War die Protestaktion bei AfD-Wahlcheck in Heilbronn zielführend? Ein Pro und Contra
Der Stimme-Wahlcheck mit Markus Frohnmaier fand nahezu ohne Publikum statt – AfD-Gegner hatten Plätze gebucht, waren aber nicht erschienen. Ein kreativer Protest? Unsere Autoren sind geteilter Meinung.
AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier stellte sich beim Stimme-Wahlcheck zur Landtagswahl am Mittwochabend den Fragen von Chefredakteur Uwe Ralf Heer in der Harmonie in Heilbronn. Dabei blieb ein Großteil der Plätze leer, obwohl die Veranstaltung ausgebucht war. Die lokale Gruppe von „Eltern gegen Rechts“ bekannte sich dazu, Plätze gebucht zu haben, um dann aber nicht zu erscheinen. „Viele Einzelpersonen haben dafür gesorgt, dass Hetze in Heilbronn vor leeren Stühlen stattfindet“, heißt es in dem Statement und dass auf diese Weise die „Demokratie verteidigt“ worden sei. Ist das tatsächlich der Fall? Unsere Autoren sind unterschiedlicher Meinung.
Pro zu Protestaktion bei AfD-Wahlcheck: Initiatoren beweisen Kreativität
Von Maren Wagner
Protestaktionen sind mit dem gewollten Kalkül verbunden, zu skandalisieren und Aufmerksamkeit zu erregen. Friedliche Proteste benötigen dafür in den allermeisten Fällen eine Menge Kreativität. Die haben diejenigen bewiesen, die dafür verantwortlich sind, dass AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier sich am Mittwoch vor nur einigen Handvoll Besuchern in der Harmonie den Fragen von Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer stellte. Das Netzwerk „Eltern gegen Rechts“ nannte es später in den sozialen Medien: „Hetze vor leeren Stühlen“. Plakativer kann eine Aktion kaum dargestellt werden.
Seit Jahren wird im Umgang mit der AfD gesagt, man dürfe die Gespräche mit der Rechtsaußen-Partei nicht abreißen lassen und müsse stattdessen Unwahrheiten und Hetze entlarven. Dieses Vorgehen hat seine Berechtigung und gehört zu den ethischen Grundsätzen von Medien. Genutzt hat es bislang allerdings ziemlich wenig.
Im Gegenteil: Immer wieder schafft es gerade die AfD, sich mit Meinungsbeiträgen und Aktionen öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Friedliche Gegenproteste gehen in dem Getöse dann meist unter. Die Verantwortlichen für die Protestaktion in der Harmonie haben diese Taktik erfolgreich umgekehrt.
Contra zu Protestaktion bei AfD-Wahlcheck: Demokratie lebt vom besseren Argument
Von Stephan Sonntag
Die Stimme-Wahlchecks sind ein bewusst niedrigschwellig gehaltenes Angebot an alle politisch Interessierten, die sich informieren wollen. Eine einfache Anmeldung per E-Mail genügt. Aufgrund dessen war keine kreative Meisterleistung nötig, um das Verfahren zu sabotieren, das nun überdacht werden muss.
Durch die Protestaktion wurde also eher das lokale Medienunternehmen in seinem Bemühen um demokratische Willensbildung konterkariert als die AfD. Denn Markus Frohnmaier bekam mitnichten ein Mikrofon in die Hand gedrückt, sondern musste sich kritischen Fragen stellen. Als eine im Landtag vertretene und für die Landtagswahl zugelassene Partei gebot es die Gleichbehandlung, Frohnmaier einzuladen.
Die Protestaktion erweckt den Anschein, dass es in erster Linie um Selbstwirksamkeit ging: Seht her, wir können den Rechten Paroli bieten! Allzu viel weiter gedacht ist sie nicht. Die AfD-Vertreter schlüpften hinterher jedenfalls nur zu gerne in die Opferrolle.
Der letztlich entscheidende Punkt: eine inhaltliche Debatte zu den Aussagen Frohnmaiers ist durch die Protestaktion komplett abgewürgt worden. Dabei hätte es hier zahlreiche Angriffspunkte gegeben. Demokratie lebt ja de facto vom besseren Argument.
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Stimme.de
Kommentare
Franz Labling am 21.02.2026 11:48 Uhr
Es ist sehr lobenswert dass die Heilbronner Stimme diese Kandidatenbefragungen durchführt. Das Ziel dieser Aktion ist für eine Demokratie erstrangig: dem Wähler die Möglichkeit geben sich aus erster Hand über die Parteien zu informieren. Wenn sich jemand berufen fühlt anderen dieses zu verwehren handelt er/sie, vermutlich unbewusst, höchst undemokratisch. Für die eigenen Kinder ist das Verhalten dieser "Eltern gegen rechts" keinesfalls vorbildlich! Umso mehr als dass diese Veranstaltung im Internet auf sehr grosses Interesse stiess, vermutlich sehr zum Unbehagen des Netzwerkes gegen die AfD.
am 21.02.2026 08:56 Uhr
Solche Aktionen ob von Omas oder Eltern gegen Rechts erweisen der Demokratie einen Bärendienst. Wann versteht man endlich, dass es diese Partei eigentlich nicht geben dürfte. Hätten unsere sogenannte konservative Partei CDU und die ehemalige Volkspartei SPD mal etwas mehr auf die Stimmung ihrer Wählerschaft geachtet und Politik für die Bürger gemacht.
Abgeschaltete AKWs, offene Grenzen, explodierende Staatsausgaben bei einem nicht nur gefühlten Leistungseinbruch der öffentlichen Hand, Rentendesaster und, und….
Kein Wunder, dass man sich bei den Verheißungen einer Partei die noch niemals regieren musste an den Hals wirft.
Jürgen Mosthaf
Nicole Reichle am 20.02.2026 17:53 Uhr
Eine inhaltliche Debatte wäre vor Ort doch gar nicht möglich gewesen, da keine Zuschauerfragen zulässig sind.
Und die Opferrolle wird durch die Art Berichterstattung doch erst gefördert,
was soll an dieser Aktion illegal sein?
Die sogenannten kritischen Fragen kann ich nicht erkennen, die Ausführungen des Kandidaten blieben zum großen Teil unkommentiert stehen.
Maren Potreck am 20.02.2026 17:42 Uhr
Wenn ich es richtig verstehe, wäre eine inhaltliche Debatte, wie von Herrn Sonntag erwähnt, gar nicht möglich gewesen. Die Fragen wurden an diesem Abend ausschließlich von Herrn Heer gestellt.