Nach Streit um Nothwang-Schließung: Wann es bei der Metzgerei Wirth bergab ging
Vor fast 67 Jahren wurde der Biberacher Fleischereibetrieb Wirth gegründet. Die Geschäfte liefen gut. Heute ist nur noch eine Filiale in Böckingen übrig. Ob sie eine Zukunft hat, ist unklar. Doch die Familie Wirth hat ein zweites Standbein geschaffen.

Die zahlreichen Reaktionen von Lesern und Nutzern der sozialen Netzwerke zur Entwicklung der Metzgerei Wirth zeigen die große Anteilnahme am Schicksal des Traditionsbetriebs. Denn nicht nur am Stammsitz in Biberach, sondern rund um Heilbronn war Wirth über Jahrzehnte eine beliebte Adresse.
Gute Voraussetzungen bei der Übernahme des elterlichen Metzgerei-Betriebs
Meta und Heinrich Wirth gründeten den Betrieb am 8. September 1956 in Biberach. 1984 übernahmen Eberhard Wirth und seine Frau Andrea das Unternehmen. Die Voraussetzungen des jungen Ehepaars waren gut: Andrea Wirth, damals 22 Jahre alt, hatte ihre Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin als Kammersiegerin und zweite Landessiegerin abgeschlossen und sich danach in Stuttgart im Bereich Partyservice weitergebildet. Ihr Mann Eberhard, damals 26 Jahre alt, hatte nach seiner Fleischerlehre eine Ausbildung zum Koch angehängt und zudem den Betriebswirt des Handwerks draufgesattelt.
Expansion und Südtiroler Zirbelstube
Das Geschäft lief in den folgenden Jahren sehr gut. 1985 wurde die Filiale in Obereisesheim modernisiert, 1987 eröffnete Wirth eine weitere Filiale in Neckarsulm. Ein Meilenstein war zwei Jahre später der Umbau in Biberach. Am Stammsitz an der Bonfelder Straße errichtete die Familie eine original Südtiroler Zirbelstube für Festivitäten aller Art. Die liebevoll eingerichtete Stube mit Platz für 70 Personen wurde fortan von Familien, Unternehmen und Vereinen rege genutzt.
Übernahme des Pfeffer-Standorts an der Allee als Meilenstein
Ein weiterer Höhepunkt in der Wirth-Firmengeschichte war 1992 die Nachfolge der renommierten Metzgerei Pfeffer an der Heilbronner Allee. Die 1965 gegründete Metzgerei Pfeffer hatte sich mit hoher Qualität einen guten Namen gemacht, sehr beliebt war auch der Imbiss mit Mittagstisch. An dieser Erfolgsformel hielt Wirth fest, an den Stehtischen tummelten sich zur Mittagszeit Lokalpolitiker, Banker, Richter, Arbeiter und Angestellte, um sich schnell, gut und zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis zu stärken. 2001 modernisierte Wirth den Standort an der Allee. Das erfolgreiche Konzept mit Imbiss hatte er bereits 1996 auf eine weitere Filiale mit Imbiss an der Möbelmeile in Böckingen übertragen.
Nach dem Verkauf an Nothwang ging es bergab
Dieser Standort ist das letzte ehemalige Wirth-Geschäft, das nach der Übernahme des Betriebs durch die Bad Friedrichshaller Großmetzgerei Nothwang im Jahr 2022 noch geöffnet hat. Die Filiale am Stammsitz Biberach wurde ebenso geschlossen wie das Geschäft in Obereisesheim, im Juli 2023 folgte dann die Schließung des Standorts an der Allee. Ob die Filiale in Böckingen eine Zukunft hat, ist unklar. Eberhard Wirth, der sein Lebenswerk zerstört sieht, wirft dem Übernehmer Uwe Nothwang unternehmerisches Versagen und die Nichteinhaltung von Versprechen vor.
Gästehaus Sonnenwirth läuft gut
Zwischenzeitlich hat sich die Familie Wirth ein zweites Standbein geschaffen. 2021 wurde in der Biberacher Rappengasse das Gästehaus "Sonnenwirth" mit 22 Zimmern im Zirbelkieferstil eröffnet, das von Wirths Sohn Christoph und dessen Frau Konstanze geführt wird. "Es läuft gut", ist Eberhard Wirth mit der Resonanz zufrieden.
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