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Schilling-Schließung: Gewinn aus Heilbronn floss in andere Standorte

Hätte Mayr-Melnhof wirklich eine Zukunft für das Werk Heilbronn gesucht, hätte es auch eine gefunden, glaubt unser Redakteur.

Christian Gleichauf
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Lesezeit 1 Min

Eine Werksschließung ist ein endgültiger Schritt. Hier gibt es keinen Graubereich. Keine Möglichkeit, soziale Härten abzufedern. Keinen Weg zurück. Die Mitarbeiter gehen, und mit ihnen das Know-how. Man muss hoffen, dass sich das Mayr-Melnhof-Management in Wien die Entscheidung nicht leicht gemacht hat.

Sicher sein kann man nicht. Denn der Konzern lässt sich nicht in die Karten schauen und verschweigt, wie viel Umsatz am Standort weggebrochen ist oder was genau für den Erhalt getan wurde.

Viele Aufträge, aber nicht genug für Heilbronn

Angaben über ein verändertes "Konsumentenverhalten in Westeuropa" sollen stattdessen eine Alternativlosigkeit implizieren, die es so nicht gibt. Die Österreicher haben sowohl die finanziellen also auch die personellen Möglichkeiten, einen Standort auf Vordermann zu bringen, wenn ihnen daran gelegen ist.

Dass es genügend Aufträge für den Konzern gibt, daraus macht er Quartal für Quartal gegenüber seinen Aktionären keinen Hehl. Doch offenbar ist es ein Traditionsstandort mit 120-jähriger Geschichte wie das Werk Schilling in Heilbronn nicht wert, auf neue Geschäftsfelder ausgerichtet zu werden. Lieber lässt man die Lichter ausgehen.

Wegoptimiert

Schade, denn mit den üppigen Gewinnen, die Schilling noch vor wenigen Jahren nach Österreich abführte, investierte Mayr-Melnhof überall in Europa - nur nicht in Heilbronn. Hier wurde "optimiert". Der Verdacht drängt sich auf: Der Standort wurde wegoptimiert. Polen ist billiger, da führt kein Weg dran vorbei.

 

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