Darf die Polizei ironisch sein?
Social-Media-Beraterin Daniela Vey aus Stuttgart klärt auf, wie lustig sich die Exekutive im Netz geben darf.
Soziale Medien haben die Polizeiarbeit verändert. Droht ein Anschlag, passiert ein Unfall oder wird nach einer vermissten Person gefahndet, nehmen sich die Beamten zunehmend Facebook und Co. zur Hilfe. Der Vorteil: Innerhalb kürzester Zeit verbreiten sich solche Beiträge dank Tausenden von Followern rasend schnell. Immer öfter findet man auch humorvolle Posts, die viral gehen. Wenn etwa Münchner Beamte unter dem Hashtag "Wiesenwache" über schräge Vorfälle beim Oktoberfest twittern. Aber darf die Polizei in ihren Posts eigentlich ironisch sein? Daniela Vey, Social-Media-Beraterin aus Stuttgart, findet: ja, sie darf.
Allerdings komme es auch immer auf den Kontext an. Beamte müssten abwägen, wann es in Ordnung sei, humorvoll aufzutreten und wann sie sich auf ihre Pflicht besinnen sollten, die Bevölkerung zu informieren.
Soziale Medien als Chance, Sympathien aufzubauen
Rein psychologisch betrachtet sieht Daniela Vey in humorvollen Posts eine soziale Interaktion, die Verbindung schafft. "Wir lachen nicht nur, weil irgendetwas lustig ist, sondern um uns mit anderen Menschen zu verbinden." Somit seien soziale Medien eine Chance, Sympathien aufzubauen und das Menschliche in den Vordergrund zu rücken.
Welche Tragweite die sozialen Medien haben und wie schnell sie ganze Massen an Menschen mobilisieren können, zeigt laut Daniela Vey die Stuttgarter Krawallnacht vergangenes Jahr, als Läden verwüstet und Pflasterseine durch die Innenstadt geworfen wurden. Unzählige von Videos und Fotos wurden auf Plattformen wie Instagram und Facebook geteilt. "Das heizt die Stimmung auf."
Unterstützung bei der Stuttgarter Krawallnacht
Auch die Polizei Heilbronn war im Einsatz und hat die Kollegen aus der Landeshauptstadt bei der Auswertung der unzähligen Beweismaterialen unterstützt. Polizeisprecher Frank Belz erklärt: "Im Nachgang ist so viel auf die Stuttgarter Kollegen eingebrochen, dass sie das gar nicht alleine bewältigen konnten. Dann waren auch Kollegen von uns im Einsatz. Landesweit sind wir gut vernetzt." Für Daniela Vey ist die Krawallnacht ein Beispiel dafür, dass über die soziale Medien nicht mehr nur Kommunikation stattfindet, sondern auch Aktionen entstehen können. Die müssten per se nicht immer schlecht sein. Mit Blick auf Fridays for Future zum Beispiel sei es positiv, dass sich die jungen Menschen über die sozialen Medien gefunden hätten "und daraus eine Bewegung entstanden ist".
"Soziale Medien sind nicht das Wohnzimmer, wo man mit Freunden ein Bier trinkt"
Beim Thema Influencer, also Polizisten, die mit Reichweite für ihre Arbeit werben, hat sie einen klaren Standpunkt: "Soziale Medien sind nicht das Wohnzimmer oder der Garten, wo man mit Freunden ein Bier trinkt. Sie sind öffentlicher Raum." Es sei wichtig zu wissen, wo die Grenzen für gewisse Äußerungen liegen und die Menschen zu schulen. Generell sei diese Art von Personalrekrutierung aber ein Mehrwert, weil über die sozialen Medien "eine Zugänglichkeit für junge Menschen geschafft wird, die sich mit dem Beruf der Polizei identifizieren".
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