Bechtle, Bosch, Würth: Verursacht Homeoffice auch bei diesen Firmen Leerstände?
Betriebe und Verwaltungen setzen immer mehr auf Flexibilität. Am Beispiel der Schwarz-Gruppe zeigt sich das besonders – in der Zentrale von Lidl-Deutschland bleibt ein Gebäude leer. Nicht überall ist man beim mobilen Arbeiten so kulant.

Wie halten Sie es mit dem Homeoffice und welche Folgen hat dies? Nachdem Lidl einen Block seiner neuen Deutschlandzentrale stillgelegt hat, hat sich unsere Redaktion bei anderen großen Arbeitgeber der Region umgehört.
Bei Bechtle ins Grüne
Homeoffice und mobiles Arbeiten sind schon lange Thema beim IT-Dienstleister Bechtle. "Da ein großer Teil unserer Mitarbeiter in Vertrieb, Beratung oder Dienstleistung vor Ort bei Kunden tätig ist, gab es bei Bechtle auch vor Corona keine 100 Prozent Büropräsenz", berichtet Konzernsprecherin Sabine Brand. "Wir haben bei Bechtle keine explizite Homeoffice-Regelung. Dafür sind die Job-Profile zu unterschiedlich." Allerdings sei zu beobachten, dass montags und freitags besonders viele Kollegen von zu Hause aus arbeiten.
Auf mögliche Erweiterungen des Stammsitzes hat die Entwicklung noch keinen Einfluss, sagt Sabine Brand. Der jüngste Anbau ging 2020 in Betrieb, neue Pläne gebe es noch nicht. Allerdings gibt es einen zusätzlichen Anreiz für die Belegschaft, in Neckarsulm zu arbeiten: Vor kurzem wurde ein zweites "Gartenkabinett" auf dem Gelände fertiggestellt, in dem die Mitarbeiter im Grünen sich treffen und arbeiten können.
Würth will seinen Verwaltungsturm noch bauen
Eine klare Prozentzahl gibt es bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG (AWKG): 40 Prozent oder an bis zu zwei Tagen die Woche dürfen Mitarbeiter im Innendienst "im Mobile-Office" arbeiten. "Erste Büros wurden bereits auf ein neues Konzept mit Desksharing umgestellt", erklärt Sprecherin Alexandra Schneid. Damit könnten theoretisch Büroflächen freiwerden.
An der Planung eines neuen Büro- und Verwaltungsgebäudes am Unternehmenssitz in Künzelsau-Gaisbach hält Würth dennoch fest. "Die persönlichen Begegnungen sind ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur", erklärt Schneid. Durch das stetige Wachstum entstünden zudem kontinuierlich neue Arbeitsplätze.
Bosch nutzt die Kombination
Bei Bosch hat man "Smart Work" als globalen Standard eingeführt. Die Teams können "selbst entscheiden, wie sie ihren Arbeitsalltag organisieren", teilt eine Sprecherin mit.
Bosch lege Wert auf eine "sinnvolle Verbindung aus Onsite- und Offsite-Arbeit" unter der Voraussetzung, dass die Tätigkeiten für mobiles Arbeiten geeignet sind. In Abstatt arbeitet ein Großteil der Beschäftigten auch mobil. "Lediglich fünf Prozent gaben an, nur am Standort zu arbeiten", teilt die Sprecherin mit.
VR Bank hat Mitarbeiter ausgestattet
Die VR-Bank Heilbronn Schwäbisch Hall bietet ihrer Belegschaft mobiles Arbeiten an maximal zwei Arbeitstagen pro Woche an. "Nahezu alle Mitarbeiter können das nutzen", sagt ein Sprecher. Die meisten der rund 615 Mitarbeiter wurden für das Arbeiten von zu Hause oder unterwegs ausgestattet.
"Parallel dazu haben alle noch einen festen Arbeitsplatz in der Bank", betont der Sprecher. Das Angebot werde rege genutzt, genaue Zahlen kann die Bank aber nicht nennen. Lediglich für Mitarbeiter im Service-Bereich und für Auszubildende sei mobiles Arbeiten keine Option, "die müssen vor Ort sein", sagt der Sprecher.
Kreissparkasse etwas zurückhaltend
Bei der Kreissparkasse Heilbronn betont man, dass mobiles Arbeiten auch schon vor Corona angeboten wurde. Dennoch sei der klassischen Arbeitsplatz nach wie vor der Normalfall, da Präsenz in vielen Bereichen unverzichtbar sei. Rund 75 Prozent der etwa 1600 Mitarbeiter können mobil arbeiten und nutzten dies individuell nach Absprache.
Stadt Heilbronn geht individuell an das Thema ran
Sehr flexibel handhabt die Stadt Heilbronn das Thema. Derzeit nutzen rund 1500 der etwa 3300 Beschäftigten die Möglichkeit - rund 350 Mitarbeiter im Rahmen der "alternierenden Telearbeit" mit individueller Vereinbarung.
Die anderen können anlassbezogen, aber nicht regelmäßig und zeitlich nicht erfasst von zu Hause aus oder von unterwegs arbeiten. Klar sei, dass mobiles Arbeiten in Bereichen wie Betriebsamt, Ordnungsamt oder Grünflächenamt nicht möglich ist.
Landratsamt Heilbronn will Ämter bald zurückholen, aber...
Das Landratsamt Heilbronn bietet ebenfalls Mobiles Arbeiten und nutzt in einzelnen Abteilungen die Arbeitsplatzteilung. Damit kompensiere die Behörde aktuell ihren Raumbedarf, "der insbesondere durch Aufgabenzuwachs seit Jahren entsteht", berichtet Sprecherin Lea Mosthaf. Es gebe daher keine Leerstände.
Einzelne Ämter und Abteilungen sind in Gebäuden an der Karl- und der Kaiserstraße untergebracht, sollen aber 2025 in die Lerchenstraße kommen. Dazu sollen Flächen in Neubauten von Baier & Schneider auf der anderen Straßenseite angemietet werden.
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