Bauernproteste: Jetzt geraten auch Lidl, Edeka und Co. ins Visier von Mitläufern
Die Landwirte äußern in großen Demos ihren Unmut und protestieren gegen die Entscheidungen der Politik. Es gibt Trittbrettfahrer, die nun Lidl, Edeka und Co. ins Visier nehmen.

Der Unmut unter Landwirten über die Streichung von Steuerprivilegien ist groß. Für kommende Woche ruft deshalb auch der Bauernverband und ihr Präsident Joachim Rukwied aus Eberstadt zu weitreichenden Protesten auf. Andere wollen sich dem anschließen, etwa Teile der Speditionsbranche. Auf einschlägigen Kanälen wird inzwischen häufig vom "Generalstreik" gesprochen, um Deutschland lahmzulegen.
Behauptungen ohne Belege über Lidl und die Schwarz-Gruppe
Noch bevor es so weit kommen kann, geraten bereits die Handelsunternehmen ins Visier bestimmter Interessengruppen. Ein "Gastronom aus Kiel" verbreitete unter anderem auf der Social-Media-Plattform X ein Video, in dem er behauptet, Lidl, Netto und Edeka hätten "ihre Speditionen angewiesen, sollten sie am 8.1. an der Demo teilnehmen und ihre Lkws nicht zur Verfügung stellen, werden sie diese Spedition kündigen".
Diese Nachricht sei ihm "zugespielt worden" und es gehe hier um "Erpressung". Belege für seine Behauptungen bleibt er schuldig.
Klare Dementi von Lidl und von einem Spediteur
Die Pressestelle von Lidl Deutschland erklärt auf Anfrage der Heilbronner Stimme: "Die Unternehmen von Lidl distanzieren sich von den aktuell in den sozialen Medien kursierenden Darstellungen, es hätte interne Vorgaben gegenüber Partnerunternehmen gegeben. Eine derartige Kommunikation können wir nicht bestätigen."
Zudem erklärt Lidl, die Warenversorgung der Filialen sei sichergestellt. Es stünden immer genügend Alternativen zur Verfügung.
Klar Position bezieht auch die Spedition Pfenning aus Heddesheim bei Mannheim, die offenbar für mehrere Handelsunternehmen tätig ist und im Netz als betroffenes Unternehmen genannt wird.
"Wir haben keine Kenntnis von einer derartigen Aktion, und wir haben auch keinerlei Schreiben von unseren Kunden, einschließlich Lidl, erhalten", erklärt Pfenning-Sprecherin Yeliz Kavak-Küstner.
Tatsächlich sind politische Streiks in Deutschland nicht erlaubt. Sollten durch einen rechtswidrigen Streik also Nachteile für Unternehmen entstehen, wären so auch Schadenersatzansprüche begründbar. Die Frage wäre allerdings, gegen wen sich solche Ansprüche richten, wenn wirklich der Verkehr zum Erliegen kommt.
Bauernproteste gegen die Politik: Umgedrehte Ortsschilder als Signal
Offensichtlich ist übrigens, aus welcher politischen Ecke die Aufrufe kommen. Auf vielen Accounts, die den "Generalstreik" unterstützen, werden auch Inhalte der AfD geteilt. Querdenker-Gruppen sind an der Organisation beteiligt oder unterstützen Organisatoren bei der Verbreitung der Informationen, auch in der Region Heilbronn.
Auf Telegram-Gruppen werden derzeit Unterstützer gesammelt. Dort werden unter anderem Fotos geteilt von umgedrehten Ortsschildern, wie sie auch im Raum Heilbronn zuletzt zu sehen waren.
Hinweis in eigener Sache: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Lidl-Pressestelle habe eine Anfrage der Heilbronner Stimme, ob es einen entsprechenden Hinweis an Partnerunternehmen gegeben habe, unbeantwortet gelassen. Das war nicht richtig. Die Mail war aufgrund technischer Probleme nicht zugestellt worden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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