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Urgestein der Kommunalpolitik: Schock und Trauer in Obersulm nach Tod von Hermann Hohl

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Der verstorbene Weinbaupräsident Hermann Hohl war auch ein engagierter Kommunalpolitiker. Langjährige Weggefährten sind über seinen überraschenden Tod schockiert und erinnern sich an sein Lebenswerk.

Da war Hermann Hohl − neben ihm seine Frau Heidrun − stolz, als er 2020 für 40 Jahre Gemeinderatstätigkeit mit Ehrennadel, Urkunde und Stele des Gemeindetags geehrt wurde. Neun Amtsperioden war er Bürgervertreter.
Da war Hermann Hohl − neben ihm seine Frau Heidrun − stolz, als er 2020 für 40 Jahre Gemeinderatstätigkeit mit Ehrennadel, Urkunde und Stele des Gemeindetags geehrt wurde. Neun Amtsperioden war er Bürgervertreter.  Foto: Friedrich

"Ein Urgestein der Kommunalpolitik", so titelte die Heilbronner Stimme am 28. Oktober 2020, als Hermann Hohl für 40 Jahre Gemeinderatstätigkeit in Obersulm vom Gemeindetag Baden-Württemberg geehrt wurde. Und mit diesen Worten beschreibt auch Alt-Bürgermeister Harry Murso den Mann, der nun überraschend mit 68 Jahren gestorben ist. Viele langjährigen Wegbegleiter trauern mit seiner Familie und sind erschüttert über den Tod des Willsbachers vom Birkenhof.

Der für Ulrich Hohl, den FWV-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, "viel zu früh kam". Obersulm verliere einen intensiven Kommunalpolitiker, sagt er über seinen Namensvetter. "Die Zusammenarbeit war sehr vertrauensvoll", hebt Bürgermeister Björn Steinbach hervor, der von großer Trauer in der gesamten Gemeindeverwaltung berichtet. "Er war ein Original-Willsbacher, der zum Wohl von Obersulm alles gemacht hat", würdigt Ulrich Hohl den Einsatz von Hermann Hohl. Grünen-Sprecher Armin Waldbüßer ist "total schockiert" ob der traurigen Nachricht. Der CDU-Fraktionsvorsitzende und dritte Bürgermeister-Stellvertreter war mit 44 Ehrenamtsjahren dienstältester Gemeinde- und Ortschaftsrat unter vier Bürgermeistern Horst Finkbeiner, Harry Murso, Tilman Schmidt und Björn Steinbach. Im Heilbronner Kreistag war niemand so lange dabei, wie er: 40 Jahre.

Hermann Hohl war überzeugter Obersulmer und Kommunalpolitiker

Obersulm ist 52 Jahre alt. 44 Jahre davon hat Hermann Hohl, der früher auch der Freiwilligen Feuerwehr angehörte, an der Entwicklung der Kommune mitgestaltet und mitbestimmt. "Zu Zeiten, als Obersulm laufen lernte, war Hermann Hohl immer ein überzeugter Obersulmer, der dazu beigetragen hat, dass die Gemeinde das ist, was sie heute ist", blickt Murso auf die kommunalpolitische Lebensleistung Hohls zurück. "Er war jemand, der Obersulm zusammengeführt hat", meint Waldbüßer. "Uns verband eine lange Wegstrecke", sagt Reinhold Gall, Kreisrat und früherer SPD-Fraktionsvorsitzender in Obersulm, der mit Hohl schon gemeinsam die Willsbacher Hauptschule besuchte. Gemeinsam setzten sie sich später dafür ein, die Heimatgemeinde nach vorne zu bringen. "Ja, wir haben auch gestritten", gibt der Sülzbacher zu. Trotz unterschiedlicher Auffassungen habe der Nutzen für den Bürger über allem gestanden. "Wir haben viele gute Kompromisse gefunden", ist Gall überzeugt.

Die Zusammenarbeit über die Fraktionsgrenzen hinweg sei sehr gut, sagt auch Waldbüßer. Die Fraktionsvorsitzenden würden sich bei wichtigen Entscheidungen verständigen und absprechen, so geschehen etwa bei der Nachfolge des zurückgetretenen Bürgermeisters Tilman Schmidt. Als Gemeinderat sei Hermann Hohl für ihn ein Vorbild gewesen, sagt SPD-Sprecher Michael Schepperle.

Weinbaupräsident  Hermann Hohl war engagiert und lebensfreudig

Hermann Hohl war eine stattliche und prägende Erscheinung. "Er war immer engagiert", lobt Waldbüßer, der von einem freundschaftlichen Verhältnis spricht. "Er war ein sehr lebensfreudiger Mensch", erinnert Gall auch an den Humor und die Geselligkeit des Weinbaumeisters und Präsidenten des Weinbauverbands Württemberg. Als pflichtbewusst beschreibt ihn sein Stellvertreter in der CDU-Fraktion, Roland Eisele. "Es war ihm wichtig, etwas für die Gesellschaft zu bewirken."

Eisele bezeichnet Hohl als Impulsgeber, als einen Mann mit Ideen und Visionen, etwa die von einer Kulturhalle und einer Musikbühne am Breitenauer See. "Es ist ein Verlust an Persönlichkeit und Erfahrung, die mit ihm gehen", ergänzt Eisele. Am Montagabend legte die CDU bei ihrer Nominierungsversammlung für die Kommunalwahlen eine Gedenkminute für Hermann Hohl, der nicht mehr auf den Listen stand, ein.

Diese Ehrungen erhielt Hermann Hohl

Mit 24 Jahren war Hermann Hohl (links) 1980 der jüngste unter den sieben neuen Räten, Vierter von links ist Bürgermeister Horst Finkbeiner.
Mit 24 Jahren war Hermann Hohl (links) 1980 der jüngste unter den sieben neuen Räten, Vierter von links ist Bürgermeister Horst Finkbeiner.  Foto: Archiv Kleinknecht

Hermann Hohl war 1980 mit seinen 24 Jahren damals das bislang jüngste Mitglied des Gemeinderats. Umgeben von Respektspersonen, habe er sich gefragt, ob er überhaupt gehört werde, gab er anlässlich seiner Ehrung 2020 preis. Der Willsbacher, der schon immer politisch interessiert war, wurde zu einer gewichtigen Stimme im Gremium. Es ging ihm immer um die Sache, und so konnte er schon mal hartnäckig seine Position vertreten. Und auch überzeugen, zum Beispiel seine eigene Fraktion, als es um den Bau des Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums ging.

Das "herausragende ehrenamtliche Engagement" von Hermann Hohl, wie es Bürgermeister Björn Steinbach beschreibt, wurde vielfach ausgezeichnet. Zum Beispiel 2000 mit der Staatsmedaille in Gold für Land- und Forstwirtschaft des Landes; 2004 mit der goldenen Ehrenmedaille der Gemeinde für fünf Amtsperioden als Gemeinde- und Ortschaftsrat; 2013 mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik für bürgerschaftliches Engagement in Weinwirtschaft und Kommunalpolitik, überreicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

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