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Fünf Eindrücke aus dem SWR-„Triell“ mit Spitzenkandidaten Özdemir, Hagel und Frohnmaier

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Nur dieses eine Mal treffen die Spitzenkandidaten vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg aufeinander. Beim „Triell“ des SWR debattieren Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Grüne) und Markus Frohnmaier (AfD).

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Beste Sendezeit, grelle Scheinwerfer, Hunderttausende vor den Fernsehern: Der Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg hat zwölf Tage vor der Wahl ein TV-Massenpublikum erreicht. Live ab 20:15 Uhr diskutierten, argumentierten und stritten am Dienstagabend im SWR die Spitzenkandidaten der drei umfragestärksten Parteien CDU, Grüne und AfD über ihr Pläne für die Zukunft des Landes. Und wie lief‘s?

Kein Sieger nach SWR-„Triell“ – ein Spitzenkandidat ist der Hahn im Korb

90 Minuten dauerte die Sendung, die Themenvorgaben waren klar, die Moderatoren achteten auf ausgewogene Redeanteile. Klare Gewinner oder Verlierer gab es nicht. Alle wirkten gut vorbereitet und konzentriert. Keiner zeigte inhaltliche Aussetzer, Hänger oder schien überfordert. Jeder Kandidat machte seine Punkte oder brachte die Positionen seiner Parteien an.

Die Rollen waren dabei klar. Hagel versuchte wie zuletzt immer, Zuversicht und Anpacker-Mentalität auszustrahlen, Özdemir eher Ruhe, Souveränität und Erfahrung. Frohnmaier, der ausgegrenzte politische Paria, mit dem niemand zusammenarbeiten will, ging deutlich aggressiver als seine Konkurrenten vor, attackierte beide hart und legte sich auch mehr als einmal mit dem SWR-Moderatorenduo an. Klar wurde aber auch: Hagel und seine CDU, die in den Umfragen vorne liegt, werden umworben. Grünen-Kandidat Özdemir brauchte keine fünf Minuten für ein erstes Angebot zu gemeinsamem Vorgehen.

Es ging um Bürokratieabbau, Özdemir schlug vor: „Dann gehen Herr Hagel und ich gemeinsam zu Herrn (Bundeskanzler) Merz und zu Frau (EU-Kommissionspräsidentin) von der Leyen.“ Am Ende der Debatte betonte Özdemir wörtlich, dass er die Koalition mit der CDU gern fortsetzen würde. Frohnmaier, dessen AfD die CDU-Brandmauer gegen die AfD gern einstürzen sähe, erklärte zu Hagels Forderungen im Bereich Migration und Integration: „Hört sich stark nach unserem Programm an. Interessant, dass man da kompatibel ist. Dann müssen wir es aber jetzt auch mal tun.“ Hagel wies das, wie immer klar zurück, schloss jede Zusammenarbeit mit der AfD aus. Auf die Grünen-Avancen ging Hagel nur indirekt ein: „Herr Özdemir spricht für sich, ich spreche für mich“, sagte er danach befragt.

„Triell“ mit Spitzenkandidaten von AfD, CDU und Grünen: Hartes Ende für Manuel Hagel

Für CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel war der Dienstag der wohl härteste Tag im ganzen Wahlkampf. Schon am Vorabend nahm das Team des 37-Jährigen, der laut Umfragen aussichtsreichster Kandidat für den Posten als Ministerpräsident ist, ein Social-Media-Video einer Grünen-Bundestagsabgeordneten wahr, das die CDU-Kampagne schnell extrem unter Stress setzte: Hagel hatte 2018 in einem TV-Interview von einem Besuch bei einer Realschule und einer Schülerin – „braune Haare, rehbraune Augen“ – erzählt.

Am Dienstagvormittag ging das Video dann viral, wurde hunderttausendfach auf verschiedenen Plattformen geklickt und weiterverbreitet, und im Netz brach ein Empörungssturm los über einen damals 29-jährigen Abgeordneten, der sich auf scheinbar unangenehme Weise über das Aussehen junger Mädchen bei Schulbesuchen ausgelassen hat. Hagel machte beim „Triell“ dann tatsächlich anfangs einen angespannten Eindruck, schwamm sich aber schnell frei.

