Immer mehr Bankfilialen schließen: So rasant ist die Entwicklung in Heilbronn-Franken
25 Filialen der Kreissparkasse Heilbronn wurden zuletzt geschlossen. Bei anderen Banken sieht es nicht anders aus, weitere Schließungen sind zu erwarten. Auch bei Geldautomaten gibt es Änderungen.

Der Wandel der deutschen Banken dauert schon einige Jahre an, ein Ende ist bislang allerdings noch nicht absehbar. Denn die Branche muss ihr Geschäftsmodell radikal reformieren, um zukunftsfähig zu werden. Vor allem für Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken sind die Herausforderungen enorm. Zum Grundverständnis dieser Institute gehört die regionale Präsenz, die jedoch immer stärker hinterfragt wird – einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, andererseits als Folge des sich verändernden Kundenverhaltens.
Deutsche Banken schließen: Digitaler Multi-Kanal bedingt zunehmenden Rückzug der Bankfilialen
Das gar nicht mehr so neue Zauberwort der Bankenbranche heißt "Omnichannel", auf deutsch Multi-Kanal. Damit ist gemeint, dass die Bank den Kunden auf den Kanälen bedient und berät, die er vorzieht: Das kann das persönliche Gespräch in der Bank oder zu Hause sein, der digitale oder telefonische Dialog oder die komplett digitalisierte Dienstleistung. Die meisten Institute betonen, dass sie persönlich und digital unterwegs seien, um ihre Kunden bestmöglich zu beraten.
Die Folgen dieser Strategie sind seit Jahren deutlich zu sehen. Die Banken straffen ihr Filialnetz, ziehen sich aus kleinen, ländlichen Kommunen zurück und bündeln ihre Kompetenzen in größeren städtischen Standorten. Großbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank, die ohnehin kaum in der Fläche präsent waren, konzentrieren sich in der Region auf den Standort Heilbronn. Auch bei der BW-Bank bleibt in Heilbronn-Hohenlohe nur noch die Hauptstelle an der Heilbronner Allee bestehen, nachdem die LBBW-Tochter 2021 ihre Filialen in Neckarsulm, Bad Wimpfen und Öhringen geschlossen hat.
Kaum Besucher in den Filialen: Kreissparkasse Heilbronn strafft Filialnetz
Die Kreissparkasse Heilbronn als größte Bank in der Region hatte den großen Wurf bereits im Herbst 2018 gewagt. Damals kündigte Vorstandsvorsitzender Ralf Peter Beitner die Schließung von 25 personenbesetzten Kleinfilialen an, die seitdem nur noch als SB-Standorte betrieben werden.
Diese Filialen seien kaum noch besucht worden, hatte eine Analyse der KSK seinerzeit ergeben, rund 98 Prozent der Transaktionen seien reine SB-Vorgänge gewesen. Seither hat die Kreissparkasse Heilbronn nur noch vereinzelt ihr Filialnetz und ihre Angebote vor Ort entsprechend angepasst. Beitner betont aber stets, dass sich diese Entwicklung fortsetzen werde. Auch die Sparkasse Hohenlohekreis hat im Jahr 2023 vier Filialen geschlossen – in Michelbach, Ernsbach, Bieringen und Oberkessach.
Unser Autor ist allerdings der Meinung, dass die Schließungen von Banken kein Katastrophe sind.
Selbstbedienung statt Personal in deutschen Banken: "Es sind Anpassungen notwendig"
Die Volks- und Raiffeisenbanken reagieren in ihrem jeweils eigenen Tempo auf die veränderten Rahmenbedingungen in der Branche. Aber der Trend ist auch hier eindeutig. Die Volksbank Hohenlohe hatte 2022 vier Filialen geschlossen, vier mobile Servicestellen gestrichen und die Öffnungszeiten verkürzt. Ein Jahr später kündigte die Volksbank Möckmühl die Schließung der Filialen in Cleversulzbach, Degmarn und Lampoldshausen an.
Und Ende 2023 gab die VR-Bank Heilbronn Schwäbisch Hall bekannt, vier Niederlassungen in Heilbronn, Crailsheim und Schwäbisch Hall zu schließen. "Es sind Anpassungen notwendig", hatte Vorstandschef Eberhard Spies damals mit Blick auf die schwache Nutzung der betroffenen Filialen gesagt. Und weitere Schließungen in Aussicht gestellt.
VR-Bank fährt Zahl der Zahl der Geldautomaten zurück
Doch die VR-Bank belässt es dabei nicht. Auch die Zahl der Geldautomaten fährt die größte Genossenschaftsbank der Region Schritt für Schritt zurück – auch aus Sicherheitsgründen, nachdem es immer wieder zu Sprengungen kommt. "Rein wirtschaftlich betrachtet müssten wir 80 Prozent unserer Geldautomaten schließen", hatte Marktvorstand Marco Beckbissinger gesagt.
Ganz verzichten müssen Kunden der VR-Bank künftig auf Kontoauszugsdrucker. Bis Juni werden alle Geräte abgebaut sein, kündigte Spies an. "Dieses Gerät ist überholt, die Nutzung hat drastisch nachgelassen." Die Kreissparkasse Heilbronn wiederum hatte Anfang des Jahres betont, an den Geldautomaten festzuhalten.
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