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Wirbel um Mountainbike-Strecken in der Region

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Es ärgert die einen und könnte ein Ventil für den Ärger der der anderen sein: Unbekannte haben in letzter Zeit rund 180 Schilder auf offiziellen Mountainbike-Strecken in der Region entfernt. Jetzt ist die Polizei eingeschaltet.

Von Reto Bosch
Streckenpate Klaus Pfeffer ärgert sich über die abgerissenenen Schilder.
Streckenpate Klaus Pfeffer ärgert sich über die abgerissenenen Schilder.  Foto: Bosch, Reto

"Halt! Hier geht es lang", ruft Remo Fuchs drei Moutainbikern hinterher. Die Männer haben eine Abzweigung auf der offiziellen Strecke in Beilstein-Etzlenswenden in den Wald hinein verpasst. Kein Wunder, das Schild hängt auf einer Höhe von rund drei Metern an einem Baum und ist leicht zu übersehen.

Streckenpate Klaus Pfeffer würde den Hinweis natürlich gerne tiefer anbringen. Aber dann ist die Gefahr groß, dass das orangefarbene Schild wieder gestohlen wird.

170 bis 180 Hinweistafeln wurden bislang entfernt. Ein frustrierendes Ärgernis für die Streckenverantwortlichen, ein Risiko für die Mountainbiker. Die Polizei ist eingeschaltet.

Schon 50 Schilder waren zu ersetzen

Remo Fuchs arbeitet als Büroleiter im Kreisforstamt Heilbronn und kann natürlich nicht ständig Radfahrern den Weg weisen. Dafür hängen an den sechs Strecken, die das Kreisforstamt und die "Interessengemeinschaft Verantwortliches Biken" gemeinsam konzipiert haben, Hunderte Richtungstafeln.

"Wir mussten aber allein schon auf der Strecke 4 rund 50 neue Schilder anbringen", sagt Remo Fuchs. An manchen Standorten gleich mehrfach. Materialkosten pro Schild: 15 Euro.

Manche Schilder sind schon mehrfach verschwunden

Die drei Mountainbiker, die von Fuchs umgeleitet wurden, bemängeln dann auch, dass bergwärts eine wichtige Tafel fehle. Der Forstmann und Streckenpate Klaus Pfeffer fahren an die beschriebene Stelle, ziemlich genau an der Markungsgrenze von Löwenstein und Beilstein. Tatsächlich. Der Pfosten ist komplett verschwunden - nicht zum ersten mal im Übrigen.

"Vor ein paar Tagen war noch alles in Ordnung", sagt Pfeffer verärgert. Radfahrer müssen sich an dieser Stelle für einen von drei Wegen entscheiden. Derweil hat Fuchs den Holzpfosten gefunden. Ein Unbekannter hat ihn ins Unterholz geworfen. Fuchs macht ein Foto für die Polizei.

Ohne Schilder kann die Orientierung verloren gehen

Dieser Pfosten an der Strecke zwischen Beilstein-Etzlenswenden und Löwenstein wurde schon drei Mal herausgerissen.
Fotos: Reto Bosch
Dieser Pfosten an der Strecke zwischen Beilstein-Etzlenswenden und Löwenstein wurde schon drei Mal herausgerissen. Fotos: Reto Bosch  Foto: Bosch, Reto

Mountainbiker, die sich auf die Beschilderung verlassen, ohne GPS-Navigation unterwegs sind, können die Orientierung verlieren. Und in den Löwensteiner Bergen gibt es große Waldflächen.

Trailpate Pfeffer hat schon Anrufe von verärgerten Radfahrern bekommen, die plötzlich in einer Sackgasse im Wald standen, von querliegenden Bäumen ausgebremst wurden. Andere mussten anstrengende Steigungen erklimmen, weil sie vom rechten Weg abkamen. Imageförderung für das relativ neue regionale Freizeitangebot sieht anders aus.

Spakulation über die Verursacher

Wer ist für die Störungen verantwortlich? Remo Fuchs kann nur mutmaßen. Jäger, die Ruhe im Wald haben wollen? Wanderer, die vor allem die engen Pfade, Singletrails genannt, nicht mit Mountainbikern teilen wollen? Klar ist jedenfalls: Wer die Tafeln entfernt, begeht laut Fuchs Sachbeschädigung.

Allerdings regt sich auch Kritik an den Radfahrern. Fuchs spricht von "einzelnen Stimmen". Eine dieser Stimmen gehört Willy Hans Weller aus Beilstein. Die Strecke 4 führt durch einen Teil seines Waldes. Er sagt: "Die Moutainbiker sind ja selbst diejeningen, die Schilder ignorieren, entfernen, zerschlagen und das Eigentum anderer beschädigen." Ihm sind vor allem wilde Strecken im Wald ein Dorn im Auge. Er habe Schilder angebracht, die ignoriert oder eben auch entfernt würden.

Es gibt auch Kritik an den Radfahrern

Remo Fuchs räumt ein, dass es auch unter den Mountainbikern schwarze Schafe gibt, die keine Rücksicht nehmen. Oder gar Schanzen bauen, mitten im Wald. Fuchs weist auf einen rechtlichen Aspekt hin: Kommt es an einem solchen Bauwerk zu einem Unfall, seien Waldbesitzer, Streckenbetreuer und Erbauer der Schanze persönlich haftbar.

Die drei Mountainbiker wollen nach dem kurzen Gespräch mit Fuchs und Pfeffer weiterziehen. Zuvor machen sie aber noch einen Vorschlag: Man solle besonders betroffene Schilderstandorte doch mit einer Fotofalle ausrüsten. Der Forstmann winkt ab: schon geprüft, aber leider verboten.

 

Kompromiss ebnete den Weg

Die Diskussion, ob Mountainbiker in Baden-Württemberg künftig auch auf Wegen fahren dürfen, die schmäler als zwei Meter sind, endete mit einem Kompromiss: Es bleibt bei der Zwei-Meter-Regel, dafür werden in den Landkreisen Strecken ausgewiesen, die auch schmale Pfade, sogenannte Singletrails enthalten.

Sechs Strecken gibt es in der Region, am 13. Mai wird die Tour "Hoch oben" in Wüstenrot eingeweiht. Alle Touren wurden am runden Tisch mit Stadt und Landratsamt, Radlern und weiteren Interessengruppen einvernehmlich genehmigt.

 

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