Bei der Landtagswahl am 8. März gibt es erstmals zwei Stimmen ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat oder eine Wahlkreiskandidatin direkt gewählt. Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Diese stellt dafür eine Landesliste auf, über die Kandidaten in den Landtag einziehen können.
Erststimme, Zweitstimme: Was steckt dahinter?
Die Direktwahl eines Kandidaten oder einer Kandidatin ist möglich. Das könnte Vor- und Nachteile für die Wahlkreise Eppingen, Neckarsulm und Heilbronn haben.
Bisher war es in Baden-Württemberg vermeintlich einfach: Man wählte nur Kandidaten im Wahlkreis. Der Sieger kam in den Landtag. Die übrigen Sitze im Parlament wurden landesweit unter den übrigen Wahlergebnissen verteilt – je besser das Abschneiden, desto höher die Chance, auch als Wahlkreis-Verlierer einzurücken.
Daher gab es die „Platzhirsche“, die gute Ergebnisse für ihre Partei sicherten. Im Wahlkreis Neckarsulm, der von Roigheim bis nach Wüstenrot reicht, war dies Armin Waldbüßer, der 2021 mit 27,4 Prozent ein deutlich besseres Ergebnis als die Grünen landesweit mit 23,8 Prozent erzielt hat.
Vom Wahlkreisabgeordneten zum Direktmandat: Das ändert sich bei der Landtagswahl
Neu bei der Landtagswahl 2026 ist nun, dass für jeden der 70 Wahlkreise ein Abgeordneter direkt gewählt wird, das heißt, die Kandidaten mit den meisten Erst-Stimmen pro Wahlkreis direkt in den Landtag einziehen. Im Wahlkreis Neckarsulm werden die Karten neu gemischt, da der „Wahlkreisabgeordnete“ Waldbüßer nicht mehr kandidiert. Die nun nominierte Sibylle Riegger-Gnamm könnte nur mit einem ähnlich guten Erfolg in den Landtag einziehen, wenn sie die meisten Erststimmen gewinnt und somit das Direktmandat erreicht. Über die Partei ist die Bad Friedrichshallerin mit Platz 67 der Landesliste nicht abgesichert.
Bessere Chancen auf das Direktmandat hat die Wüstenroterin Isabell Huber, die vom derzeitigen Höhenflug ihrer CDU profitieren könnte. Seit Januar 2019 ist Isabell Huber schon Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und hofft auch über den Amtsbonus auf zusätzliche Erststimmen. Mit Platz zwölf der CDU-Landesliste ist sie aber auch so sicher im neuen Landtag wieder vertreten.
Im Wahlkreis Heilbronn könnte die Vergabe des Erstmandates spannend werden
Im Wahlkreis 18 Heilbronn, zu dem die Stadt Heilbronn sowie Flein, Leingarten, Nordheim und Talheim gehören, gibt es einige Unwägbarkeiten. Aktuell vertreten Gudula Achterberg (Grüne) und Nico Weinmann (FDP) den Wahlkreis. Das erklärte Ziel von Thomas Strobl (CDU) ist, das Direktmandat zu erobern. Aktuell ist der Landes-Innenminister nicht im Parlament vertreten. Über Platz vier der Landesliste wird er sicher wieder Mitglied des Landtags werden.
Das Direktmandat würde Gudula Achterberg (Grüne) gern für sich gewinnen, zumal sie mit Platz 43 auf der Landesliste um ihren Einzug in den Landtag bangen müsste. Die Heilbronnerin Tanja Sagasser-Beil (SPD) möchte beim Thema Direktmandat und den Erststimmen natürlich ebenfalls ein Wort mitreden.
Auch in Eppingen könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben
Im Wahlkreis Eppingen, der wie Neckarsulm bisher vier Abgeordnete hatte, dürfte der Einfluss in Stuttgart sinken. Bei der letzten Wahl schnappten sich die Grünen das Mandat, Erwin Köhler kam auf 26,3 Prozent, Michael Preusch (CDU) auf 24,5 Prozent. Das könnte dieses Mal wieder anders sein.
Die Chancen gelten als gut, dass Michael Preusch wieder für die CDU das Direktmandat holt. Erwin Köhler mit Listenplatz 26 bei den Grünen wäre nur bei einem entsprechend guten Abschneiden seiner Partei erneut mit im Boot.
Stimmensplitting: Was ist das, und was bringt es?
Entscheidend für die Verteilung auf Erst- und Zweitstimmen wird das sogenannte Stimmensplitting sein. Das bedeutet, dass die Wähler eine Partei mit der Zweitstimme wählen, mit der Erststimme aber eine Person, die nicht unbedingt dieser Partei angehört.
Um ein zufällig gewähltes Beispiel zu nennen: Mit der Zweistimme wählt jemand die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, ist aber mit dem Kandidaten nicht zufrieden. Hier könnte in Heilbronn Steven Schmitt von der „Partei der Humanisten - Fakten, Freiheit, Fortschritt“ als Direktkandidat gewählt werden.

Ein interessanter Aspekt ist, dass auf den Wahlplakaten der Grünen-Bewerber die Parteizugehörigkeit nur durch eine symbolisierte Sonnenblume zu erkennen ist. Dies könnte dem Gewinn von Erststimmen dienen, wenn mehr die Person als die Inhalte der Partei im Vordergrund steht.

Stimme.de
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