„Reichsbürger“-Gruppe „Königreich Deutschland“ verboten – Verbindungen nach Heilbronn
Das Innenministerium geht gegen das „Königreich Deutschland“ vor. Die Polizei durchsucht vom Verein genutzte Gebäude. Die Gruppe sogenannter Selbstverwalter war auch schon im Raum Heilbronn aktiv.
Wenige Tage nach seinem Amtsantritt hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die aktuell größte Gruppierung sogenannter Reichsbürger und Selbstverwalter verboten. Der Verein nennt sich „Königreich Deutschland" und soll bundesweit etwa 6.000 Anhänger haben.
Die Bundesanwaltschaft hat vier mutmaßliche Rädelsführer der verbotenen „Reichsbürger“-Gruppe „Königreich Deutschland“ festnehmen lassen, darunter Gründer Peter Fitzek.
Mutmaßlicher Anführer von „Reichsbürger“-Gruppe festgenommen
Zwei der Festnahmen erfolgten laut einer Sprecherin im Landkreis Mittelsachsen, je eine weitere in den Landkreisen Oder-Spree in Brandenburg und Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Auch hätten Einsatzkräfte Räumlichkeiten durchsucht. Zudem habe es bei einem Verdächtigen im Kanton Solothurn in der Schweiz Durchsuchungen gegeben.
Die vier festgenommenen Deutschen seien 37, 38, 46 und 59 Jahre alt. Sie sollen heute und morgen einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden, wie die Sprecherin sagte. Dieser muss dann entscheiden, ob die Verdächtigen in Untersuchungshaft kommen.
„Königreich Deutschland“ verboten – Vereinigung schuf einen „Gegenstaat“
Nach Angaben des Innenministeriums durchsuchen Einsatzkräfte der Polizei seit den frühen Morgenstunden von dem Verein genutzte Gebäude sowie Wohnungen führender Mitglieder in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
„Die Mitglieder dieser Vereinigung haben einen ‚Gegenstaat‘ in unserem Land geschaffen und wirtschaftskriminelle Strukturen aufgebaut“, sagte Dobrindt laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Ihren vermeintlichen Herrschaftsanspruch untermauerten die Mitglieder der Vereinigung durch antisemitische Verschwörungserzählungen. Dieses Verhalten könne ein Rechtsstaat nicht dulden.
„Reichsbürger“-Gruppe mit Verbindungen zum Raum Heilbronn
Auch in der Region Heilbronn gibt es Verbindungen zum „Königreich Deutschland“. Diesem zählte sich der ehemalige Teeladen Schöpfergarten in der Karlstraße in der Stadt Heilbronn zugehörig. Sympathisanten der Gruppierung trafen sich auch schon zu Aktionen im Raum Heilbronn, etwa in Erlenbach oder Waldenburg.

Eine Wanderung zum Kennenlernen fand Mitte Dezember 2023 in den Weinbergen in Erlenbach mit knapp 15 Menschen statt. Davor trafen sich in Wüstenrot etwas mehr als zehn Gleichgesinnte und Interessierte zum gemeinsamen Spaziergang. Außerdem veranstaltete die Gruppierung im ungefähr selben Zeitraum einen Info-Abend in einem ehemaligen Café im Landkreis Heilbronn.
Sogenannte Reichsbürger erkennen Gesetze und Gerichte nicht an
„Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Viele von ihnen behaupten, das historische Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Sogenannte Reichsbürger erkennen demokratische und rechtsstaatliche Strukturen wie Parlament, Gesetze oder Gerichte nicht an. Steuern, Sozialabgaben oder Bußgelder wollen sie nicht zahlen. Die Szene besteht aus vielen, meist kleineren Gruppierungen. Manche "Reichsbürger" sehen sich als Staatsoberhäupter ihres eigenen kleinen Reiches.
Dobrindt verbietet „Königreich Deutschland" – Vereinigung existiert seit 2012
Das „Königreich Deutschland" wurde nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 2012 in Wittenberg von Peter Fitzek ausgerufen und gilt derzeit als mitgliederstärkste Vereinigung aus dem Spektrum der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter. Der Verfassungsschutz rechnete der Szene insgesamt im Jahr 2023 rund 25.000 Anhänger zu.
Staatsoberhaupt des „Königreich Deutschland“ zu Freiheitsstrafe verurteilt
„Wesensprägend für das ‚Königreich Deutschland" ist eine dezidierte profitorientierte Ausrichtung", teilt das Bundesinnenministerium mit. Über Teilorganisationen würden seit Jahren unerlaubte Bank- und Versicherungsgeschäfte betrieben.
Der Gründer der Vereinigung, Peter Fitzek, gebürtig aus Halle, hatte sich selbst zum Staatsoberhaupt erklärt. Er stand bereits mehrfach vor Gericht und wurde verurteilt. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem, ohne Führerschein gefahren zu sein oder illegale Bankgeschäfte getätigt zu haben. Im März wurde ein Urteil des Amtsgerichts Wittenberg rechtskräftig, das Fitzek wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt hatte.
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