„Muss seine Rolle noch finden“ – so kam CDU-Kandidat Manuel Hagel beim Publikum an
Durchaus sympathisch, aber noch zu unerfahren? So empfand das Publikum den Auftritt von Manuel Hagel beim Stimme-Wahlcheck in der Heilbronner Kreissparkasse. Ein Moment berührte alle.
Über den authentischsten und emotionalsten Moment des Abends waren sich alle Gesprächspartner hinterher einig. Es war kurz vor Ende des Stimme-Wahlchecks am Montagabend in der Kreissparkasse Heilbronn, als CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sichtlich aufgewühlt betonte: „Wenn eines meiner drei Kinder behindert wäre, ich würde es ebenso aus tiefstem Herzen lieben.“
Zuschauerin über Manuel Hagel in Heilbronn: „Da lief mir ein Schauer über den Rücken“
„Da lief mir ein Schauer über den Rücken“, gestand Zuschauerin Renate Haberer. Die Heilbronnerin war mit ihrem Ehemann Klaus und Sohn Steffen gekommen. „Ich hatte vorher gar kein Bild von ihm. Er ist sympathisch rübergekommen“, urteilte der Untergruppenbacher Steffen Haberer über Hagel.

Einen ähnlichen Eindruck gewann Johann Stengel vom möglichen nächsten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs. „Sympathisch und sehr faktenbasiert“, sei Hagel aufgetreten. Stengels Kumpel Christan Dieter gefiel, dass Hagel „nicht so floskelhaft“ formuliere wie andere Politiker. „Dass er auch private Einblicke erlaubte, macht ihn nahbarer“, fand der Brackenheimer.
Manuel Hagels Anlehnungen an Lothar Späth überzeugen nicht
Dass Hagel mit 37 Jahren der jüngste Landesvater der Geschichte werden könnte, sorgte für ein geteiltes Echo. „Er hat versucht, sich als Macher in der Tradition von Lothar Späth darzustellen, den früheren Ministerpräsidenten ja auch mehrmals zitiert. Ich habe aber das Gefühl, er muss seine Rolle erst noch finden“, sagte der Nordheimer Dieter Betzold und ergänzte: „Er hat viel Bezug auf Statistiken genommen, doch ausgerechnet die über seine mangelnde Bekanntheit sah er als irrelevant ein.“
Die Schwaigenerin Heike Bechdolf-Neumann war hingegen positiv überrascht, dass sich Hagel als junger Familienvater ausführlich zur Förderung frühkindlicher Bildung bekannte: „Da hat er einfach einen anderen Zugang als ein älterer Kandidat.“ Ihr Ehemann Wolfgang Neumann wertete es ebenfalls positiv, dass die CDU die frühkindliche Bildung nicht mehr ausschließlich in der Zuständigkeit der Familie verortet, gab aber zu bedenken: „Das Thema schreiben sich die Parteien seit 40 Jahren auf die Fahnen, es kommt nur viel zu wenig dabei herum.“
Warum nicht wieder eine Koalition mit den Grünen?
Fast alle Befragten merkten kritisch an, dass viele der oftmals als sinnvoll erachteten Pläne und Ideen nur schwerlich in die Praxis umsetzbar seien. Schließlich werde die CDU aller Voraussicht nach auf mindestens einen Koalitionspartner angewiesen sein und auch die Finanzlage erlaube schließlich nicht alles.
Auf eher wenig Gegenliebe stieß die von Hagel bevorzugte Regierungskoalition gemeinsam mit SPD und FDP. „Viele Aussagen kamen beinahe deckungsgleich von Cem Özdemir“, stellte Dieter Betzold überrascht fest, der auch beim Stimme-Wahlcheck mit dem Grünen-Spitzenkandidaten dabei war. Klaus Haberer betonte: „Ich kann mir Hagel und Özdemir gut als Team vorstellen, unabhängig davon, wer dann Ministerpräsident ist.“
Wirtschaftspolitik spielt hinterher gar keine Rolle
In keinem der Gespräche nach der Veranstaltung spielte die Wirtschaftspolitik eine Rolle, obwohl dies ja laut Umfragen die wichtigste Baustelle sein soll und auch auf dem Podium zwischen Moderator Uwe Ralf Heer und Hagel ausführlich besprochen wurde. Andere Themen wurden gänzlich vermisst. „Ich war überrascht, dass es praktisch gar nicht um Migration ging“, sagte Christian Dieter. Der Nordheimer Manfred Hirsch vermisste das Thema Gesundheit: „Die Zwei-Klassen-Medizin muss beendet werden.“
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