Das mediale Dauerfeuer, das ausgerechnet am „Triell“-Tag auf ihn eingeprasselt war, schien ihn nicht zu beeinträchtigen. Doch mit seiner allerletzten Wortmeldung, nach fast anderthalb Stunden Debatte, brachte Frohnmaier, der insgesamt viel aus seiner Außenseiter-Rolle machte, das Thema auf. Er sagte, auch als Vater einer Tochter sei ihm bei dem Video „anders geworden“. Er finde das „nicht normal“, sagte er und fragte Özdemir, ob er trotzdem weiter mit Hagel koalieren würde. Hagel musste schließlich sichtlich angefasst darauf eingehen, zwang sich zu einem Lächeln und der bedauernden Beteuerung, er würde den Satz heute so nicht mehr sagen.

Schiefe Debatte im SWR-„Triell“ mit Özdemir, Hagel und Frohnmaier: Plötzlich ist Bundespolitik Thema

Der Sendungsplan sah drei Themenblöcke mit je drei Unterthemen vor: Erst Wirtschaft, Industrie und Arbeitsplätze, dann Migration, Integration und Sicherheit sowie zum Schluss Wohnen, Bildung und Gesundheit. Zu jedem Block gab es planmäßig 30 Minuten Zeit. Das führte dazu, dass am Ende eine halbe Stunde über Asylpolitik gesprochen wurde, die vorrangig in Brüssel und Berlin gemacht wird, aber nur etwa fünf Minuten über Bildungspolitik.

Dabei ist diese eine der wichtigsten Kernzuständigkeiten der Landespolitik und der größte Haushaltsposten. Und in diesen wenigen Minuten ging es dann auch nur um ein mögliches Social-Media-Verbot. Das Ergebnis: Über Kitas, Schulen, Hochschulen fiel in der gesamten Sendung kaum ein Satz. 

Viel Lärm vor SWR-„Triell“: FDP zieht wegen Debatte vor Gericht

Was war nicht alles vorher über diese Sendung verhandelt worden. In einem eher zähträge sich Richtung Ziellinie schleppenden Wahlkampf wurde das Aufeinandertreffen der drei Spitzenkandidaten mit den besten Umfragewerten mit Spannung erwartet, teils freudig und teils gequält. Die FDP, die laut Demoskopen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen muss, hatte erfolglos versucht, sich juristisch in die Sendung zu klagen.

Bis vor die höchste gerichtliche Instanz im Südwesten, den Verwaltungsgerichtshof, waren die Liberalen gezogen – erfolglos. Auch anderen passte das Format nicht. Das Bündnis „Stuttgart gegen rechts“ mobilisierte sogar für eine Demonstration vor Ort gegen die Einladung des AfD-Kandidaten und die „bereits viel zu weit fortgeschrittenen Normalisierung der rechtsradikalen Partei bei“. Vor Ort waren aber vor dem „Triell“ vor allem demonstrierende CDU-Anhänger zu hören, die lautstark und in Parteijacken „Manu, Manu“ jubelten.

Buzzer werden beim SWR-„Triell“ mit Hagel, Özdemir und Frohnmaier selten genutzt

Der Unterhaltungswert landespolitischer Debatten ist begrenzt. Der SWR wollte diesem erwartbaren Manko – und dem Sekundenschlaf des TV-Publikums – durch eine Innovation begegnen. Jeder Kommentator verfügte über einen Buzzer, also einen Knopf, der einen Ton erzeugt, mit dem der aktuelle Redner sofort unterbrochen wurde.

Pro Runde hätte jeder einmal buzzern dürfen. Doch die Kandidaten nutzten das neue Feature zurückhaltend – sogar so selten, dass selbst die Moderatoren einmal den Überblick verloren, ob Hagel schon dran war, als er auf den Knopf drückte. Nur sechsmal wurde insgesamt gebuzzert, davon dreimal von Frohnmaier. Vor allem Hagel und Özdemir wollten offensichtlich alles – nur bloß nicht zu aggressiv wirken. Landesväter sollen ja Ausgleich und Ruhe ausstrahlen.

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