Heilbronner Unternehmen baut innovative Solarplantage am Bodensee
Die aus der ehemaligen Würth-Solar hervorgegangene Viridi RE hat ein Konzept für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage entwickelt, die auch die landwirtschaftliche Nutzung zulässt.

Agri-PV heißt das Schlagwort, eine Kombination aus Landwirtschaft und Photovoltaik. Der Heilbronner Projektentwickler Viridi RE und sein Partner Green Enesys aus Berlin errichten in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) die erste Pilotanlage in Ravensburg-Bavendorf. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) half am Freitag dabei, die letzten Bäume für die neue Solarplantage zu pflanzen.
Verschiedene Varianten werden untersucht
Die Anlage hat eine Spitzenleistung von 227 Kilowatt und wird auf einer Versuchsfläche von rund 6000 Quadratmetern in einer lichten Höhe von 3,5 Meter über den Apfelbaumreihen platziert. Das Projekt im Rahmen der Modellregion Agri-PV des Landes Baden-Württemberg wird auch wissenschaftlich begleitet.
Es werden dabei zwei Varianten mit einer Gesamtlaufzeit von fünf Jahren an vier Apfelsorten untersucht: Bei der Variante 1 sind die Module dachförmig über den Baumreihen fest angebracht und nach West-Ost ausgerichtet.
Bei der Variante 2 kann der landwirtschaftliche und elektrische Ertrag bedarfsorientiert über nachgeführte Module optimiert werden, die der Sonne folgen. Beide Varian-ten werden mit einer Anbaufläche unter herkömmlichem Hagelschutznetz verglichen und die Auswirkungen mittels wissenschaftlicher Studie begleitet.
Gleichzeitig werden verschiedene Modultypen erprobt. Neben Standardmodulen sind das "bifaziale" Module, bei denen sowohl Vorder- als auch Rückseite zur Stromerzeugung beitragen, sowie semitransparente Module. Das Ziel besteht darin, die Lichtdurchlässigkeit so zu wählen, dass die Apfelbäume das notwendige Sonnenlicht bekommen und zugleich der Stromertrag optimiert wird.
Fraunhofer-Institut begleitet noch weitere Projekte
Die in Zusammenarbeit mit dem KOB konzipierte Anlage wird von den Partnerunternehmen Viridi RE, Green Enesys und Ostenweg errichtet. Es handelt sich um das erste Pilotprojekt im Rahmen der Modellregion Agri-PV des Landes Baden-Württemberg. Das Pilotprojekt wird vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und der Hochschule Kehl wissenschaftlich begleitet.
Es gibt andernorts weitere Pilotprojekte, erzählt Jens Wagner, Prokurist und zuständiger Projektleiter der Viridi RE. "In Südfrankreich etwa sind es konventionelle Module, wir gehen da mit unseren halbtransparenten neue Wege." Auch in Rheinland-Pfalz sei zuletzt eine Anlage errichtet worden. Mit den Erkenntnissen könnte es bald noch weiter gehen, so Wagner. Über Himbeeren sei ein Projekt in Heuchlingen geplant. Und mit der Universität Geisenheim soll untersucht werden, wie die Sonnenenergie auch noch genutzt werden kann, in kalten Frühlingsnächten den Boden aufzuheizen. Der Fantasie sind offenbar kaum Grenzen gesetzt.
E-Fuel-Projekt wartet auf Geld aus Brüssel
Viridi ist hervorgegangen aus den Aktivitäten der ehemaligen Würth Solar und gehört mit Gründer und Geschäftsführer Patrick Metzger aus Bretzfeld zu den führenden Projektentwicklern von Photovoltaikkraftwerken. Für ein Großprojekt in Spanien, wo aus PV und Windkraft Wasserstoff für die E-Fuel-Produktion in Karlsruhe hergestellt werden soll, wartet Viridi noch auf die Zusage für den Förderantrag.
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