Europäische KI-Souveränität in Gefahr? Mistral macht gemeinsame Sache mit Microsoft
Die keimende Souveränität im europäischen KI-Bereich ist bedroht: Microsoft wird "strategischer Partner" des französischen Start-ups Mistral AI. Aleph Alpha aus Heidelberg hatte sich jüngst gegen einen solchen Weg entschieden.

Microsoft wird "strategischer Partner" des französischen KI-Startups Mistral AI. Für die vergleichsweise überschaubare Summe von 15 Millionen Euro – Mistral soll rund zwei Milliarden wert sein – sichert sich der amerikanische Tech-Riese damit Zugang zum größten europäischen Hoffnungsträger neben Aleph Alpha. Französische Europa-Abgeordnete machen sich bereits Sorgen um den Wettbewerb und die europäische Souveränität im Bereich Künstliche Intelligenz.
Microsoft steigt ein: Mistral-Sprachmodell Large künftig neben GPT
Denn Microsoft gibt nicht nur Geld, sondern ermöglicht den Franzosen vor allem auch Zugang zum Markt über seine Cloud Azure. Dort können Kunden künftig zwischen den Sprachmodellen von OpenAI und dem neuen Modell "Large" von Mistral wählen.
Large kann fünf Sprachen fließend und scheint auf ähnlichem Niveau zu agieren wie die große Konkurrenz aus den USA, dabei benötigt es angeblich weniger Rechenkapazitäten und ist schneller und genauer. In einem Chat ("Le Chat", französisch für "Katze") kann das übrigens schon jeder testen. Der erste Eindruck ist gut. Und das sind schon mal beste Voraussetzungen, um im weltweiten Wettbewerb Boden gutzumachen.
KI-Branche: Erwartungen an Aleph Alpha aus Heidelberg werden wachsen
Nun ist die Unabhängigkeit des europäischen Start-ups – gegründet von ehemaligen Google- und Meta-Entwicklern – bedroht. Mistral könnte durchaus zweigleisig fahren und sich auch in Europa mit starken Partnern weiterentwickeln und etablieren. Doch das große Microsoft hat nun den Fuß in der Tür. Und es ist die Frage, ob es den je wieder herausnimmt.
Umso größer sind nun die Erwartungen an Aleph Alpha aus Heidelberg. Gründer Jonas Andrulis hat sich vergangenes Jahr gegen die durchaus interessierten amerikanischen Investoren wie Nvidia und für die europäische Lösung entschieden.
Schwarz-Gruppe, SAP und Bosch sind nun an Aleph Alpha beteiligt und wollen dem Start-up auch die Möglichkeit bieten, die eigenen Sprachmodelle im Unternehmensumfeld zum Einsatz zu bringen.
KI-Entwicklung schreitet rasant voran
Dazu kommt der Einsatz des Aleph-Alpha-Sprachmodells Luminous in der öffentlichen Verwaltung. Über den bundesweit aktiven Govtech Campus, der in Heilbronn den zentralen Ableger für Baden-Württemberg bekommt, könnte die Technologie ausgerollt werden. "Soll", "wird", "kommt" – auch da zeigt sich, wie schnell die Zeit vergeht, die bei der Entwicklung von KI so knapp ist.
In Frankreich wie in Deutschland sind die Regierungen jedenfalls noch lange nicht auf die neue Geschwindigkeit eingestellt. Und dann fehlt überall das Geld. Es bräuchte noch einige Dieter Schwarzens, um daran etwas zu ändern.
Mistral testen
Wer den KI-Chatbot von Mistral testen will: chat.mistral.ai
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