Leere Büros bei der Schwarz-Gruppe: Mitarbeiter wehrt sich gegen Kritik
Eine flexible Homeoffice-Regelung hat zur Schließung von Gebäudeteilen bei Lidl in Bad Wimpfen und der Schwarz-Gruppe in Heilbronn geführt. Der Preis für Flexibilität bei einen modernen Arbeitgeber? Das sind die Reaktionen.

Die Schwarz-Gruppe hat durch die weitgehende Homeoffice-Regelung mit Leerständen in seinen Bürogebäuden zu kämpfen. Die Reaktionen auf unsere Berichterstattung fielen sehr unterschiedlich aus.
Vor Übertreibungen bei den Bauvorhaben des Einzelhändlers warnen die einen, die anderen diskutieren die Vor- und Nachteile des Homeoffice. Klar scheint, das Problem der Leerstände hat sich seit längerer Zeit abgezeichnet und lässt sich auch nicht so schnell beheben.
Lidl versuchte erfolglos, das Gebäude in Bad Wimpfen weiterzuvermieten
Ein erstes "Haus" im 2021 eröffneten Gebäudekomplex von Lidl Deutschland in Bad Wimpfen steht bereits seit Monaten leer. Informationen unserer Redaktion zufolge wurde das Haus E am 15. April geschlossen. Offen geblieben ist dort nur das Fitnessstudio im Untergeschoss.
Die Schwarz-Gruppe hatte zuletzt offenbar erfolglos versucht, diesen Gebäudeteil zu vermieten - mit externen Unternehmen wie Tesla sei man im Gespräch gewesen, aber auch intern mit der Schwester Kaufland. "Aber einen Kaufland-Mitarbeiter zu Lidl zu schicken, das war dann wohl doch zu viel", heißt es in gut informierten Kreisen. Möglich wäre nun vielleicht noch eine Vermietung an die Lidl-Stiftung, die für das internationale Geschäft zuständig ist. Denn für diese Gesellschaft werden derzeit noch Flächen extern angemietet.
Auch in Heilbronn gibt es ungenutzte Flächen
Lidl bestätigt oder kommentiert diese Informationen auf Anfrage unserer Redaktion nicht. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass die Schwarz-Gruppe noch weitere Leerstände hat. In Heilbronn etwa sind zwei Gebäudeteile an der Ferdinand-Braun-Straße - in der Nähe der IHK - seit der Pandemie ungenutzt. Ebenso ein Standort an der Lise-Meitner-Straße, nur wenige hundert Meter entfernt.
Es ist der Preis der Flexibilität, die die Schwarz-Gruppe seit der Pandemie seinen Mitarbeitern gewährt.
Homeoffice-Regelungen: Mehr Flexibilität und bessere Work-Life-Balance
Einer dieser Mitarbeiter wehrt sich aber auch dagegen, dass das gesamte Modell mit den Leerständen nun in einen negativen Kontext gerückt wird. "Es ist doch richtig, dass ein Arbeitgeber diesen Schritt geht", sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Schwarz-Gruppe ließ Anfang 2022 prinzipiell 100 Prozent Homeoffice für seine Büroarbeitsplätze zu - unter gewissen Bedingungen. Im Team oder der jeweiligen Gruppe wird nun ausgehandelt, wie häufig eine Anwesenheit am regulären Arbeitsplatz notwendig ist. "Bei uns gibt es beispielsweise eine 40- bis 60 Prozent-Regelung", erzählt ein Lidl-Mitarbeiter. Manches lasse sich schließlich nicht von zu Hause erledigen. Aber: "Flexibilität und Work-Life-Balance werden jetzt zu Recht wichtiger."
Schreibtische im Büro müssen gebucht werden
Die Folge könnte sein, dass in Zukunft noch weniger Mitarbeiter ins Unternehmen kommen. Feste Arbeitsplätze seien schon jetzt nicht mehr definiert, auch wenn die meisten einen Stamm-Schreibtisch haben. Es sei weder wirtschaftlich noch sinnvoll, für jeden Mitarbeiter einen eigenen Arbeitsplatz vorzuhalten.
Die Folge könnte also sein, dass weitere Flächen stillgelegt, aufgegeben, abgemietet werden. "Mit dem Laptop kann man im Unternehmen heute schon von überall aus arbeiten - am Stiftsberg, in der Rötelstraße, in Bad Wimpfen. Wo man eben gerade ist." Da sei die Schwarz-Gruppe einfach ein moderner Arbeitgeber.
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Kommentare
Bettina Scheid-Mosbacher am 06.07.2023 18:22 Uhr
Sehr geehrter Herr Gleichauf,Danke für diese Berichterstattung.
Die drei Vorständinnen des BINN (Bürgerinitiativen Netzwerk Neckartal ) hatten bereits vor über einem Jahr ein Gespräch mit der Firma zur Diskussion um die Erstellung der Oberen Fundel/IT Campus.
Damals hatten wir unter anderem darauf hingewiesen,dass auf Grund der Home-Office Regelung besonders im IT Bereich eine so große Gebäudeplanung mit entsprechender Flächenzerstörung völlig unangemessen sei.
Leider wurde von Seiten des Konzerns geantwortet,dass die Firma noch nie eine Planung im Nachhinein reduziert hat und Expansion zum Geschäftsmodell gehört.Mit Ihrem Artikel wird klar,wie wenig zeitgemäß dieses Vorgehen ist.Unsere Ressourcen gehen zur Neige.
Die Klimakatastrophe fordert unter anderem immensen Bodenschutz.
Die Baubranche ist ein riesiger CO 2 Emmitent.
Das sind einige Gründe die neben der Work-Life-Balance auch einen noch rückwärtsgewandt agierenden Konzern zum Umlenken bringen muss.
Mit freundlichen Grüßen
Bettina Scheid-Mosbacher