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"Manchmal muss man den PC ausmachen und den Shitstorm über sich ergehen lassen"

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Virtuelle Platzverweise und Hasskommentare: Facebook und Co. haben auch die Kommunikation bei der Polizei verändert, wie genau erklärt Frank Belz vom Heilbronner Präsidium.

Seit fünf Jahren nutzt die Polizei Heilbronn Twitter und Facebook. Sie war damit ein Vorreiter unter den Ordnungshütern im Land. Von Anfang an mit dabei: Polizeisprecher Frank Belz. Im Interview erinnert er sich an Beiträge, die sich explosionsartig im Netz verbreiteten, und andere, die einen Shitstorm auslösten. Außerdem verrät er, was es mit virtuellen Platzverweisen und Influencern in Uniform auf sich hat.

 

Auf der Facebook-Seite der Polizei Heilbronn sind viele humorvolle Posts zu finden. So auch der Beitrag, in dem Sie in frecher Jugendsprache eine illegale Party in Flein aufgelöst haben, bevor sie überhaupt stattfinden konnte. Gibt es bei allem Humor auch Grenzen?

Frank Belz: In erster Linie muss man immer den Auftrag der Polizei sehen: Wir haben keinen Unterhaltungsauftrag, sondern wollen die Bevölkerung informieren. Der Spagat zwischen polizeilicher Pressearbeit und Social-Media-Witz ist schwierig. Auf der einen Seite mache ich einen Witz über einen Exhibitionisten, der erwischt wurde, mit einer Überschrift wie "Er hat den Kürzeren gezogen" und auf der anderen Seite gibt es das Opfer, das diesen Post auch liest.

 


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Wie meistern Sie diesen Spagat?

Belz: Ich denke, wir haben einen ganz guten Weg gefunden. Hin und wieder gehen wir an die Grenzen des Erlaubten, aber das ist auch spannend zu sehen, wie weit man gehen kann. Wenn jemand betrunken mit dem Auto zum Polizeipräsidium fährt, dann muss er mit ein bisschen Wortwitz rechnen. Oftmals leben unsere Posts von Sarkasmus. Das lassen wir uns auch nicht nehmen. Generell sind wir an bestimmte Vorgaben und Richtlinien unseres Dienstherrn gebunden und bekommen von dort auch sehr schnell Feedback, wenn wir mal über die Stränge geschlagen haben.

 

Wie kommen humorvolle Posts bei der Bevölkerung, also bei den Internetnutzern, an?

Belz: Vor allem das Menschliche kommt gut an, dafür gibt es viel Anerkennung. Besonders, wenn wir zeigen, dass wir nicht nur die sture Polizei sind, die in Beamtendeutsch redet. Klar, Kritik gibt es immer und überall. Damit müssen wir auch umgehen können. Und solange sie konstruktiv ist, nehmen wir sie auch gerne an, um uns zu verbessern.

 

Gab es schon mal Posts, die einen Shitstorm ausgelöst haben?

Belz: Ja, es gibt Themen, die gut gemeint waren, aber die dann nach hinten los gegangen sind. Letztes Jahr zum Beispiel haben wir eine Kampagne in Form von kleinen Videos zum Thema Fahrradsicherheit gepostet. Auf Facebook war alles normal, aber auf Twitter kam ein Sturm der Entrüstung auf uns zu, weil gewisse Menschen, die pro Fahrrad waren, alles an den Pranger gestellt haben, was gesagt wurde. Also haben wir es sein lassen. Bei so was braucht man Geduld und ein dickes Fell. Manchmal muss man aber auch einfach mal den PC ausmachen können und den Shitstorm über sich ergehen lassen.

 

Bei Beleidigungen im echten Leben kann man reagieren und eine Verwarnung aussprechen. Wie sieht das online aus?

Belz: Man könnte sagen, wir sprechen dann einen virtuellen Platzverweis aus. Gibt es kritische Kommentare, die sich am Rande der Legalität bewegen, schreiben wir diesem Nutzer eine Nachricht und bitten ihn, das nächste Mal aufzupassen. Hält er sich ein weiteres Mal nicht daran, notieren wir seinen Nicknamen und sperren ihn für vier Wochen. Ein Nutzerkonto zu blockieren ist aber schwierig, weil jedem unsere Seite zugänglich sein sollte, wenn wir beispielsweise über Gefahrenlagen informieren.

 

Frank Belz. Foto: privat
Frank Belz. Foto: privat  Foto: Lisa Könnecke

Und was ist mit Kommentaren, die unter die Gürtellinie gehen?

Belz: Wir müssen immer mal wieder Kommentare löschen. Die Meinungsfreiheit hört dann auf, wenn Menschen beleidigt werden. Da sind wir strikt in unserem Vorgehen.

 

Welche Rolle spielen Fotos oder Videos auf sozialen Netzwerken in Ermittlungsarbeiten der Polizei Heilbronn?

Belz: Oftmals bekommen wir Bilder zugespielt, auf denen Personen mit Schusswaffen posieren, dann müssen wir tätig werden. So ein Foto hat in der Vergangenheit schon mal im Einsatz von Spezialeinsatzkräften gemündet. Letztendlich war es eine erlaubnisfreie Waffe, aber das können wir anhand eines Fotos natürlich nicht beurteilen. Polizeilicher Einsatz findet nicht mehr nur auf der Straße statt, sondern auch im Netz.

 

Welchen konkreten Mehrwert ziehen Sie aus den sozialen Medien wie Facebook & Co.?

Belz: Die sozialen Medien bieten einen riesigen Mehrwert, was Fahndungen betrifft – insbesondere nach Vermissten. Wenn nach einer Person gesucht wird, dann sitzen im Polizeihubschrauber zwei Beamte und suchen mit einer Kamera. Auf der Straße sind zehn Streifen unterwegs und durch die Verbreitung im Netz erreicht die Fahndung nochmal Tausende von Menschen aus dem Stadtgebiet.

 

Immer mehr Polizisten zeigen sich im Dienst und auch außerhalb gerne als Influencer. Wie stehen Sie dazu?

Belz: Das Auftreten in den sozialen Medien ist auch als Privatperson sehr wichtig. Was in den sozialen Medien geschrieben wird, muss mit dem Beruf vereinbar sein. Auch wir haben Kollegen, die viel in den sozialen Medien unterwegs sind. Bilder aus dem Dienst oder in Uniform müssen eigentlich über unsere Pressestelle gehen, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Da haben wir schon ein Auge drauf.

 

Zur Person

Frank Belz bildet mit seinen Kolleginnen Corinna Heppe und Vesna Pitters das dreiköpfige Social-Media- Team der Polizei Heilbronn. Auf der Deutschen Hochschule der Polizei hat er zwischenzeitlich eine Weiterbildung zum Social Media Manager absolviert.

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