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Umfrage in Deutschland: Nur 16 Prozent würden das Land im Ernstfall verteidigen

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Militärstrategen warnen: Ein Angriff Russlands auf Nato-Territorium sei wahrscheinlich. Doch nur ein kleiner Teil der Bürger wäre „sicher“ bereit, für die Landesverteidigung zur Waffe zu greifen.


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Im Verteidigungsfall würde laut einer Umfrage nur etwa jeder Sechste für Deutschland ohne Zögern zur Waffe greifen. „Auf jeden Fall“ sind 16 Prozent dazu bereit, weitere 22 Prozent würden dies nach eigener Einschätzung „wahrscheinlich“ tun. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa für das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die klare Mehrheit von 59 Prozent wäre hingegen „wahrscheinlich nicht“ oder gar nicht dazu bereit, Deutschland im Falle eines militärischen Angriffs selbst mit der Waffe zu verteidigen. Bei Frauen liegt dieser Anteil bei 72 Prozent.

Militärexperten: Russische Kriegsmaschinerie läuft 

Dabei gehen Militärstrategen seit langem davon aus, dass Russland seine Angriffe auf andere Staaten in Europa ausweiten könnte, die russische Kriegsmaschinerie läuft auf Hochtouren und die Gesellschaft ist teilmobilisiert. Aktuell warnt Frankreichs oberster Militär, Generalstabschef Thierry Burkhard, im Gespräch mit dem „Economist“ vor einem möglichen russischen Angriff in fünf Jahren.

Kremlchef Wladimir Putin sorge dafür, dass sein Land innerhalb dieses Zeitraums eine „echte Gefahr“ für Europa werden könne, sagte Burkhard der Zeitschrift. Die Gründe dafür sieht er unter anderem in der Kampferfahrung der russischen Armee, in der quantitativ überlegenen Rüstungsindustrie und dem daraus resultierenden Stehvermögen der Streitkräfte. 

Bundeswehr-Kommandeur Michael Giss bei „Ohne Ausrede“

Vor diesem Hintergrund gibt es in Deutschland auch anhaltende Diskussionen über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Der Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg Michael Giss sagt unserer Redaktion kürzlich im Video-Talk bei „Ohne Ausrede“, Ziel sei es, auf einen „Zustand vernünftiger Abschreckung zurückzukommen“. Aber: Das sei ein Spiel auf Zeit, die Anstrengungen des Westens und der Nato, seine Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten aufzubauen, müssten zügiger vorangehen.


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Ein Knackpunkt dabei: die Stärke der Truppe. 2011 wurde die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt, aktuell zählt die Bundeswehr etwa 182.000 Aktive. Um den Nato-Anforderungen gerecht zu werden, fehlen mindestens 60.000 Soldatinnen und Soldaten, wie es im Juni anlässlich eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel hieß. Hinzu kommen könnte laut Medienberichten ein Bedarf von weiteren 40.000. 

Giss sagte es nicht so deutlich, aber alle Zeichen sprechen dafür, dass die Wehrpflicht in Deutschland wieder eingeführt wird. Für den Moment würden aber noch die Strukturen fehlen, um diese sinnvoll umzusetzen: Kasernen, Ausbilder, Prozesse zur Musterung und Einberufung. All das werde aufgebaut. „Die Planungen für neue Kasernen laufen.“

Angriff auf Nato-Gebiet wahrscheinlich, meint die Mehrheit

Im Gegensatz zu der geringen Bereitschaft, das eigene Land zu verteidigen, hält es laut der Umfrage fast jeder Dritte (27 Prozent) für sehr oder eher wahrscheinlich, dass Deutschland in den nächsten fünf Jahren militärisch angegriffen wird.

Dass die Deutschen in diesem Zeitraum im Rahmen ihrer Beistandspflicht einem anderen Nato-Mitglied militärisch zu Hilfe kommen müssen, weil es angegriffen wurde, halten wiederum 59 Prozent der Befragten für wahrscheinlich. Es wurden gut 1.000 Bürgerinnen und Bürger befragt.

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