EBM-Papst startet im Ausland durch
China wird nach kräftigem Wachstum neu sortiert, in den USA ein Werk gebaut. Die Strategie Local for Local, mit der der weltweite Markt bedient wird, geht auf.

Thomas Nürnberger wird dieses Jahr noch nach China fliegen, auch wenn dann wieder quälend lange Wochen in Quarantäne-Hotels anstehen. Die erste Erfahrung im vergangenen Jahr hätte ihm eigentlich gereicht. Doch der Vertriebsgeschäftsführer von EBM-Papst, der 15 Jahre in China gelebt hat, möchte sich persönlich ein Bild von den Fortschritten machen, die der Ventilatorenhersteller derzeit an seinen Standorten Schanghai und Xi"an macht. Und auch in den USA steht ein Besuch an. EBM-Papst will auf den Auslandsmärkten Gas geben.
Damit der kurze Stromausfall locker weggesteckt wird
"Local for local" lautet die Strategie, die EBM-Papst zwar nicht exklusiv hat, aber doch konsequent verfolgt. Sie bedeutet, dass an den Auslandsstandorten möglichst viel für den lokalen Markt produziert wird. Das hat handfeste Gründe.
So gibt es beispielsweise spezielle Anforderungen an Robustheit und Verlässlichkeit. "Die Stromnetze in China und auch in den USA sind nicht so stabil, da müssen unsere Ventilatoren auch etwas mehr Überspannung vertragen", erklärt Nürnberger.
Zudem gebe es Zertifizierungen, die aus Deutschland kaum zu bekommen sind. Entwicklungsteams vor Ort stehen also in engem Austausch mit dem Stammsitz in Mulfingen.
Nur Exotenprodukte werden mit Containern verschifft
Die Idee funktioniert, ihr Erfolg lässt sich auch schon an den Zahlen ablesen. Als Nürnberger vor fünf Jahren zu EBM-Papst in China wechselte, lag die sogenannte Lokalisierungsquote noch bei etwa 55 Prozent, also gut die Hälfte der in China verkauften Produkte wurden auch vor Ort hergestellt. In diesem Jahr kratzt diese Quote bereits an der Zielmarke von 80 Prozent.
Viel mehr werde es dann wohl nicht mehr werden. "Es gibt immer Exotenprodukte und Ersatzteile, die nicht wirtschaftlich in kleinen Stückzahlen produziert werden können", erklärt Nürnberger. Die würden dann natürlich aus Deutschland exportiert.
Eine weitere Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit. "Jeder Container, der nicht verschifft wird, spart CO2", sagt Nürnberger. Das füge sich ein in die sogenannte Greentech-Strategie, die das Unternehmen verfolgt.
Deshalb gehe es auch im Wachstumsmarkt China nicht darum, nur über Masse den Umsatz zu steigern. "Wir wollen qualitatives Wachstum." Statt auf die klassischen und günstigeren AC-Motoren setzt EBM-Papst auch im Ausland auf die energiesparende EC-Technik. Mit ihr wollen die Jagsttäler langfristig punkten. "Wir wollen nicht bis zum letzten Tag Stromfresser liefern", sagt der Geschäftsführer.
Digitalisierung wird die Nutzung grundsätzlich verändern

Nur die EC-Technik passt letztlich auch zur Digitalisierungsstrategie des Unternehmens. "Wenn wir irgendwann noch drei Prozent mit Effizienzsteigerung einsparen, aber 30 mit neuen digitalen Anwendungen, dann zeigt das, wohin die Reise geht", erläutert Nürnberger.
Ohne eigenes Geld In China, von wo aus nun der gesamte asiatische Markt versorgt wird, hat sich EBM-Papst neu aufgestellt. In Xi"an, wo Nürnberger bereits sieben Jahre für Bosch-Rexroth gearbeitet hatte, wurde im Oktober 2019 ein neues Werk eröffnet, strategisch günstig an einem Startpunkt der neuen Seidenstraße gelegen. Dort beschäftigt der Ventilatorenhersteller nun schon 800 Mitarbeiter.
In Schanghai wird aus vier Standorten einer. Die 1100 Mitarbeiter können dort weiter beschäftigt werden. Dazu sind im Übrigen auch keine eigenen Investitionsmittel notwendig, weil das neue Gebäude zwar nach den Vorstellungen des Unternehmens gebaut, aber langfristig angemietet wird, ein in China übliches Modell. Für die nächsten zehn Jahre lasse das neue Gebäude das erwartete Wachstum zu - und das liegt im höheren einstelligen Prozentbereich.
Neues Werk in Tennessee
In den USA betrete EBM-Papst mit einem neuen Werk in Tennessee "eine ganz neue Liga", so Nürnberger. Zwölf Millionen Euro werden investiert. Was dort noch möglich ist, das zeigt sich daran, dass die Mulfinger im ersten Schritt nur 1,6 Hektar eines Zwölf-Hektar-Grundstücks bebauen. Im Sommer 2022 soll die Produktion dort mit 120 Mitarbeitern starten.
Die Lokalisierungsquote, die 2017 noch bei knapp über 50 Prozent lag, wird dann bei 75 Prozent liegen. Im Fokus liegen zu 80 Prozent die USA selbst, daneben Mexiko und Kanada. Der Umsatz, der derzeit bei 250 Millionen Euro liegt, soll zweistellig wachsen - wenn der Chipmangel und sonstige Lieferschwierigkeiten sich nicht zuspitzen.



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