Nägel in Baumwurzeln lassen Reifen platzen
Auf einer Mountainbike-Strecke in der Nähe des Beilsteiner Ortsteils Etzlenswenden wurden Nägel in Baumwurzeln geschlagen und damit die Räder mehrerer Mountainbike-Fahrer beschädigt. Nun ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung.

Wer denkt, im Wald gebe es nur Ruhe und Entspannung, der irrt sich. Wo Wanderer, Spaziergänger, Anwohner und Radfahrer aufeinandertreffen, geht es oft emotional zu – und manchmal gefährlich: Auf einer Mountainbike-Strecke in der Nähe des Beilsteiner Ortsteils Etzlenswenden waren Nägel in Baumwurzeln geschlagen worden, mitten auf der beliebten Radstrecke, dem sogenannten Trail. Bei mehreren Radlern sorgten sie vor wenigen Tagen für platte Reifen und einen ordentlichen Schrecken.
Nicht die ersten solcher Fälle: Vor wenigen Wochen stürzte ein Mountainbiker bei Crailsheim über einen gespannten Draht. Auf der Obersulmer Strecke namens Paradies hatte ein Unbekannter 2018 und 2020 Nägel in Wurzeln gehämmert und dadurch Mountainbiker, aber auch Fußgänger gefährdet.
Zwei platte Reifen hatte auch Clemens Burgmaier. Zusammen mit einem Freund radelte er die Steigungen und Abhänge der offiziell ausgeschilderten Mountainbike-Strecke durch die Löwensteiner Berge. "Dann trafen wir auf drei Fahrer, von denen zwei am Reparieren waren", erzählt der 58-jährige Leingartener. Schnell stellt er fest, dass auch an seinem Fahrrad beide Reifen platt sind. Zwei Mal gehen die Radler den Streckenabschnitt ab, finden zwei Nägel. "Die Köpfe der Nägel waren abgezwickt, sie standen zweieinhalb Zentimeter hoch gegen die Fahrtrichtung", sagt Burgmaier. "Bei uns gab es jetzt nur platte Reifen. Aber wer immer das war, hat auch schwere Verletzungen in Kauf genommen. Das ist das Niederträchtige daran."
Immer wieder gebe es Ärger entlang der Route im Südosten des Landkreises Heilbronn, sagt Joachim Thonig. Er ist Abteilungsleiter der Mountainbike-Gruppe bei der Heilbronner Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV). "Bisher hatten wir es mit Aktionen wie abmontierten Schildern zu tun", sagt Thonig. "Nägel in Baumwurzeln sind eine neue Dimension. Es muss dort richtige Mountainbike-Hasser geben."
Mehr Menschen im Wald unterwegs
Seit rund fünf Jahren betreut der Verein mehrere Mountainbike-Trails in der Region, einen öffentlichen im Osten von Heilbronn. Die sogenannten IVB-Touren (Initiative Verantwortungsvolles Biken) sind ausgeschildert und werden von sogenannten Paten betreut. "Es ist einfach so, dass Mountainbiken keine Randsportart mehr ist, sondern über die Jahre stark zugelegt hat", sagt der Abteilungsleiter. Auf seinen Kontrolltouren habe er aber auch eine starke Zunahme an Menschen beobachtet, die zu Fuß in den Wald gehen. "Schauen Sie sich zum Beispiel den Gaffenbergparkplatz an. Er ist oft extrem voll. Solche Massen sind kaum mehr sinnvoll zu lenken."
Diese Beobachtung teilt Heinz Steiner. Der Förster beim Heilbronner Amt für Liegenschaften, Abteilung Forst- und Landwirtschaft, betreut selbst ein Waldrevier im Westen der Stadt. "Seit Corona kommen viel mehr Menschen in den Wald, auch solche, die dort vorher nicht waren", sagt der Förster. Im Heilbronner Westen träfen sie nicht mit Mountainbikern zusammen, weil die Gegend für die Radler nicht interessant sei. "In den Löwensteiner Bergen ist das anders."
Legale Mountainbike-Trails
Seit über zehn Jahren sprechen Mountainbiker, Waldbesitzer und Förster an einem Runden Tisch über Planungen, Entwicklungen und Vorkommnisse, um Konflikte zu vermeiden. "Die vom DAV betreuten Strecken sollen legale Möglichkeiten bieten, Mountainbike im Wald zu fahren, ohne sich mit anderen ins Gehege zu kommen. Und um illegale Strecken zu verhindern."
Die Radfahrer haben Anzeige erstattet. Die Tätersuche gestalte sich aber schwierig, teilt der Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums, Daniel Fessler, auf Nachfrage mit. Er lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Tat. "Im Moment geht es um Sachbeschädigung und versuchte Körperverletzung. Aber wenn eine solche Attacke schlimmere Folgen hat, stehen schnell ganz andere Tatbestände und Strafen im Raum."



Stimme.de
Kommentare
am 24.08.2021 08:03 Uhr
Dem Vorsitzenden der Mountainbike Sektion des Deutschen Alpenvereins, Herrn Thonig, lege ich als Lektüre die Leitlinien des DAV nahe. Unter 3.3.10 findet er eine klare Positionierung zum Bau neuer Wege. Ebenso wird darin unmissverständlich die Haltung Wald vor Wild vertreten. Auch werden darin Flora, Fauna und Habitat Gebiete die in der Natura 2000 gelistet sind als besonders schützenswert deklariert.
Der dynamische Bau einer zweigeteilten Downhillstrecke im FFH Gebiet Natura 2000 am Schweinsbergturm widerspricht allen Grundsätzen des DAV. Auch wurden durch den Bau nicht wie groß angekündigt das Befahren illegaler Strecken eingedämmt.
Dass unsere Wälder neben dem Unschätzbaren ökologischen Wert natürlich einen hohen Erholungsfaktor darstellen ist unbestritten. Das bestehende Wegenetz ist mehr als ausreichend. Jeder sollte dies respektieren auch zum Schutz unserer verbliebenen Flora und Fauna.
Statt Menschenleben zu gefährden sollte man lieber den Dialog suchen und auf den gesunden Menschenverstand vertrauen.
Jürgen Mosthaf