Die Polizei, dein Freund und Fußballtrainer
Viele Polizisten in der Region Heilbronn gehen Nebenjobs nach, aber nach Ansicht von Kriminalhauptkommissar Frank Belz nicht primär wegen des Geldes.

Nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums hat jeder siebte Polizist im Land einen Nebenjob. In Heilbronn ist es sogar fast jeder fünfte Polizist - mit gut 19 Prozent aller Polizeivollzugsbeamten hat das Präsidium hier landesweit den höchsten Wert, es folgen mit knapp mehr als 17 Prozent Ludwigsburg und Ulm.
Unterschiedliche Motive
Dieser vergleichsweise hohe Anteil ist zumindest für das Heilbronner Polizeipräsidium allerdings nicht neu. In den vergangenen fünf Jahren habe sich hier keine signifikante Veränderung ergeben, sagt Sprecher Yannick Zimmermann. Aktuell hätten etwa 300 Personen Nebentätigkeiten angemeldet, 265 davon seien Polizeivollzugsbeamte, die anderen Tarifbeschäftigte. Welche Motive die Polizisten hätten, Nebenjobs nachzugehen, sei unterschiedlich, so Zimmermann.
Einige sind in der Arbeit von Sportvereinen stark eingebunden, etwa als Übungsleiter. Sie können so steuerfreie Aufwandsentschädigungen bis zu 3000 Euro im Jahr erhalten. So wie Frank Belz von der Heilbronner Kriminalpolizei. Er trainiert die Fußballer der Spielgemeinschaft Fürfeld-Bonfeld bei Bad Rappenau - das läuft in seinem Fall als Minijob plus Übungsleiterpauschale.
Wie hoch der Zuverdienst genau pro Monat ist, verrät er aber nur seinem Arbeitgeber. Er sei auf das Extra nicht angewiesen, sagt der 50-Jährige. "Manche sparen sich damit vielleicht etwas an", sagt er. Aber er verwende das Geld bloß für "Luxus". Gönne sich mal etwas für den eigenen Garten, oder verwende es für eine Urlaubsreise zusammen mit seiner Frau Heike.
Schichtrhythmus gut vereinbar mit Nebenjob
Dass viele Polizisten Nebenjobs bräuchten, damit das Geld zum Leben reiche, dieser These kann Belz sich nicht anschließen. "Ich verdiene gut als Polizist", sagt er. Mag sein, dass jüngere Kollegen das anders sähen. Oder auch Männer, die Unterhaltszahlungen zu leisten hätten. Das habe aber nicht spezifisch mit Polizisten und deren Bezahlung zu tun, sondern sei ein gesamtgesellschaftliches Thema.
Aus seiner Sicht ist es so, dass sich der Polizeidienst - insbesondere der Streifendienst - vom Schichtrhythmus her gut eignet, einem Nebenjob nachzugehen. Man arbeitet beispielsweise einen Tag spät, dann früh, dann in der Nacht, und im Anschluss sind am Stück drei Tage frei. Es gebe daher einige Kollegen, die zum Beispiel in Saunen oder Bädern nebenher jobbten - als Schwimmmeister beispielsweise. Ein anderer verdiene zusätzlich etwas als Schiedsrichter.
Alle Kollegen mit Nebenjob, die er kenne, gingen diesem mit Freude nach. Belz wirbt dafür, dass Thema positiv zu sehen. "Ich kann da runterkommen als Trainer", sagt er. Und Präventionsarbeit sei ja im Leben von Polizisten ohnehin omnipräsent. Wenn jemand zu viel Alkohol getrunken habe, würde er ihm jederzeit den Autoschlüssel abnehmen, sagt Belz - auch nach Vereinstreffen.
Jeder Nebenjob muss genehmigt werden
Es gibt bei der Polizei allerdings klare Regeln für alles, was Nebenjobs betrifft. Der Zeitumfang darf nicht höher sein als ein Fünftel der regulären Polizeidienstzeit. Und Ruhezeiten müssten natürlich auch eingehalten werden, erklärt Polizeisprecher Yannick Zimmermann. Jede Nebentätigkeit sei zudem genehmigungspflichtig, sagt auch Frank Belz. Wichtig ist, dass es keinen "Interessenskonflikt" mit der Arbeit bei der Polizei gibt. Nebenjobs als Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten oder Detektive im Warenhaus sind beispielsweise nicht erlaubt.
Fußballtrainer zu sein, möchte Frank Belz nicht mehr missen. Seit Jahren macht er das. Das bedeutet aber auch: Zwei Mal pro Woche Training, an Wochenenden oft Spiele. "Das geht so nur, weil das meine Partnerin unterstützt", betont Belz. Sie drehe von den Spielen gerne Videos und schneide die besten Szenen zusammen. "Heikes Sportschau" heißt das vereinsintern. Etwas von der Übungsleiterpauschale, die Belz erhält, gibt er auch wieder zurück an den Verein. "Es gibt da so kleine Abkommen", sagt er und lacht. Wenn die Mannschaft zu null spiele, bekommt sie eine Kiste Bier.
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