Die A6 auszubauen und die Kochertalbahn zu reaktivieren: Das ruft Kritiker auf den Plan, die beim Dialog mit dem Verkehrsminister ebenfalls zu Wort kommen. Allerdings dreht sich die Diskussion im Kreis. Altbekanntes wird zum x-ten Mal aufgewärmt. Zur A6 sagt Patrick Schnieder: Die Notwendigkeit des Ausbaus stehe außer Frage. Bei der Kochertalbahn seien zunächst die Kommunen und das Land am Zug.
Ob A6 oder Kochertalbahn in Hohenlohe: Auch ein Bundesminister kann nicht zaubern
Im Landtagswahlkampf setzte CDU-Kandidat Tim Breitkreuz auf einen verkehrspolitischen Dialog mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Der Abend brachte aber nichts Neues. Stattdessen wurde nur Altbekanntes rezitiert. Eine Analyse.

Tim Breitkreuz und Christian von Stetten haben eingeladen. Der eine will am 8. März als CDU-Direktkandidat zum ersten Mal in den Landtag gewählt werden, der andere ist schon seit 23 Jahren direkt gewählter CDU-Abgeordneter im Bundestag. Beide setzen auf eine starke Mobilität im ländlichen Hohenlohe.
Wahlkampf-Booster für Tim Breitkreuz: Bundesverkehrsminister nach Gaisbach geholt
Der Neuling hat noch kein Verkehrsprojekt als Parlamentarier aktiv lanciert oder sich daran die Finger verbrannt. Der andere will unbedingt, dass die Kochertalbahn reaktiviert wird und kämpft seit mehr als zwei Jahrzehnten vergebens darum, dass die A6 durch Hohenlohe sechsspurig ausgebaut wird.
Um den aktuellen Landtagswahlkampf des einen zu boostern und den schon länger währenden verkehrspolitischen Interessen des anderen noch oder wieder mehr Gewicht zu verleihen, hat das Duo am Mittwoch den Bundesverkehrsminister nach Gaisbach geholt.

Bundesverkehrsminister in Hohenlohe: Zunächst wird hinter verschlossenen Türen gesprochen
Patrick Schnieder hat dieses Amt seit dem 6. Mai 2025 inne, es ist sein erster offizieller Besuch in Hohenlohe. Auf dem Programm steht ein „verkehrspolitischer Dialog“. Die drei Hauptthemen sind gesetzt: „Reaktivierung der Kochertalbahn, Ausbau der A6 und Elektrifizierung der Hohenlohebahn.“ Vor dem öffentlichen Teil im Forum des Würth-Innovationszentrums „Curio“ stecken Manager und Politiker hinter verschlossenen Türen für eine halbe Stunde die Köpfe zusammen.
Dann nimmt der „Dialog“ seinen Gang. Allerdings bekommen die Gäste in den folgenden gut eindreiviertel Stunden viel Bekanntes und nichts Neues zu hören. Weder zum A6-Ausbau, noch zu den zwei Bahnprojekten. Auch ein Bundesminister kann eben nicht zaubern, sondern muss mit dem auskommen, was er aktuell beeinflussen kann – oder eben nicht. Und das ist in diesen lokalen Einzelfällen eine ganze Menge.
Einmal mehr ist Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) der böse Bremser
Zunächst spricht Tim Breitkreuz und meint: „Die Stärke Hohenlohes hängt maßgeblich von der Mobilität ab.“ Dann tritt Christian von Stetten ans Mikrofon und erklärt mit Blick auf den Ausbau der A6: „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Das wird geplant, genehmigt und bezahlt.“ Wenn das Land seine Hausaufgaben gemacht hätte, wäre das Projekt längst baureif. Damit brandmarkt er den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann einmal mehr als bösen Bremser. Und verschweigt galant, dass der Bund die Planungshoheit 2021 zwar an sich gerissen hat, seitdem aber nach wie vor kein einziger A6-Kilometer in Hohenlohe ausgebaut ist.
„Alles, was baureif ist, wird auch gebaut“, zitiert von Stetten den Bundesverkehrsminister, der denselben Satz wenig später bekräftigt. Was dieser aber auch schon 2025 getan hat. Das Problem ist damit nicht aus der Welt geschafft. Denn die A6 ist eben noch nicht baureif. Und das Land hat bei der Genehmigung weiterhin den Hut auf.
Wann könnte der erste A6-Abschnitt im Hohenlohekreis ausgebaut werden?
„Alles, was baureif ist, wird auch gebaut“: So lautet also das neue Mantra. Patrick Schnieder betont: „Das Geld ist da.“ Und er zählt auf: „Wir haben im Bundeshaushalt 2026 insgesamt 23 Baufreigaben gemacht: sieben bei Autobahnprojekten, 16 bei Bundesstraßen.“ Bleibt nur zu hoffen, dass der erste von sechs A6-Bauabschnitten durch Hohenlohe, der wohl Anfang 2027 baureif sein wird, in den Etatberatungen dann genauso problemlos durchgewunken wird – wobei in der Regel zwei Jahre vergehen zwischen Genehmigung und Baustart, was für die Strecke zwischen Bretzfeld und Neuenstein damit also frühestens 2029 der Fall sein dürfte. Neuenstein-Kupferzell könnte 2030 folgen, die vier anderen Abschnitte sind in der Planung ziemlich abgehängt und brauchen noch länger.
Minister Schnieder will Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen
Damit dies nicht genauso ewig dauert wie zuletzt, will Schnieder 2026 sein „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“ durchs Parlament bringen. Planung und Genehmigung solcher Mammutprojekte sollen dann flutschen, weil für sie ein herausragendes öffentlichen Interesse geltend gemacht wird und weitere Prozesse massiv vereinfacht werden sollen. Davon erhofft sich der Minister auch einen Schub für die vier anderen Bauabschnitte der A6, die hinterherhinken. Die CDU hatte allerdings schon in der Ära Merkel ein Beschleunigungsgesetz nach dem anderen beschlossen, ohne dass sich viel bewegt hätte. Das FDP-geführte Bundesverkehrsministerium hatte sein eigenes 2023 durch den Bundestag gebracht.
55 Milliarden Euro für die Straße und 106 Milliarden Euro für die Schiene
„55 Milliarden Euro stecken wir in dieser Legislaturperiode in die Straßen, 106 Milliarden Euro in den Schienenverkehr“, so Schnieder. Da sage noch mal einer, „wir betreiben eine ideologische Verkehrspolitik“ zulasten der Bahn. Beide Verkehrsträger seien gleichermaßen wichtig – auch wegen „neuer geopolitischer Voraussetzungen“. Will heißen: Wichtige Autobahn- und Bahnstrecken müssten samt deren Brücken so stabil und tragfähig sein, dass militärische „Truppen und Rüstungsgüter“ rasch und sicher verlegt werden könnten.
Bei der Kochertalbahn heißt das Prinzip: Abwarten
Und die Reaktivierung der Kochertalbahn? Klar ist, dass Bund und Land bis zu 90 Prozent der förderfähigen Baukosten übernehmen können, um solche kommunalen Verkehrsprojekte zu finanzieren. Nur: „Das Land hat das Vorhaben noch gar nicht bei uns angemeldet“, erklärt Schnieder. Wie denn auch, wenn noch nicht einmal klar ist, wo die Trasse verläuft und ob die Reaktivierung wirklich wirtschaftlich ist. „Ich kann da heute also noch keine Zusage machen. Wenn es so weit ist, können wir uns wieder unterhalten.“

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