Bekommt Obersulm bald eine zentrale Verteilerküche für Schul- und Kita-Verpflegung?
Die Gemeinde Obersulm prüft, beim geplanten Mensa-Neubau der Michael-Beheim-Schule eine zentrale Verteilerküche für Schulen und Kitas einzurichten. Ein Vorteil: Frischeres Essen bei kurzen Wegen.

Es könne schon morgen sein: Diese Auskunft haben Gemeinde und Schulleitung vom Regierungspräsidium Stuttgart erhalten, als es um die Frage ging, wann denn das Land ein Förderprogramm für Mensen auflege. Morgen ist nun schon fast zwei Jahre her, und immer noch ist keine Zuschussmöglichkeit für den Neubau an der Michael-Beheim-Schule (MBS) in Sicht.
Deshalb nutzt Obersulm die Zeit des Wartens, um über eine Neuorganisation der Schul- und Kita-Verpflegung nachzudenken. Jetzt wurde die Machbarkeitsstudie dem Gemeinderat vorgelegt. Der Vorschlag: In der MBS könnte die zentrale Verteilerküche für alle Bildungs- und Betreuungseinrichtungen der Gemeinde entstehen. Ein Arbeitskreis wird sich mit der Weiterentwicklung der Verpflegungskonzepte befassen.
Aktuelle Probleme durch Anlieferung und Warmhalten
Die Firma Giel Planungsgesellschaft hatte zunächst den Ist-Zustand erhoben. Bisher liefern zwei Caterer – Apetito und Meyer Menü – das Mittagessen. Die Problematik beim Aufwärmen der angelieferten Essen: Sowohl in der MBS als auch in Realschule und teils in Kitas heizt sich der Vorbereitungsraum durch die Abwärme auf, erläuterte Geschäftsführer Andreas Giel.
Bei den Grundschulen in Eschenau und Affaltrach sowie der Käthe-Kollwitz-Schule müsse das Essen lange warm gehalten werden. Dadurch leide die Haptik und Konsistenz, zudem gebe es Qualitätseinbußen. Die Defizite im Kita-Bereich: Die Nacherhitzung in der Mikrowelle in Eichelberg und Breitäcker sei nur als Ausnahme erlaubt. In Breitäcker müssen die Erzieherinnen in der Kinderküche mit nur 65 Zentimeter Arbeitshöhe hantieren. Und am Standort in der Postwiese, an den die Krippe im Multifunktionshaus angeschlossen wird, sei die Kapazitätsgrenze der Geräte erreicht.
Vorschlag des Planers
"Wir haben Verbesserungspotenzial finden können", sagte Giel und sah Luft nach oben, was die Essensbuchungen betrifft. Die langen Warmhaltezeiten und die entstehende Abwärme, die teilweise durch Klimageräte behoben werde, was energetisch wenig sinnvoll sei, ließen sich mit einer zentrale Verteilerküche lösen. Der Vorschlag der Planungsgesellschaft: An der MBS beim Mensa-Neubau diese zentrale Verteilerküche einrichten. Die Vorteile: kurze Anlieferung innerhalb der Gemeinde, kurze Warmhaltezeiten der Speisen. Die Platzverhältnisse an der MBS gäben diese Lösung her, eine Erweiterung an der Realschule wäre zu teuer.
Giel legte Zahlen zu den Essensausgaben vor. Einige Räte waren enttäuscht, dass die Teilnahme am Schul- oder Kita-Essen teilweise nicht ihren Erwartungen entsprachen. Man habe viel Geld in den Sand gesetzt, meinte Ulrich Hohl (FWV) mit Blick auf die Realschule. Es sei ärgerlich, dass dort so wenig Schüler zu Mittag essen. Nico Knapp (CDU) schlussfolgerte daraus, dass viele Kinder zu Hause essen würden. Das sei immer noch das beste. "Das ist eine romantische Vorstellung", entgegnete Giel. Die Schüler holten sich Döner oder gingen zum Bäcker. "Wir brauchen bei der Verpflegung der Kinder kein Geld zu verdienen", kam Knapp auf einen anderen Aspekt zu sprechen.
Schulessen als Pflicht?
Damit die Investitionen sich lohnten, fragte Alexander Heinrich (FWV) nach der Möglichkeit, das Schulessen zur Pflicht zu machen, so wie das am Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasium, einer Ganztagsschule, der Fall sei - zumindest bis Klasse zehn.
Grünen-Sprecher Armin Waldbüßer lobte die Initiative von Bürgermeister Björn Steinbach, das bisherige System zu überdenken und begrüßte wie alle anderen Fraktionen den Arbeitskreis. Bei möglichst kurzen Wegen und Erwärmungszeiten schmecke das Essen auch. Ein gesundes und vollwertiges Essen sei sehr wichtig, betonte er. Das hob auch Roland Eisele (CDU) hervor.
Man könne darüber nachdenken, einige Komponenten frisch zuzubereiten unter Mithilfe von Eltern, etwa Salate, gab Giel dem Arbeitskreis mit auf den Weg. Heide Schuhmacher, die im Rathaus für die Schulen zuständig ist, sah Potenzial beim Speiseplan, der bisher sehr fleischlastig sei. Vegetarisch und vegan seien immer mehr Kommen. Die bei Realschülern beliebten Snacks könnte es auch an der MBS geben.
Die Zahlen zur Essensausgabe
"Für uns wäre das kein Problem", sagt Schulleiter Eric Sohnle. Die Überlegungen einer zentralen Verteilerküche an seiner Michael-Beheim-Schule leuchten ihm ein. Er ist zufrieden mit der Zahl der Schüler, die bisher die Mensa besuchen und spricht von einer hohen Qualität des Essensangebots. Die Teilnahme verpflichtend zu machen, wie sie FWV-Gemeinderat Alexander Heinrich ins Gespräch brachte, hält er "für völlig ausgeschlossen an einer staatlichen Schule".
Natürlich wartet Sohnle auf den Mensa-Neubau, viel dringlicher seien jedoch die Fachräume, die in diesem Anbau ebenfalls geplant sind.
Wie sieht es an den einzelnen Schulen aus?
Die Firma Giel Planungsgesellschaft erhob in der Machbarkeitsstudie auch die aktuellen Zahlen. Stand April 2023 werden an den staatlichen Schulen in Obersulm mit 1352 Schülern durchschnittlich 273 Essen pro Tag ausgegeben. Das sind pro Jahr inklusive der Snacks an der Realschule 30 197 Essen. Von den 224 Beheim-Grundschülern - 60 davon sind in der Ganztagsbetreuung - buchen täglich 29 Kinder das Essen, bei den 268 Gemeinschaftsschülern sind es 64. An der Realschule mit ihren 486 Schülern werden täglich 33 Essen ausgegeben und 63 Snacks, die besonders beliebt sind. Das sind Brötchen mit Schnitzel, Fleischkäse, Frikadellen und Chicken Nuggets. Dazu werden auch Pizza, Burger und Brezeln verkauft. An der Käthe-Kollwitz-Schule (66 Schüler) werden täglich 25 Essen gebucht, an der Grundschule Affaltrach (216) 50 Essen und in Eschenau (92) neun Essen.
Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an den Grundschulen ab 2026 sei mit einem deutlichen Anstieg von Essen zu rechnen, so der Hinweis von Andreas Giel.
Durchschnittlich 60 Essen täglich werden an den Krippen erwärmt, 109 in den Kindergärten. Damit kommt eine Gesamtzahl von 38 976 Essen pro Jahr zusammen.
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