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Förderstopp und Preissprünge bremsen den Bau

Weniger Bürokratie wünschen sich Vertreter der Bauwirtschaft in Baden-Württemberg. Doch große Hoffnungen haben sie nicht. Und dann wird sich in den kommenden Jahren auch noch der Fachkräftemangel zuspitzen.

Christian Gleichauf
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Wohnungsbau
Unsicherheit am Markt hat im Jahr 2022 dazu geführt, dass Bauprojekte verschoben oder storniert wurden.  Foto: dpa

Die "Unsicherheit im Markt" hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass Projekte verschoben oder storniert wurden, erklärte am Mittwoch (25.1.) der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Markus Böll. Obwohl es viele Bauwillige gebe, würden sie zum großen Teil doch abwarten, was von der Bundespolitik kommt.

Förderung von zehn Milliarden auf eine gekürzt

Auslöser für diese Unsicherheit war Böll zufolge insbesondere der Förderstopp der Bundesregierung Anfang 2022. Bis dahin sei der Bau von energieeffizienten Wohngebäuden mit zehn Milliarden Euro gefördert worden. Dann wurden die Konditionen verschärft und die Summe reduziert.

Die eine Milliarde, die übrig blieb, war nach wenigen Stunden weg. Hinzu kamen die Preissprünge nach Kriegsausbruch bei Baustahl, Holz und vielen anderen Baumaterialien. Auch manches Unternehmen habe das in Turbulenzen gebracht, erklärt Böll bei der Pressekonferenz.

 

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Durch diese steigenden Preise legte auch der Umsatz im Bauhauptgewerbe zu, unter dem Strich um 7,6 Prozent. Real, also preisbereinigt, wurde daraus Böll zufolge aber ein Minus von sieben Prozent. Trotz einer "gewissen Beruhigung" bei den Preisen erwarten die Vertreter der Bauwirtschaft auch für das laufende Jahr ein weiteres Umsatzminus. "Jetzt ist die Förderpolitik gefragt."

Anschubfinanzierung für den Klimaschutz notwendig

Bauwirtschaft PK
Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg (von links), Baupräsident Markus Böll und Vizepräsident Mathias Waggershauser.  Foto: Christian Gleichauf

Böll begrüßt die 6000 Euro, die in Baden-Württemberg für jede fertiggestellte Wohnung bezahlt wird. Ab März gibt es auch neues Geld von der KfW, 750 Millionen Euro sollen zur Verfügung stehen - allerdings weiterhin geknüpft an sehr strenge Voraussetzungen. "Klimaschutz ist richtig und wichtig", sagte dazu Hauptgeschäftsführer Thomas Möller. "Aber wenn man den Bürger und die Bauwirtschaft dazu bringen will, dann ist eine richtige Anschubfinanzierung wichtig." Das, was bisher auf dem Tisch liegt, sei da wohl zu wenig, ließ er durchblicken.

Besonders belastend für alle Beteiligten ist die Bürokratie. "Ich bin jetzt seit 35 Jahren im Beruf, und was Auflagen und Bürokratie angeht, ging es immer nur in eine Richtung: nach oben", sagt Vizepräsident Mathias Waggershauser.

Immer mehr Personal sei für Kontrollen und Absprachen notwendig, immer weniger seien produktiv auf dem Bau tätig. Und dieses Problem werde durch den Fachkräftemangel und das bevorstehende Ausscheiden der Baby-Boomer-Generation noch verschärft.

 

Abgespeckte Standards und neue Deponien gefordert

"Was wir brauchen, ist ein Bauen Light mit abgespeckten Standards", sagt Baupräsident Böll. Waggershausen plädiert beispielsweise dafür, neue Deponien auszuweisen. Der Platz sei knapp. "Und wenn es knapp wird, wird es teuer."

Ohne solche Maßnahmen sehe er auch keine sinkenden Preise am Bau. "Vielleicht", räumt Böll ein, "hat der Preisschock auch etwas Gutes, weil so Gegenmaßnahmen eingeleitet werden."

Trotz der Abkühlung am Bau fehlen dem Verband zufolge bei drei von vier Unternehmen Arbeitskräfte. Mit einer Beschäftigungsoffensive will er dagegenhalten. Ausländischen Arbeitskräften müsse der Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt geebnet werden. "Wir müssen zum Beschäftigungsmagnet in Europa werden", sagt Böll. Ein "diskriminierungsfreies Betriebsklima" soll zudem Frauen vermehrt für die Arbeit am Bau gewinnen.

 

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Die Zahl der Hochbaugenehmigungen ist der Bauwirtschaft Baden-Württemberg zufolge in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um fast zehn Prozent zurückgegangen. Nach deutlich gesunkenen Insolvenzzahlen in den Jahren 2020 und 2021 könnten 2022 wieder mehr Unternehmen in Schieflage geraten sein, vermutet Baupräsident Markus Böll. Daten liegen dazu noch nicht vor. Trotz stagnierender Bautätigkeit ist die Zahl der offenen Stellen im vergangenen Jahr um gut fünf Prozent gestiegen, die Zahl der Beschäftigten hat um 1,7 Prozent zugelegt. Nur 2,3 Prozent der gewerblichen Auszubildenden in der Bauwirtschaft sind weiblich.

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