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Verdi will Tarifvertrag für SLK Service GmbH durchsetzen

Ungleichbehandlung und Schlechterstellung von Mitarbeitern innerhalb des SLK-Verbunds sollen nach dem Willen der Gewerkschaft aufhören. Streiks seien denkbar, heißt es von Verdi. Die SLK-Leitung nimmt Stellung.

Valerie Blass
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Verdi will Tarifvertrag für SLK Service GmbH durchsetzen
Verdi will, dass für SLK-Mitarbeiter einheitlich Bedingungen gelten. Foto: Veigel  Foto: Veigel

Den SLK-Kliniken und ihrem Geschäftsführer Thomas Weber könnte ein heißer Sommer bevorstehen. Die Gewerkschaft Verdi ist entschlossen, die Mitarbeiter der Service GmbH der SLK-Kliniken in den Tarifvertrag zurückzuholen. Der erste Versuch vor rund zehn Jahren war gescheitert. "Damals waren wir nicht darauf vorbereitet, Arbeitskampf-Maßnahmen zu ergreifen, heute sind wir es", sagt Arne Gailing von Verdi.

Mitarbeiter der Service GmbH sind zuständig für Infrastruktur-Leistungen

Rund 800 Mitarbeiter hat die Service GmbH, die 1999 noch unter dem Dach der Klinik Löwenstein gegründet wurde. Sie stellen in den Häusern der SLK die Infrastruktur, kümmern sich um Leistungen wie Patiententransporte, Reinigung, Küche, Technik, Post oder den ärztlichen Schreibdienst.

Das Problem aus Sicht von Verdi: Für die Mitarbeiter, die nach 1999 eingestellt wurden, gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD nicht. Das bedeutet: deutliche Unterschiede in den Vertragsgrundlagen. Stundenlohn, Urlaubsansprüche und sonstige Leistungen variieren stark. Gailing spricht von "Willkür". Teilweise seien Mitarbeiter, die schon seit Jahren bei der Service GmbH beschäftigt sind und viel Erfahrung besitzen, schlechter gestellt als neu rekrutierte Mitarbeiter, denn inzwischen sind Arbeitskräfte in vielen Bereichen umkämpft - sie können höhere Forderungen stellen. Auch die Bezahlung sei im Schnitt deutlich niedriger als für SLK-Mitarbeiter.

Lohn-Unterschiede bei Reinigungskräften sind teils riesig

Gailing nennt als Beispiel den Bereich Reinigung. Dort verdienten die meisten Mitarbeiter den für das Gewerbe vorgeschriebenen Mindestlohn von 11,55 Euro pro Stunde. Bei Vollzeit seien das etwa 1958 Euro brutto pro Monat, netto ohne Kinder 1560. Damit bekämen Mitarbeiter der Service GmbH in diesem Bereich zwischen 470 und 1141 Euro weniger als ihre Kollegen, die zum Beispiel vor 1999 bei SLK angestellt wurden. Hinzu komme, so Gailing: "Viele sind in Teilzeit und befristet beschäftigt, viele in Kettenbefristung oder mit geringem Arbeitszeitumfang, so dass sie zwei bis drei Jobs brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten." Es sei nicht einzusehen, "dass die Kolleginnen und Kollegen der Service GmbH Mitarbeiter zweiter Klasse sind".

Für Andreas Maio von der Tarifkommission ist nicht nachvollziehbar, dass die beiden SLK-Gesellschafter Stadt und Landkreis Heilbronn die Ungleichbehandlung dulden. Reinigungskräfte im Rathaus seien doch auch nicht in solchen Konstrukten beschäftigt. "Ich verstehe nicht, wie OB und Landrat solche unterschiedlichen Regelungen zulassen können", sagt Maio.

Auch Streiks von wenigen Mitarbeitern können effektiv sein

Am 28. Juni sind laut Verdi erste Gespräche mit der SLK-Geschäftsleitung anberaumt. "Wir hoffen, dass die Geschäftsführung den Weg des Tarifvertrags beschreitet, ansonsten müssen wir uns überlegen, wie wir mit der Situation umgehen", sagt Gailing. Ein Streik sei "letztes Mittel der Wahl, aber wenn der Arbeitgeber es herausfordert, wäre das denkbar". Dabei kommt es laut Gailing nicht unbedingt darauf an, dass möglichst viele Mitarbeiter in den Ausstand gehen, sondern darauf, den Arbeitgeber wirtschaftlich zu treffen. Ein Beispiel aus Nürnberg habe kürzlich gezeigt, wie effektiv der Streik eines kleinen Teils der Belegschaft sein könne: "Wenn das Reinigungspersonal in den OPs streikt, dann findet morgens eine Operation statt und dann war's das."

SLK nimmt Stellung zu den Forderungen von Verdi

Die SLK-Leitung reagiert gelassen auf die Forderungen von Verdi. Auf die Anfrage der Stimme, ob es sich eine Klinik angesichts des Personalmangels in der Branche überhaupt noch leisten könne, Mitarbeiter außerhalb des Tarifs einzustellen, übermittelt die Pressestelle ein Statement von Thomas Weber, der gleichzeitig Geschäftsführer der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH und der Tochtergesellschaft SLK-Service GmbH ist: "Momentan haben wir keine größeren Probleme, Stellen zu besetzen. Es ist aber wie in allen Bereichen auch bei der SLK-Service GmbH schwieriger geworden, geeignetes Personal zu finden und einzustellen", wird Weber zitiert.

Der Großteil der Mitarbeiter sei im Bereich Reinigung tätig. Für sie gelte der Gebäudereiniger-Rahmentarifvertrag. Die Verträge der anderen Mitarbeitenden seien daran angelehnt. SLK zahle zusätzlich freiwillige Prämien und bietet beispielsweise auch eine Altersvorsorge.

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