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Audi-Betriebsrat sorgt sich um Neckarsulm

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3300 Audi-Mitarbeiter fordern bei einer Infoveranstaltung gemeinsam mit dem scheidenden Betriebsratschef Rolf Klotz klare Perspektiven von Audi-Chef Duesmann. Der mahnt zu Geduld und sieht genügend Zeit für den Umbau.

Der Betriebsrat erreichte mit der Corona-konformen Open-Air-Informationsveranstaltung über 3.300 Neckarsulmer Audi-Mitarbeiter.
Der Betriebsrat erreichte mit der Corona-konformen Open-Air-Informationsveranstaltung über 3.300 Neckarsulmer Audi-Mitarbeiter.  Foto: Matthias Stark

Die Auslastung des Neckarsulmer Audi-Werks ist für die nächsten Jahre gesichert.

Der scheidende Audi-Betriebsratschef am Standort, Rolf Klotz erklärte bei einer Betriebsratsveranstaltung auf dem Werksgelände aber: "Unsere starke Mannschaft hat eine Perspektive und Standortsicherung auch über die zweite Häfte des Jahrzehnts verdient." Audi-Chef Markus Duesmann, der ebenfalls zu den Beschäftigten sprach, hatte allerdings keine konkreten Zusagen mitgebracht.

Noch kein rein elektrisches Volumenmodell

Klotz, der seit 46 Jahren bei Audi arbeitet und seit fünf Jahren Betriebsratsvorsitzender in Neckarsulm ist, wird Ende Oktober sein Amt niederlegen. Da war es trotz Pandemie an der Zeit, die Audi-Belegeschaft wieder einmal zusammenzubringen.

Unter freiem Himmel und unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnamen versammelten sich in zwei Runden mehr als 3300 Audianer auf der Freifläche, auf der bis vor wenigen Jahren die Produktionshalle B14 gestanden hatte - und wo eigentlich das erste elektrische Volumenmodell in Neckarsulm, der E6, produziert werden sollte. Aber es kam ja anders.


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Abschied von Urgestein Klotz

Im anschließenden Talk beantworteten Betriebsratsvorsitzender Rolf Klotz, Stellvertreter Rainer Schirmer sowie Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann Fragen aus der Belegschaft. Foto: Matthias Stark
Im anschließenden Talk beantworteten Betriebsratsvorsitzender Rolf Klotz, Stellvertreter Rainer Schirmer sowie Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann Fragen aus der Belegschaft. Foto: Matthias Stark  Foto: Matthias Stark

In seiner letzten öffentliche Rede rief Klotz also dazu auf, der Neckarsulmer Mannschaft zeitnah aufzuzeigen, welche E-Fahrzeuge am Ende der 2020er Jahre im Werk gefertigt werden sollen. "Es ist allerhöchste Zeit, dass wir unserem Vorstand die Neckarsulmer Ängste und Sorgen direkt aufzeigen. Wenn es eng wird für die Neckarsulmer, zeigt sich der starke Zusammenhalt der Belegschaft", sagte Klotz.

Die Entscheidung, welche elektrischen Volumen-Modelle künftig im Werk gefertigt werden sollen, sei zeitnah zu treffen: "Wenn im Konzern alle Stücke vom E-Fahrzeug-Kuchen verteilt sind, ist es zu spät" stellte Rolf Klotz in Richtung des Vorstandsvorsitzenden Markus Duesmann klar.

Und auch der stellvertretende Betriebsratschef Rainer Schirmer betonte: "Wir haben zwar eine Beschäftigungssicherung bis 2029, wissen aber ab 2027 nicht mehr, wie die Mannschaft beschäftigt werden soll."  Er schloss mit dem Aufruf: "Es heißt weiterkämpfen. Wir brauchen Antworten für den Standort."


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Unterstützung mit Standing Ovations

Klotz erinnerte auch daran, dass 2019 der Audi-Vorstand das Werk Neckarsulm mittelfristig zum Verbrennerstandort erklärt habe, um 2021 dann zu verkünden, dass 2026 das letzte Modell mit Verbrennungsmotor anlaufen soll. "Das wirft bei uns viele Fragen auf!" Und das unterstrichen auch die Audi-Mitarbeiter, die ihn mit Standing Ovations verabschiedeten.

"Wir haben im Sommer eine klare Entscheidung für die E-Mobilität getroffen", erklärte Audi-Chef Duesmann anschließend. "Das gibt uns jetzt ausreichend Zeit, um den Wandel geordnet zu gestalten und die Mitarbeitenden auf diesem Weg mitzunehmen." Mit A4-/A5- und A6-/A7-Familie werde Neckarsulm in den kommenden Jahren eine stabile Auslastung haben. "Bis 2033 haben wir ja auch noch zwölf Jahre. Das Verbrenner-Geschäft wird für diese Zeit noch ein wichtiger Ergebnisbringer sein."

Duesmann warb zudem um Vertrauen: "Dass wir als Vorstand zum Standort Neckarsulm stehen, das sollten Sie bitte nicht infrage stellen. Das ist uneingeschränkt gegeben."

Mehr als eine halbe Milliarde Euro wird investiert

Audi investiert in neue Gebäude und Produktionsanlagen. Nach Informationen der Heilbronner Stimme nimmt das Unternehmen dafür einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in die Hand, etwa 500 bis 600 Millionen Euro. 1995 wurde die Lackiererei, die damals 312 Millionen Mark kostete, als größte Investition der Standortgeschichte gefeiert. Nun bekommt das Werk eine neue Lackiererei - mit der bisherigen Kapazität von 300 000 Fahrzeugen jährlich. Baubeginn ist 2022 und mit geschätzten 100 bis 150 Millionen Euro eine der größten Investitionen vor Ort.


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Audi-Vorstand spricht über Zukunftstechnologien für Neckarsulm


 

Technische Entwicklung braucht Zukunftstechnologie

Große Fragezeichen stehen auch hinter der Technischen Entwicklung mit gut 1800 Mitarbeitern am Standort Neckarsulm. Die Ingenieure dort sind neben dem Leichtbau vor allem auf Verbrenner-Motoren und Brennstoffzelle spezialisiert. Wie es damit weitergeht, ist ungewiss. Audi-Chef Markus Duesmann kündigte zeitnah weitere Details zur Ansiedlung wichtiger Zukunftstechnologien in der Technischen Entwicklung in Neckarsulm an. Genaueres ließ er sich auch auf Nachfragen der Belegschaft nicht entlocken.

 

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