Zwei Tage Blaulicht auf der Gartenschau in Eppingen
Bei der Gartenschau in Eppingen zeigen Einsatzkräfte nicht nur, was sie können. Die Besucher erfahren auch, wie sich olympisches Gold anfühlt.
Der Irrtum des Dirigenten des Bundespolizeiorchesters aus München ist den Eppinger wohl heruntergelaufen wie Öl. "Ich freue mich, auf der Bundesgartenschau zu sein", sagt Gerd Herklotz, bevor er am Samstagvormittag auf der Sparkassenbühne den Taktstock für die gut 40 uniformierten Berufsmusiker schwingt. Ganz so groß ist die Nummer auf dem Grünstreifen zwischen Bahnhof und Altstadt zwar nicht.
Dennoch zieht die Eppinger Gartenschau laut Oberbürgermeister Klaus Holaschke seit gut einer Woche "täglich zwischen 1000 und 3000 Besucher" in die badische Fachwerkstadt im Kraichgau. Mit dem großen Blaulichtwochenende auf dem Gartenschaugelände und den angrenzenden Straßen der Altstadt hofft das Stadtoberhaupt die Zahlen noch einmal zu toppen. "Ich bin überzeugt, dass wir an diesem Wochenende einen Besucherrekord haben werden", sagt Holaschke.
Kleine Besucher fasziniert von Technik und Ausrüstung
Von der Feuerwehr über Polizei und Rettungsdienste bis hin zu THW und Bundeswehr präsentieren sich uniformierte Einrichtungen, Organisationen und Behörden den Besuchern. Für den Rathauschef der Großen Kreisstadt ist das "ein Oma-Opa-Enkel-Tag". Tatsächlich sind es die kleinen Besucher, die fasziniert von Technik und Ausrüstung sind. Fabian aus Waibstadt etwa will eines Tages Feuerwehrmann werden. Sechs Spielzeugfahrzeuge hat der Sechsjährige bereits zuhause. Seine Eltern Ramona und Timo Geier wissen, "er ist verrückt nach der Feuerwehr". Interessiert zeigt sich der kleine Junge aber auch am Stand des Technischen Hilfswerks (THW). Besonders das Boot hat es ihm angetan. Weil es auch rückwärts fahren kann, und man darin sehen kann, wie tief das Wasser ist.
Vielfältige Aufgaben im In- und Ausland
"Es gefällt mir generell sehr gut hier. Für Kinder ist hier viel geboten", sagt Jana Bertleff aus Heilbronn. Ihre beiden Jungs Tom und Felix sind ebenfalls beim THW-Stand hängengeblieben. Hier erklärt Christian Keilhold, Gruppenführer Kommunikation beim THW, wie vielfältig die Aufgaben im Einsatz sein können. Bundesweit, aber auch im Ausland helfen Kräfte des Heilbronner THW bei dramatischen Notlagen und Katastrophen.
Wettbewerb mit historischen Handdrucklöschspritzen
Die Freiwillige Feuerwehr Eppingen zieht die Aufmerksamkeit gleich mit vier Fahrzeugen und mehreren Infoständen auf sich. Kein Wunder, immerhin blicken die Brandbekämpfer in diesem Jahr auf eine 175-jährige Geschichte zurück. "Damit ist sie die zweitälteste Wehr in Baden", sagt Oberbürgermeister Holaschke. Grund genug für die Floriansjünger, sich mit Vorführungen zu präsentieren. Und am Sonntag einen Wettbewerb mit historischen Handdrucklöschspritzen in stilechten Uniformen auszuloben. "Es kommen Feuerwehren aus ganz Baden-Württemberg", sagt Feuerwehrmann Tobias Frey.
Im Notfall zählt jede Minute
Zum Jubiläum ist die Freiwillige Feuerwehr Mitveranstalter des Blaulichtwochenendes, das sie in einem sechsköpfigen Organisationsteam mit der Stadtverwaltung, dem Team der Gartenschau und mit Dr. Tatjana Hilker auf die Beine gestellt haben. Die Oberärztin, die im Heilbronner SLK-Klinikum am Gesundbrunnen als Anästhesistin arbeitet, engagiert sich an den beiden Tagen zudem im Team Region der Lebensretter Heilbronn. Auf der Weiherparkwiese leitet sie mit Jürgen Bollgönn-Kirch Besucher an, wie man im Notfall erste Hilfe leisten kann. "Es kommt auf jede Minute an", sagt die Oberärztin.
Neben dem Zollobersekretär auf dem Fahrersitz
Dem siebenjährigen Leonard aus Heilbronn gefällt die Sirene auf dem Dach des Einsatzfahrzeugs vom Hauptzollamt Heilbronn besonders gut. Er darf neben Zollobersekretär Julian Lanzendorf auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Wenn er auf die Hupe drückt, ertönt lautstark das Martinshorn. Die Fahrzeuge sind noch grün, obwohl die Uniformen schon blau sind. Die grünen Autos werden durch blaue ersetzt, sobald sie ausgemustert werden, erklärt Lanzendorf.
Olympiasiegerin im Skispringen bei der Bundespolizei
Am Stand der Bundespolizei interessieren die Besucher vor allem zwei Dinge: Wie fühlt sich ein Olympiasieg an? Und wie schwer ist eine Goldmedaille? Carina Vogt hat 2014 die Spiele in Sotschi im Skispringen der Frauen gewonnen. "Bis vor einer Woche war ich Sportlerin", sagt die 30-Jährige, die bei der Bundespolizei arbeitet und nach dem Olympiasieg noch fünf Mal Weltmeisterin wurde. Jetzt beginnt die gebürtige Schwäbisch Gmünderin ein Studium für den gehobenen Polizeidienst. Und während ihre Kollegen am Stand über die Arbeit der Bundespolizei erzählen, wollen Oliver Düll aus Eppingen und der neunjährige Julian noch einmal die olympische Goldmedaille sehen.
Unimog ist das treuste Pferd im Stall
Der olivgrüne Unimog hat 38 Jahre auf dem Buckel. "Er ist unser treustes Pferd im Stall", sagt Oberfeldwebel Julian Bauder. Der Berufssoldat ist Notfallsanitäter bei der Bundeswehr. Der Zulauf am Stand der Soldaten ist groß. Männer, die früher bei der Bundeswehr waren, informieren sich. Es würden aber auch viele Fragen wegen der Ukraine gestellt, so Bauder. Seine Antwort ist ganz klar: "Wir sind gut ausgestattet. Personell und materiell. Wir haben alles, was wir für einen Einsatz brauchen", sagt der 36-Jährige, der seit sieben Jahren bei der Truppe ist. Die Akzeptanz der Bundeswehr in der Bevölkerung ändere sich von Zeit zu Zeit. In Krisen sei sie extrem hoch. In normalen Zeiten sei sie eher niedrig", hat der Oberfeldwebel festgestellt.
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