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Neue Technik wird Recyclingquote der Gelben Säcke aus Heilbronn erhöhen

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Interzero und OMV beginnen mit dem Bau einer chemischen Anlage für Kunststoffrecycling in Walldürn. Die Genehmigung für das 170-Millionen-Projekt lag schnell vor.

Berge von Plastikmüll: Bei Interzero in Walldürn werden pro Jahr etwa 220 000 Tonnen Material aus Gelben Säcken verwertet, auch aus der Stadt Heilbronn.
Berge von Plastikmüll: Bei Interzero in Walldürn werden pro Jahr etwa 220 000 Tonnen Material aus Gelben Säcken verwertet, auch aus der Stadt Heilbronn.  Foto: nicht angegeben

Der Spatenstich findet zwar dort statt, wo künftig der Parkplatz für die Lastwagen sein wird. Doch die Bedeutung des Projekts ist nicht zu unterschätzen. Der österreichische Rohstoffkonzern OMV, eigentlich in Deutschland bekannt durch seine Tankstellenkette, errichtet zusammen mit dem Entsorger Interzero bei Walldürn die größte Anlage Europas für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen. 170 Millionen Euro werden investiert und mehr als 120 neue Arbeitsplätze geschaffen.



Sortieranlage in Walldürn: Kunststoff zu Pyrolyseöl

260.000 Tonnen gemischte Altkunststoffe pro Jahr sollen hier einmal verarbeitet werden. Durch das von OMV entwickelte Verfahren werden sie in Pyrolyseöl umgewandelt, chemisch betrachtet Polyolefine. Sie sind dann die Grundlage zur Herstellung neuer Kunststoffe.

Walldürn als Prototyp für die Welt

Eine erste derartige Anlage ist bereits in Österreich in Betrieb, berichtet Daniela Vlad, im Vorstand der OMV AG zuständig für Chemie und Rohstoffe. Das Unternehmen habe zehn Jahre lang die Technologie entwickelt. Nach dem Start von Walldürn sollen weitere Betriebe weltweit errichtet werden - OMV ist unter anderem auch in Südostasien aktiv. "Hier beschaffen wir uns die nötigen Fähigkeiten."

Axel Schweitzer, geschäftsführender Gesellschafter von Interzero, sieht in dem Projekt "eine tragende Säule für das Kunststoffrecycling". Bislang könnten vom Material in den Gelben Säcken - in Walldürn werden auch die Heilbronner Sammlungen verarbeitet - etwa 40 Prozent nicht verwertet werden und wanderten in die Müllverbrennung. Diese Mengen sollen durch chemisches Recycling besser genutzt werden. Alleine die Anlage hier in Walldürn werde die deutsche Recyclingquote um drei Prozent anheben, hat er ausgerechnet. "Unser Anliegen ist die Vermeidung der Ressourcenverschwendung. Wir sehen das chemische Recycling als Ergänzung zur mechanischen Sortierung." Zurzeit verarbeitet Interzero etwa 220 000 Tonnen pro Jahr aus den Gelben Säcken.


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Zu Ballen gepresst werden jetzt schon sortierte Kunststoffe aus Walldürn an Verarbeiter geliefert.
Fotos: Heiko Fritze
Zu Ballen gepresst werden jetzt schon sortierte Kunststoffe aus Walldürn an Verarbeiter geliefert. Fotos: Heiko Fritze  Foto: nicht angegeben

Wie rasch es mit der Genehmigung ging, berichtet Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises: Das erste Gespräch im Landratsamt habe exakt am 15. Januar des Vorjahres stattgefunden, ein Erörterungstermin mit allen Beteiligten folgte im Juli. Der Genehmigungsantrag sei am 2. Februar dieses Jahres eingegangen und am 30. Juni die Genehmigung erteilt worden - nach 148 Tagen. Das sei schnell angesichts der umfangreichen Unterlagen, die viele Aktenordner füllen. "Wenn man Verantwortung für die Zukunft übernehmen will, darf man nicht nur reden, man muss auch handeln", meint er. "Mit diesem Projekt machen wir einen großen Schritt in die richtige Richtung."

Den auch Peter Hauk begrüßt: Der Landesminister für Ländlichen Raum, wohnhaft in Walldürn, ist erleichtert, dass das Vorhaben umgesetzt wird. "Immer wenn Kommunalwahlen nahen, gilt eigentlich das St.-Florians-Prinzip: Keiner will so etwas bei sich bauen." Doch obwohl nächstes Jahr gewählt werde, habe der Walldürner Gemeinderat zugestimmt. "Die gesamte Bevölkerung profitiert von diesem technologischen Quantensprung", ist er sich sicher. "Und nur so können wir einen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten."

Bürgermeister Meikel Dörr pflichtet ihm bei. Die Anlage sei in der Stadtverwaltung unumstritten. "Unsere Aufgaben gehen weit über die Bereitstellung von Wohngebieten hinaus: Wir haben die Verpflichtung, die wirtschaftliche Stabilität unserer Stadt zu fördern."

Inbetriebnahme 2026

OMV-Vorständin Daniela Vlad und Interzero-Chef Axel Schweitzer sahen sich die bisherige Sortieranlage an.
OMV-Vorständin Daniela Vlad und Interzero-Chef Axel Schweitzer sahen sich die bisherige Sortieranlage an.  Foto: nicht angegeben

Die vorbereitenden Arbeiten auf dem großen Gelände zwischen der Interzero-Recyclinganlage und dem nächstgelegenen Gewerbegebiet sind schon angelaufen. Nächsten Mai soll mit den Arbeiten für Bodenplatte und Fundament begonnen werden. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Mai 2025 vorgesehen, so dass die Anlagen eingebaut werden können. Produktionsstart soll dann 2026 sein.

Wer dahinter steckt

Der österreichische OMV-Konzern beschäftigt etwa 22.300 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von 62 Milliarden Euro. Er ist tätig in den Sparten Energie, Brennstoffe sowie Chemie und Rohstoffe. Interzero entstand 2022 durch die Aufspaltung des Entsorgungskonzerns Alba: Alba ist für die Müllabfuhr und Metallrecycling zuständig, Interzero für Kunststoffrecycling. Am Joint-Venture für das Walldürner Projekt halten OMV 89,9 und Interzero 10,1 Prozent.

 
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