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Warum der Windkraft-Ausbau im Wald nur schleppend läuft

Im Hohenlohekreis sind in Forstgebieten noch gar keine Anlagen in Betrieb, im Kreis Heilbronn aktuell 20. In den kommenden Jahren müssen dort zahlreiche weitere Windräder gebaut werden, um die Ziele der Landesregierung zu erreichen.

Christian Nick
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Warum der Windkraft-Ausbau im Wald nur schleppend läuft
Bislang nicht gänzlich unumstritten, aber gerade in waldreichen Gebieten für die Energiewende nötig: ein Ökostrom-Generator umsäumt von Bäumen.  Foto: Armin Weigel

In rund der Hälfte aller Bundesländer werden Windkraftanlagen in Waldgebieten betrieben oder geplant: Über 2100 Ökostrom-Generatoren leisten aktuell in den deutschen Wäldern einen Beitrag für das Erreichen der Klimaziele. Geht es nach Bundes- und Landesregierung, sollen in den kommenden Jahren viele weitere folgen. Doch wie steht es in unserer Region um die Windenergie im Wald? Wie ist der Status quo? Welche Potenziale für die Zukunft sind vorhanden?

Derzeit sind laut Auskunft des Landratsamts Künzelsau noch keine Wald-Anlagen im Hohenlohekreis in Betrieb. Dies wird sich jedoch bald ändern: Sieben Turbinen des geplanten Windparks Karlsfurtebene werden ab Oktober gebaut (wir berichteten) und sich ab 2023 im Wald zwischen Waldenburg, Michelbach und Neuenstein drehen.

In Bretzfeld-Unterheimbach sind bereits zwei Anlagen im Forstgebiet errichtet und sollen demnächst in Betrieb genommen werden. In Krautheim-Neunstetten befinden sich gerade ebenfalls zwei Windenergieanlagen im Wald im Bau. Auch für die zwei Windräder im Wald bei Pfedelbach-Gleichen sind mittlerweile Genehmigungsanträge eingereicht worden.

Potenzial ist nur schwierig zu taxieren

Wie groß sind die Waldflächen, die im Hohenlohekreis für Windkraft geeignet sind? Hierüber liegen dem Landratsamt "keine Zahlen vor", heißt es von der Behörde. Kraft Windatlas könnten grundsätzlich "nur sehr wenige bis keine Flächen im Wald aufgrund fehlender Windhöffigkeit kategorisch ausgeschlossen werden", teilt Sprecher Sascha Sprenger mit. Im Hohenlohekreis seien derzeit im Rahmen der Flächennutzungsplanung 120,65 Hektar Waldfläche für die Windkraft ausgewiesen. Diese Zonen liegen im Gebiet Krautheim-Eckigbreit (42,17 Hektar) sowie im Areal Alter Hau auf der Hohenloher Ebene bei Waldenburg (78,48 Hektar).

"In Bezug auf mögliche ausweisbare Flächen für Windkraft in Waldgebieten kann das Landratsamt aufgrund fehlender Informationen keine Aussagen treffen", heißt es auf Anfrage. Wie man sich dort grundsätzlich zur Winkraft im Wald positioniert? "Zur Erreichung der Ausbauziele der Landesregierung sollen auch neue Windenergie-Standorte im Wald einen Beitrag leisten."

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Besagte Ziele von 1000 neuen Windrädern, die im Koalitionsvertrag fixiert sind, basieren zu großen Teilen auf dem avisierten Bau von bis zu 500 Anlagen in jenen Wäldern, die sich im staatlichen Besitz befinden. Bereits vor einem Jahr hat unsere Redaktion berichtet, dass jenes ambitionierte Bestreben vor Herausforderungen steht: Im Hohenlohekreis etwa kommen laut Auskunft der ForstBW-Verantwortlichen nur recht wenige Flächen infrage - und auch jetzt sei ihm in der Region lediglich "ein einzelnes konkretes Vorhaben bekannt", sagt Roland Hartz, Leiter des Forstbezirks Tauberfranken. Die ersten Konzentrationszonen, die das Land für Windenergie im staatlichen Forst ausgewiesen hat (wir berichteten), liegen jedenfalls nicht in der Region.

Einiges ist noch ungeklärt

Viele Fragen sind noch offen - auch im Landkreis Heilbronn. Im dortigen Staatswald sind laut Auskunft der Landesregierung aktuell rund 450 Hektar zur potenziellen Windkraftnutzung verpachtet. Es drehen sich jedoch erst drei Forst-Windenergieanlagen als Teil des Windparks Harthäuser Wald - die anderen Anlagen dort befinden sich nicht im Staatswald. Weitere 800 Hektar sollen in den nächsten Jahren einer Prüfung unterzogen werden. Immerhin 20 Windräder sind in den Waldgebieten im Landkreis Heilbronn schon in Betrieb: drei bei Löwenstein und Obersulm, 17 im Harthäuser Wald - bei Hardthausen, Widdern, Möckmühl und Jagsthausen. Im Waidachswald soll in den kommenden Jahren ein interkommunaler Windpark entstehen, an dem Roigheim und zwei Nachbarkommunen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis beteiligt sind.

Zu den Potenzialen und dem Bedarf in der Zukunft kann auch die dortige Kreisverwaltung nur vage Angaben machen: Laut Landratsamt sind im Kreis Heilbronn in Waldgebieten lediglich 41,1 Hektar per Flächennutzungsplan rechtssicher ausgeschrieben. Anträge könnten, so informiert Sprecherin Lea Mosthaf, aber "auch ohne ausgewiesene Konzentrationszone gestellt werden".

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