AfD-Wahlkampfauftakt in der Heilbronner Harmonie: Partei setzt auf Konfrontation
Beim Wahlkampfauftakt in Heilbronn nehmen Alice Weidel und AfD-Landespolitiker die CDU ins Visier. Themen wie Verbrenner-Aus, Energiewende und grün-linke Politik werden frontal kritisiert, Migration und innere Sicherheit dienen als Mobilisierungsthemen.

Alice Weidel zieht. Auch in Heilbronn. Zum Wahlkampfauftakt hat der AfD-Landesverband Baden-Württemberg am Donnerstagabend in die Harmonie eingeladen. Die Veranstaltung sei im Vorfeld schnell ausgebucht gewesen, hieß es. Weidel selbst, als vierte Rednerin, zählt 1800 Besucher im großen Saal des Kongresszentrums – in den hinteren Reihen bleiben allerdings einige Stühle leer. Die Euphorie über den Besuch der Bundesvorsitzenden ist dennoch groß.
AfD in Heilbronn: CDU als Hauptgegner im Landtagswahlkampf
Als „bestes Pferd im Stall“ kündigt Emil Sänze, Moderator des Abends und Co-Vorsitzender des Landesverbands, Weidel an. Da ist bereits fast eine Stunde vergangen, überbrückt von den drei Direktkandidaten der Wahlkreise Eppingen, Neckarsulm und Heilbronn. Die Linie ist klar: Hauptgegner ist diesmal – anders als im Wahlkampf 2021 – die CDU.
Die sei längst keine konservative Partei mehr, sagt Carola Wolle. Die einzigen, die noch konservative Interessen verträten, seien die Politiker der AfD. Das kommt gut an. Auch Maximilian Decker erntet Applaus, als er von „Einheitsparteien“ spricht und ruft, er habe „die Schnauze voll von Politikern“, die viel versprechen und nichts halten. Seinen Mitkonkurrenten um das Heilbronner Direktmandat, Thomas Strobl, greift er in dessen Abwesenheit immer wieder frontal an. Von der sonst eher versöhnlichen Art des Kirchardter Gemeinderats ist wenig zu spüren. Stattdessen sagt Decker: „Ich habe großes Interesse, unser Land nicht den Linksextremisten und Islamisten zu überlassen.“
„Fast geweint“: Weidel kommen bei der Sprengung der Atomkraftwerke fast die Tränen
Dann tritt Alice Weidel auf die Bühne. Sie steigt mit Donald Trumps Rede beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos ein und schlägt den Bogen zu Baden-Württemberg, das besonders stark unter grün-linker Politik leide. Nicht nur die Automobilindustrie sieht Weidel am Abgrund. Auch die Stilllegung und vor allem die Sprengung der Atomkraftwerke setzen ihr zu. „Fast geweint“ habe sie bei den Bildern der fallenden Türme und sich gefragt: „Was ist mit den Menschen los?“
Heizungsgesetz weg, Verbrenner-Aus abschaffen, keine Förderung mehr für Solar und Wind. Statt Energiewende: Kernkraft, russisches Gas – und die Ukraine soll für die gesprengte Gaspipeline Nord Stream II zahlen. Der Saal feiert die Aussagen. Weidel tritt souverän auf, streut Witze ein und macht keinen Hehl aus ihrer Verachtung für „Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz. Es ist auch egal, weil es sowieso das Gleiche ist“. 2026 sei das Jahr der Wahrheit, ruft sie zum Ende ihrer rund 40-minütigen Rede.
Selfies mit AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier zum Abschluss des Abends
Als bereits die ersten Besucher den Saal verlassen, ergreift Markus Frohnmaier das Wort. Der Bundestagsabgeordnete und AfD-Spitzenkandidat nimmt ebenfalls die CDU ins Visier. Keine Partei habe in Baden-Württemberg länger regiert, keine dem Land und Deutschland mehr geschadet, sagt er. Frohnmaier spricht über verlorene Arbeitsplätze, Wirtschaftskrise sowie Migration und innere Sicherheit. Eltern hätten Angst, ihre Kinder abends aus dem Haus zu lassen. Konsequente Abschiebungen würden Leben retten.
Nichts Neues für die Anhänger der Partei, die sich gegen den Vorwurf wehrt, sie sei fremdenfeindlich. „Ich komme aus Rumänien“, sagt Frohnmaier – und führt seine eigene Herkunft als Gegenargument an.
Nach der Nationalhymne endet der Abend nicht auf der Bühne, sondern vor der Kamera: Frohnmaier macht noch Selfies mit den verbliebenen Anhängern.
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