Doppelgängerin-Mord: Was geschah auf dem Kaufland-Parkplatz in Bad Rappenau?
Neue Details im Prozess zum sogenannten Doppelgängerin-Mord am Landgericht Ingolstadt werfen Fragen auf. Laut GPS-Daten ihres Autos hielten sich die Angeklagten kurzzeitig in Bad Rappenau auf.

Im Prozess zum sogenannten Doppelgängerin-Mord am Landgericht in Ingolstadt haben am Donnerstag Polizisten aus Heilbronn ausgesagt. Dabei stellte sich heraus, dass neben einem Waldstück in Bad Rappenau-Fürfeld das Parkdeck des Kauflands in Bad Rappenau eine Rolle bei den Ermittlungen spielte. Dort war das Mercedes Coupé der Angeklagten kurzzeitig abgestellt. Doch warum?
Nicht nur die angeklagte Deutsch-Irakerin Schahraban K. selbst hatte angegeben, dass sie und ihr Komplize Sheqir K. auf dem Rückweg nach Ingolstadt auf einem Supermarkt-Parkplatz einen Zwischenstopp eingelegt hatten. Auch GPS-Daten ihres Mercedes belegen das. Bislang hatte es immer geheißen, dass der Tatort des mutmaßlichen Mordes im Waldstück Stöckach zwischen Massenbachhausen und Bad Rappenau-Fürfeld gelegen haben soll. So gab es auch die Staatsanwaltschaft Ingolstadt an. Das Opfer Khadidja O., eine 23 Jahre alte Algerierin aus Eppingen, soll in dem Wald mit einem Schlagring niedergeschlagen worden sein. Anschließend sei sie mit zahlreichen Messerstichen getötet worden - nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nur deshalb, weil sie der Angeklagten ähnlich gesehen haben soll. Schahraban K. habe ihren eigenen Tod vortäuschen wollen, um sich von ihrer Familie loszulösen.
Angeklagte im Doppelgängerin-Mord schildert eigene Version des Geschehens
Folgt man aber den Schilderungen von Schahraban K., soll ihr mitangeklagter Komplize erst auf dem Supermarkt-Parkplatz ein Klappmesser herausgeholt und Khadidja O. erstochen haben. Anschließend habe er das Messer weggeworfen. Er habe am Kofferraum des Autos gestanden, sie an der Fahrerseite, gab K. am Donnerstag bei Gericht an. Sie erinnere sich nicht genau, wohin K. das Messer geworfen habe - ob auf die gegenüberliegende Seite der Parkdeck-Einfahrt oder auf die andere Seite der Straße. Sie sei im Schock gewesen, sagt die heute 24-Jährige weiter. Das Messer sei aber in Richtung eines Baumes geflogen. Sofern ihre Version der Wahrheit entspräche, hätte sich dieses Geschehen auf dem Parkdeck an jenem Dienstag, dem 16. August 2022, noch während der Öffnungszeiten zugetragen. Ihr Mercedes war direkt neben der Einfahrt zum Deck geparkt, wo meist kaum Autos parken. Die Kunden fahren nah an den Eingang heran.
Laut GPS-Daten sollen um 18.44 Uhr die Angeklagten mit ihrem späteren Opfer im Auto aus Eppingen aufgebrochen sein. Um 19.07 Uhr kamen sie demnach im Waldstück bei Fürfeld an, von 19.28 bis 19.37 Uhr hielten sie sich auf dem Kaufland-Parkplatz auf. Wenige Stunden später, kurz vor Mitternacht, stellte eine Notärztin in Ingolstadt den Tod von Khadidja O. fest.
Ermittlerin aus Heilbronn: zuerst "nur subjektive Erkenntnisse" zu Supermarkt-Parkplatz

Eine Ermittlungsleiterin aus Heilbronn berichtet, bei der anfänglichen Arbeit habe der Kaufland-Parkplatz in Bad Rappenau "noch gar keine Rolle gespielt". Man habe zu diesem Zeitpunkt nur "subjektive Erkenntnisse" über einen Supermarkt-Parkplatz gehabt und erst später "valide Daten" in Form von GPS-Daten. Am 30. September seien erstmals Polizisten am Kaufland-Parkplatz gewesen, sagt die 36-jährige Kriminaloberkommissarin.
Alexander Betz, Verteidiger von Schahraban K., fragt bei der Ermittlerin nach, ob man eine Idee habe, was auf dem Parkplatz geschehen sein soll. "Das wäre eine hypothetische Überlegung", antwortet die Zeugin. Natürlich habe man überlegt, warum dort ein Stopp eingelegt wurde. "Die Gedankengänge sind gewesen, dass sie etwas entsorgt haben oder sich sauber gemacht haben." Für Betz stellt sich die Frage, warum das Gestrüpp um den Parkplatz herum nicht genauer untersucht wurde. Die Polizistin berichtet, man hätte Gestrüpp abtragen müssen für ein weiteres Vorgehen. Das wollte man ihren Angaben zufolge auch veranlassen, doch einen Auftrag zu einem weiteren Einsatz habe es seitens der Ingolstädter Kriminalpolizei nicht gegeben. K. sagte am Donnerstag zu, für eine Ortsbegehung am Kaufland-Parkplatz zur Verfügung zu stehen. Ob Erkenntnisse für den Prozessverlauf gewonnen werden könnten, blieb offen. Ein Tatmesser jedenfalls wurde bislang nicht gefunden.
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