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Keine Barrierefreiheit beim Wandern in Hohenlohe

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Der Schwäbisch-Fränkische Naturpark hat vor vier Jahren zwölf Wander-Touren für Rollstuhlfahrer ausgezeichnet, nun sollen noch mehr dazu kommen. Doch wie sieht es mit barrierefreien Wanderrouten in Hohenlohe aus?

Mobilitätseingeschränkte Menschen sollten vor ihrer Tour wissen, was sie erwartet. Doch nicht überall ist es so leicht wie im Schwäbisch-Fränkischen Naturpark.
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Mobilitätseingeschränkte Menschen sollten vor ihrer Tour wissen, was sie erwartet. Doch nicht überall ist es so leicht wie im Schwäbisch-Fränkischen Naturpark. Foto: dpa  Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Absenkbare Busse, Rampen statt Treppen und breite Türen: Das ist Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Doch was ist mit dem Thema Freizeitgestaltung? Was, wenn Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sich in der Natur bewegen wollen, ihre freie Zeit etwa wie viele andere auch im Wald genießen? Dass es hier noch viel Nachholbedarf gibt, hat der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald erkannt und vor vier Jahren damit begonnen, Touren auszuweisen, die für Menschen im Rollstuhl, mit Gehhilfe oder auch mit Kinderwagen nutzbar sind. Denn jemand, der im Rollstuhl sitzt, benötigt Kenntnisse im Voraus - sei es über ein barrierefreies WC, die Beschaffenheit der Wege oder auch die Höhenunterschiede. Zwölf Wege sind so im Naturpark zusammengekommen - und es sollen noch weitere werden. Doch wie sieht es in Sachen barrierefreier Wanderweg in Hohenlohe aus?

Schwere Suche nach Rollstuhl-Wanderrouten

Der erste Weg auf der Suche nach geeigneten Wanderrouten führt ins Internet. Während auf der Seite www.hohenlohe-schwaebischhall.de auf die Wege im Naturpark verwiesen wird sowie weitere rund um Schwäbisch Hall aufgezeigt werden, gibt es hier für den Hohenlohekreis keine einzige Route. Und auch auf den Seiten der Touristikgemeinschaft Hohenlohe finden sich zwar über 60 Routen im "Wanderparadies Hohenlohe" - angezeigt werden auch die Dauer, Höhenunterschiede und Leichtigkeitsgrad - inwiefern allerdings Parkplätze oder geeignete Toiletten vorhanden sind und wie leicht die Strecken tatsächlich sind, wenn man nicht zu Fuß geht, bleibt unklar.

Eine Nachfrage beim Landratsamt - verantwortlich für die Touristikgemeinschaft - bestätigt die erste Recherche: "Besonders für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ausgeschilderte Touren gibt es bei uns im Landkreis derzeit nicht", erklärt Pressesprecher Sascha Sprenger. Vier Touren in der Region zählt er beispielhaft auf, welche geeignet wären. Diese Informationen sind jedoch nirgends gebündelt zu finden. Auch der Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg weißt im Internet unter www.rollstuhlwandern-in-bw.de geeignete Wege auf. Allerdings finden sich nur wenige für Hohenlohe. Im Jagsttal sind es lediglich zwei Touren, die gelistet sind. Hinzu kommt: Die Informationen stammen aus dem Jahr 2003. Wie diese Wege heute aussehen, weiß niemand, bevor er nicht vor einem unwegsamen Strecken-Ende steht.


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Es gibt bereits Wege - eigentlich

Dabei gibt es in der Region zahlreiche Wege, die eigentlich gut von Rollstuhlfahrern nutzbar wären, wie Peter Reichert, Pressesprecher des in Krautheim ansässigen Verbandes Körperbehinderter (BSK) erklärt: "Naturgemäß sind das etwa Radwege". Nur die Informationen, welche davon für mobilitätseingeschränkte Menschen machbar sind, sind nicht zugängig.

Dabei wäre der Bedarf da, wie Reichert nachdrücklich sagt: "Die Resonanz auf die Wege im Naturpark ist sehr gut, es gibt erstmals eine Möglichkeit, die Wanderung im Voraus zu planen." Wünschenswert wäre dies auch im Hohenlohekreis. "Wir erwarten nicht, dass jeder Pfad barrierefrei erschlossen wird, aber es gibt Möglichkeiten, vorhandene Wege für alle nutzbar zu machen."

Fazit der Spurensuche: Wer mit Mobilitätseinschränkungen wandern will, kann das durchaus tun - nur im Hohenlohekreis zieht er eben auf gut Glück los. Meinung "Beschämend"


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Das Projekt "Inklusive Wanderbotschafter:innen"

Um den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald für alle Menschen zugänglich zu machen, startete 2018 das Projekt "Inklusive Wanderbotschafter:innen" . Ehrenamtliche wurden geschult, die Wege zu testen und zu bewerteten. Dafür gibt es Kriterien: Die Strecken dürfen maximal fünf Kilometer lang sein, müssen über Behindertenparkplätze verfügen und sich in Nähe einer geeigneten Toilette oder eines Gastronomiebetriebes befinden. Das zunächst auf drei Jahre ausgelegte Projekt startet nun in die nächste Runde. "Wir suchen weiterhin in der gesamten Naturparkregion Menschen, die selbst Rollstuhlfahrer sind oder einen direkten Bezug zu den damit verbundenen Herausforderungen haben," so Projektmanagerin Jasmin Kotrba. Mehr Informationen gibt es unter: www.naturpark-sfw.de.

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