Mensa-Chefin in Nordheim: "Currywurst geht überhaupt nicht"
In der Mensa der Kurt-von-Marval-Schule in Nordheim geht es um 13 Uhr rund. Mensa-Leiterin Monika Kuhnle und ihr Team haben alle Hände voll zu tun. Was ihre Arbeit so besonders macht.

Viel Zeit bleibt nicht, um die Tische feucht abzuwischen und die Ausgabestelle mit neuen Speisen aufzufüllen. Schon bildet sich vor der Essensausgabe eine Schlange. Das Stimmengewirr schwillt an. In der Mensa der Nordheimer Gemeinschaftsschule geht es rund.
Um in der Mensa zu arbeiten, braucht man sicher starke Nerven.
Monika Kuhnle: Ja, es ist etwas anderes, wenn ich in einem Büro sitze und Zahlen oder Buchstaben in den Computer gebe.
Und Kinder sind oft anders unterwegs als Erwachsene.
Kuhnle: Schon, oft aber positiv anders. Das muss ich ehrlich sagen. Manchmal kommen sie und sagen, guck mal, Frau Kuhnle, ich habe neue Schuhe. Oder: Kannst du mir die Kiwi aufschneiden. Oder den Apfel in Stücke. Dabei zeigen sie ihre Zahnlücke, wegen der sie den Apfel nicht am Stück essen können. Das ist echt goldig.
Kennen Sie die Schüler mit Namen?
Kuhnle: Manche, nicht alle.
Wie war es bei Ihnen als Kind, wenn Sie nach der Schule heimkamen?
Kuhnle: Ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Entweder war die Oma zu Hause und hat Essen vorbereitet oder eben die Mama.
Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Kuhnle: Ich mag Linsen und Spätzle. Spaghetti. Fisch mag ich auch. Wir haben jetzt außerdem einen neuen Smoker zu Hause, der ist natürlich auch toll.
Wer bestimmt, was es in der Mensa zu essen gibt?
Kuhnle: Wir kochen auch für die Kindergärten, deren Plan machen die Erzieherinnen. Den Speiseplan für die Schüler gestalte ich. Den Plan stelle ich nach dem zusammen, was die Kinder gerne essen. Das muss ich ganz einfach so sagen. Es ist jeden Tag ein Gericht mit Fleisch dabei. Eben haben Sie es ja selbst gehört: "Bitte viel Fleisch."
Currywurst geht sicher immer, oder?
Kuhnle: Nein, überhaupt nicht. Die jüngere Generation isst eher Döner oder Burger.
Wie halten Sie es mit den Ernährungsempfehlungen?
Kuhnle: Die haben wir im Hinterkopf. Wir würden sie gern häufiger umsetzen. Nur - die Kinder essen es nicht. Ein Mal in der Woche gibt es eines ihrer Lieblingsgerichte. Dazu gehören Schnitzel mit Pommes, Pizza, Hot-Dogs, Hamburger. Jeden Tag gibt es ein Salat-Büfett, das wir täglich frisch vorbereiten.
Gibt es oft Gemüse?
Kuhnle: Selten, eben weil sie es nicht essen. Es würde auf den Tellern liegen bleiben. Es wäre schade, dann alles wegzuschmeißen. Wir hier in der Mensa können sowieso nur unterstützen, was eine ausgewogene und gesunde Ernährung angeht. Wir können nicht das Essverhalten umkrempeln, das ist nicht unsere Aufgabe. Das muss von den Eltern kommen.
Wie ist Ihr Eindruck von den Gepflogenheiten zu Hause?
Kuhnle: Zu uns kommen Kinder und sagen: "Aber bitte eine große Portion." Sie hatten daheim kein Frühstück, sie hatten kein Vesper mit für die Pause und das Mittagessen ist für manche die erste Mahlzeit am Tag.
Was gehört zu den Aufgaben einer Mensa-Leiterin?
Kuhnle: Ich bin für die Organisation zuständig und den gesamten Betriebsablauf. Speiseplan, Bestellung, Personaleinteilung und -führung. Wir sind ein gut funktionierendes Team, wir haben Spaß an der Arbeit. Das führt dazu, dass wir keine personellen Wechsel haben. Bis auf eine Köchin sind meine Kolleginnen alle berufsfremd. Schön fände ich es, wenn wir einen Azubi hätten, jemanden, den wir ausbilden.
Wissen Sie noch, warum Sie vor sieben Jahren den Job wollten?
Kuhnle: Ich habe vorher in einem Pflegeheim gearbeitet mit Frühdienst, Spätdienst, Sonn- und Feiertagen. Hier habe ich einen geregelten Arbeitstag. Außerdem habe ich das gelernt. Angesprochen hat mich auch die 60-Prozent-Stelle. Leitungsstellen, wie ich nun eine habe, sind meistens 100 Prozent. Das wäre für mich als Mutter schwierig.
Was macht Ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen so besonders?
Kuhnle: Wir sehen sie jeden Tag. Wir sind ein Teil ihres Schulalltags. Es kann schon mal vorkommen, dass ein Kind kommt und weint. Dann fragen wir, was ist passiert? Bist du hingefallen? Sie erzählen dann, dass beispielsweise jemand sie geärgert hat. Oder dass sie was in Mathe nicht verstehen. Es kann auch schon mal passieren, dass ein älterer Schüler meint, frech werden zu können. Aber dann gibt es eben kein Eis zum Nachtisch.
Was wünschen Sie sich für Ihre Schul-Mensa?
Kuhnle: Ich fände es schön, wenn es nicht nur eine Mensa wäre, sondern etwas darüber hinaus.
Wie meinen Sie das?
Kuhnle: Wenn die Mensa auch ein Stück weit ein Ort zum Verweilen sein könnte. Zum Beispiel mit ein paar Sesseln, aber wir brauchen den Platz. Wir haben halt viele Essensausgaben.
Zur Person
Monika Kuhnle (41) ist staatlich geprüfte hauswirtschaftliche Betriebsleiterin. 2016 übernimmt sie die Mensa-Leitung an der Nordheimer Kurt-von-Marval-Schule. Kuhnle lebt in Schwaigern, ist verheiratet und hat einen Sohn.
>>Alle 24-24-24-Geschichten aus Nordheim und Lauffen gibt es hier in der Übersicht.

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