Tod von Rettungsschwimmerin löst Bestürzung aus
Bei einer Übung auf dem Kocher ist am Donnerstagnachmittag ein Boot gekentert. Eine 28 Jahre alte DLRG-Rettungsschwimmerin stirbt. Hätte das Unglück verhindert werden können?
Bei einer Übung auf dem Kocher ist am Donnerstagnachmittag ein Boot gekentert. Eine 28 Jahre alte DLRG-Rettungsschwimmerin stirbt. Hätte das Unglück verhindert werden können?
„Es herrscht sehr große Betroffenheit“, sagt Ursula Jung. Der Vizepräsidentin des Landesverbands Württemberg der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Stuttgart zufolge handelt es sich um einen Unglücksfall. Der Einsatzleiter der Übung habe alle Sicherheitsvorschriften eingehalten. Die Verunglückte habe eine Schwimmweste und einen Neoprenanzug gegen die Kälte getragen. Die Frage, ob Risiken unterschätzt worden seien, verneint Jung. Der Einsatzleiter habe die Situation „sehr gut eingeschätzt“.
Wie das Polizeipräsidium Aalen mitteilt, bestieg bei der Übung ein Team mit fünf Übungskräften bei Ottendorf (Gemarkung Gaildorf, Landkreis Schwäbisch Hall) gegen 16 Uhr ein Boot auf dem Kocher und fuhr in Richtung Schwäbisch Hall. An einem Wehr bei Ziegelhütte (Gemarkung Michelbach/Bilz) kenterte das Boot. Vier Personen retteten sich an das Ufer. Der 28-Jährigen sei es jedoch nicht gelungen, sich gegen die Wassermassen zu wehren, so die Polizei weiter.
Ihre Kameraden setzten sofort einen Notruf ab. Zahlreiche Einsatzkräfte von DLRG, Feuerwehr und Polizei suchten nach der Frau. Erst in den späten Abendstunden wurde sie mehrere Kilometer weiter am Stausee Steinbach bei Schwäbisch Hall tot aus dem Wasser geborgen.
Im Wasserstrudel
„Die Frau war in einen starken Strudel geraten“, sagt Polizeisprecher Ronald Krötz auf Anfrage von Stimme.de. Die Frau sei eine erfahrene und ausgebildete Rettungsschwimmerin gewesen. Die Polizei untersucht weiter den genauen Ablauf und die Umstände des Unglücks. Die Übung auf dem Kocher dürfte unter erschwerten Bedingungen vonstatten gegangen sein: der gestiegene Wasserpegel aufgrund des Regens in den vergangenen Tagen, die Kälte, die Nähe des Wehrs.
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„Das Boot kenterte im Wehrbereich“, bestätigt Ursula Jung. Dort stürzte das Wasser von oben nach unten, verwirbelte und schlug wie eine Wasserwalze zurück ans Wehr. In diese Walze geriet die Frau, nachdem das Rafting-Schlauchboot gekentert war. Ursula Jung zufolge wurde die Übung auf dem Kocher an einer Stelle abgehalten, die aufgrund zahlreicher vergleichbarer Fahrten sehr gut bekannt ist. Die Übung sei sachgerecht vorbereitet und abgesichert gewesen. „Der Ausbildungsstand der Mannschaft und das Material entsprachen den hohen Standards der DLRG.“
Teil der Ausbildung
Die Einsatzkräfte der DLRG werden laut Vizepräsidentin Jung in der Theorie ausgebildet sowie in der Praxis in stehenden Gewässern und in weniger reißenden. Es gehört aber auch dazu, die Rettungseinsätze unter realistischen Bedingungen zu proben. So übe man beispielsweise Eisrettungen, wenn Seen zugefroren sind.
Unglücks- und Todesfälle „passieren leider immer wieder“. Jung erinnert beispielsweise an den Tod eines 15 Jahre alten Jungen, der während eines Zeltlagers der DLRG in Herrenberg bei einem Unwetter von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde.
Das Bootsunglück wird beim DLRG-Landesverband keine Konsequenzen nach sich ziehen. "Wir machen uns darüber zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken", sagt Ursula Jung. Die Ausbildungen seien vielfach erprobt. Die Lebensretter müssten auf den Ernstfall vorbereitet sein. "Es müssen Übungen unter realitätsnahen Bedingungen stattfinden."
Stimme.de