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Die Stadt Eppingen erhält eine Toilette für Menschen mit mehrfachen Behinderungen

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Viel Rummel um ein stilles Örtchen: Am Rande des Eppinger Busbahnhofs ist mithilfe von Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg eine "Toilette für alle" entstanden, die Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen zur Verfügung steht.

Von Nicole Theuer
Jutta Pagel-Steidl demonstriert, wie der Patientenlifter der neuen "Toilette für alle" für Menschen mit mehrfachen Behinderungen funktioniert.
Foto: Franz Theuer
Jutta Pagel-Steidl demonstriert, wie der Patientenlifter der neuen "Toilette für alle" für Menschen mit mehrfachen Behinderungen funktioniert. Foto: Franz Theuer  Foto: Theuer, Franz

"Das Sozialministerium hat uns beauftragt, das Projekt Toilette für alle zu begleiten", erklärte Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen Baden-Württemberg. Sie betont: "Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das dieses Projekt fördert."

Zugegeben, so Pagel-Steidl, "der Name ist blöd, doch wir haben bisher noch keinen besseren gefunden". Der ungeliebte Name tut der Wichtigkeit des Projekts aber keinen Abbruch. "Die Toilette für alle ist Inklusion im Alltag", machte sie deutlich, "für Menschen mit komplexen Behinderungen, die keine normale Rollstuhltoilette nutzen können, weil die Inkontinenzartikel im Liegen gewechselt werden müssen und sie zudem Assistenz benötigen, ist die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft erschwert, deshalb ist Abhilfe dringend nötig".

 


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Jutta Pagel-Steidl weiß: "Erwachsenenwindeln können nicht auf einem herkömmlichen Wickeltisch gewechselt werden, viele Betroffene tun dies deshalb auf dem Boden oder im Kofferraum des Autos, deshalb sind wir auf solche Toiletten für alle angewiesen." Sie geht von schätzungsweise 380.000 Betroffenen in Baden-Württemberg aus, die auf eine solche Möglichkeit angewiesen seien.

England als Vorbild

Aber um das Projekt weiterzubringen, "braucht es Menschen, die vor Ort helfen, eine Toilette für alle umzusetzen". In diesem Punkt sei England ein großes Vorbild, so Pagel-Steidl. Der Macher in Eppingen war Georg Heitlinger, Gemeinderat der Freien Wähler und Landtagsabgeordneter (FDP), der bei der Einweihung einer solchen Anlage in Tripsdrill war. "Bei diesem Termin hat er verstanden, was das für ein Aufwand ist und gleich gesagt, sowas brauchen wir auch in Eppingen", erzählt Jutta Pagel-Steidl. Sie freue sich riesig, dass in der Fachwerkstadt nun die dritte "Toilette für alle" im Landkreis Heilbronn eingeweiht werden könne. Angesichts der bescheidenen Anzahl an solchen Toiletten zeigte sich Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke sehr erfreut darüber, eine solche nun in seiner Stadt zu haben. "Schon die UN-Charta schreibt die Inklusion vor", machte das Stadtoberhaupt deutlich, "deshalb bin ich froh, dass sich der Landesverband des Themas annimmt".

 


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Umsetzung betrug rund 20.000 Euro 

Er könne sich noch gut erinnern, wie Georg Heitlinger im Rahmen der Haushaltsberatungen die Anregung dazu gegeben habe. "Darüber hat es auch keine große Diskussion gegeben", so Holaschke, auch dank 90 Prozent Förderung auf die förderfähigen Kosten. Insgesamt habe die Umsetzung etwa 20.000 Euro gekostet, berichtete Architektin Saskia Weiland, "die förderfähigen Kosten lagen bei etwa 12.000 Euro", ergänzte Holaschke.

Freimütig gab er zu, skeptisch gewesen zu sein, ob die Einrichtung überhaupt angenommen oder aufgesucht werde. "Doch dann habe ich einen Eppinger getroffen, dessen Gattin auf eine solche Toilette angewiesen ist und die beide begeisterte Besucher der Gartenschau sind. Der Herr meinte, wir hätten etwas ganz Tolles gemacht."

Holaschke wies auch darauf hin, dass man im Zuge der Realisierung des Projekts auch die bestehenden sanitären Einrichtungen im Außenbereich des Bahnhofs saniert habe. Ganz wichtig ist dem Stadtoberhaupt auch, dass Einheimische und Besucher über den Standort der "Toilette für alle" informiert werden. "Wir werden den Standort in unsere Bürger-App einpflegen und auf unserer Homepage einen entsprechenden Hinweis veröffentlichen", versprach er.

 


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