austreiben. Werden in den Wäldern im Landkreis zu wenig Wildtiere gejagt, um den Waldumbau voranzutreiben? Diese Frage mag der Forstamtsleiter, der selbst Jäger ist, nicht mit ja oder nein beantworten. Die Bestandskontrolle des Wildes sei von Revier zu Revier sehr unterschiedlich. Und es gebe im Landkreis auch unterschiedliche Wilddichten.

In den vergangenen Monaten war von einer Bauholzkrise die Rede. Auf die Versorgung der hiesigen Handwerksbetriebe habe die Forstverwaltung jedoch keine direkte Einflussnahme. "Bauholz ist bislang fast ausschließlich Fichtenholz. Da wir keine großen Fichtenflächen haben, sind wir auch keine bedeutende Lieferregion", stellt Rüter klar. Ohnehin vermarkte die Holzverkaufsstelle im Landratsamt ausschließlich an regionale Sägewerke und Holzhändler. "Diese haben in Boom-Zeiten bis vor Kurzem viel Schnittholz nach USA und China verkauft, was zu Engpässen im Inland geführt hat. Auch unsere Laubholz-Stämme für Übersee, vor allem Buchen und Eschen, gehen über Händler", so Rüter.

Kritik an militanten Gegnern von Mountainbikern

Bei dem immer häufiger auftretenden Phänomen der Querfeldeinradler setzt das Forstamt auf Vernunft und die Kommunikation von Fairplay-Regeln in der Biker-Community. "Zum Glück verhalten sich die meisten Radfahrer, auch Mountainbiker, im Wald anständig", so Rüter. Illegale Quer-Waldeinfahrer gebe es inzwischen überall, auch illegale selbstgebaute Sprungschanzen und Schikanen. "Das ist vor allem für Tiere, auch Wild, eine Beunruhigung. Dem Wald täte aber eine ungestörte, erfolgreiche Jagd gut."

Für "ganz kriminell" hält der Forstamtsleiter dagegen Sabotage-Akte wie Stolperdrähte, spitze Pfähle oder Nägel an genehmigten, offiziell eingerichteten Mountainbike-Trails, die es vor allem im Osten von Heilbronn und in den Löwensteiner Bergen gibt. "Diese Probleme verursachen nicht die Biker, sondern deren militante Gegner", stellt Rüter klar.

 


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