Scharfe Töne und viel Applaus bei AfD-Wahlkampfarena in Bretzfeld
In Bretzfeld feiert sich die AfD als angehende Regierungspartei im baden-württembergischen Landtag. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier wird als „erster blauer Ministerpräsident in Deutschland“ vorgestellt. Eine Gegenkundgebung bleibt friedlich.
Applaus brandet auf, als Markus Frohnmaier durch den Eingang neben der Bühne in der Mehrzweckhalle in Bretzfeld-Scheppach (Hohenlohekreis) tritt. Der AfD-Spitzenkandidat für die baden-württembergische Landtagswahl trifft mit Verspätung ein, da ist die Wahlkampfveranstaltung seit über 40 Minuten im Gange.
AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier in Bretzfeld: Konfrontation und Kritik
Bis dahin hat der AfD-Landesfraktionsvorsitzende Anton Baron unter anderem eine Rückkehr zur Kohle- und Kernkraft sowie zum mehrgliedrigen Schulsystem gefordert; der Bundestagsabgeordnete Ruben Rupp die „illegale Massenmigration“ verurteilt und sofortige Abschiebungen verlangt. Und als politische Prominenz bringt die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch viele Zahlen zur „Schuldenorgie“ der Bundesregierung und deren „Sündenfall“ bei der Lockerung der Schuldenbremse mit.
Das besondere Gewicht liegt an diesem Abend aber auf Markus Frohnmaier, dem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 8. März. Inhaltlich zielen die Reden auf Konfrontation, Kritik an etablierten Parteien sowie Unzufriedenheit bei Energiewende und Migration ab. Medien, etablierte Parteien und vor allem die CDU erklärt Frohnmaier zu Hauptgegnern; das seit zehn Jahren CDU-geführte Wirtschaftsministerium macht er für die gebeutelte Wirtschaft und die schwächelnde Automobilindustrie verantwortlich.
AfD in Bretzfeld: Protestaktion des Bretzfelder Bündnisses für Vielfalt und Toleranz
Die rund 350 Stühle in der Mehrzweckhalle sind zu Beginn mehrheitlich besetzt. Begleitet wird die Veranstaltung im Vorfeld von einer friedlichen Protestaktion des Bretzfelder Bündnisses für Vielfalt und Toleranz.
Ruben Rupp kündigt Frohnmaier an als denjenigen, der „in wenigen Wochen Ministerpräsident von Baden-Württemberg“ und „erster blauer Ministerpräsident in Deutschland“ werden soll. Der Bundestagsabgeordnete Frohnmaier aus dem Wahlkreis Böblingen spricht mit viel Selbstbewusstsein, immerhin hat die AfD in Baden-Württemberg nach jüngsten Berichten kräftig an Mitgliedern gewonnen. 9000 Mitglieder zählt sie laut Landesgeschäftsstelle im Dezember 2025 insgesamt.
Es herrsche ein „großartiger“ Wahlkampf, sagt Frohnmaier, der Zuspruch zur AfD sei enorm. „Es macht richtig, richtig Spaß“, sagt der 34-Jährige, der auf der Bühne lieber vor als hinter dem Rednerpult spricht.
AfD-Wahlkampf vor Mercedes-Werk in Stuttgart
Im Januar war er zum Wahlkampfauftakt mit der Bundesvorsitzenden Alice Weidel in der Heilbronner Harmonie aufgetreten. Mit ihr habe er in dieser Woche vor dem Werkstor von Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim Flyer verteilt, nachdem eine Veranstaltung am Werkstor in Sindelfingen aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt worden war. Sämtliche Flyer seien im Nu vergriffen gewesen: „Würde der Daimler in Stuttgart oder Sindelfingen wählen – die AfD wäre längst in der Villa Reitzenstein“, also dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, glaubt Frohnmaier.
Noch am selben Abend seien zur Wahlkampfveranstaltung in Pforzheim „über 2000" Teilnehmende gekommen. Und die Anhängerschaft würde noch wachsen, glaubt Frohnmaier, der die 20 Prozent, die die AfD in Umfragewerten erzielt, infrage stellt: „Wahrscheinlich haben sie die Umfrage in der Kantine beim SWR gemacht.“ Das sorgt für Lacher.
AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier spricht von politisch motivierten Vorwürfen
Überhaupt, die Medien. Berichte über Frohnmaiers Nähe zu Trump oder Putin sowie die Vorwürfe parteiinterner Affären bezeichnet selbiger als manipulativ und politisch motiviert, um die Partei zu schwächen. Der jüngste Vorwurf der Verwandtenaffäre sei nur Ausdruck davon, dass man den Erfolg der AfD nicht anders bremsen könne.
In einem Großteil seiner knapp 30-minütigen Rede teilt Frohnmaier gegen den erklärten Wahlkampfgegner, die CDU, aus. Zehn Jahre Wirtschaftspolitik hätten zu Arbeitsplatzverlusten im produzierenden Gewerbe und in der Automobilindustrie geführt. Dass die CDU nun die Wirtschaft retten wolle, sei widersprüchlich: „Humor haben die schon.“
AfD fordert: Behörden sollen nur Autos fahren, die im Land produziert wurden
Wie möchte ein blauer Ministerpräsident Frohnmaier das Land nun in den ersten 100 Tagen retten? Schluss machen will er mit „der Idee einer Klima-Ideologie“, zurückkehren zur Kern- und Kohlekraft, zu einem Baden-Württemberg als Industriemotor ohne Windräder und Solar. Wasserstoffimporte aus Westafrika lehnt er ab. Mit 400 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt, die für „Klima- und Genderunsinn“ vorgesehen seien, sollten Verbraucher entlastet werden. Ein „Baden-Württemberg-Fonds“ nach norwegischem Vorbild solle zwei Milliarden Euro erwirtschaften, um Investitionen in Infrastruktur, Kindergärten und Schulen zu finanzieren. Auch das „Buy BW“-Programm erwähnt Frohnmaier: Öffentliche Stellen sollen verpflichtet werden, ihre Fuhrparks ausschließlich mit Fahrzeugen aus baden-württembergischer Produktion auszustatten. Vorschläge, die von Ökonomen teils als wirtschaftspolitisch riskant bewertet werden.
Frohnmaier spricht weiter über innere Sicherheit, Migration und eine angeblich gestiegene Gewaltkriminalität in Baden-Württemberg. Eine von der AfD geforderte Grenzschutzpolizei sei in Bayern „schon gelebte Praxis“. Der zukünftige „Innenminister Martin Hess“ sei bereit, Straffällige „höchstpersönlich zum Flughafen Stuttgart“ zu bringen. Frohnmaiers Kernanliegen: Baden-Württemberg müsse ein „Land der freien Rede werden“. Noch könne es „überall passieren“, dass sich Menschen nicht trauten, ihre Meinung zu äußern aus Angst „vor Repressionen“.
Seine Rede schließt Frohnmaier mit einem Versprechen: „Am Ende dieses Jahres gibt es den ersten AfD-Ministerpräsidenten.“ Im Südwesten, hoffe er, werde man schon mal vorlegen. Stehender Applaus.
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