Mutiger Strategiewechsel mit einer großen Unbekannten
Audi setzt auf Luxus. Das hat nicht viel mit dem Chipmangel zu tun, schätzt unser Kommentator, sondern mit Abgaswerten und den Herausforderungen der Digitalisierung.
Dass Audi sich gerade jetzt neu sortiert, also das Ende von A1 und Q2 verkündet und neue Modelle am oberen Ende plant, scheint logische Konsequenz der Erfahrungen des vergangenen Jahres zu sein. Da mussten die Bänder der Kleinwagen häufiger stillstehen als die der profitablen Mittel- und Oberklassemodelle.
Doch mehrere Punkte sprechen dagegen. Vor allem der, dass heute geplant, was in fünf Jahren umgesetzt wird. Bei aller Unsicherheit: Bis dahin sollte sich wirklich jeder Chipmangel erledigt haben.
Plötzlich sind die Top-Modelle günstig für die Klimabilanz
Wichtiger ist anderes. Zuallererst der Flottenverbrauch. Vor zwei Jahren waren noch alle Anstrengungen nötig, um die maximal zulässigen CO2-Emissionen zu unterschreiten. Damals mussten die sparsamen Kleinen ausgleichen, was die verschwenderischen Großen an Mehrverbrauch in die Rechnung einbrachten.
Das hat sich mit dem konsequenten Einstieg in die E-Mobilität verändert. Jetzt geht der Supersportler E-Tron GT aus Heilbronn mit null Gramm CO2 pro Kilometer in die Klimabilanz ein und senkt den Schnitt ebenso wie jeder andere E-Tron oder die kleineren Stromer von VW.
Außerdem wird es mit der E-Mobilität in absehbarer Zeit schwieriger, profitable Kleinwagen zu bauen. Wenn erst einmal die chinesischen Anbieter auf dem europäischen Markt Fuß gefasst haben, werden die Margen sinken.
Die gesamte Strategie hängt an der Software
Ob die Rechnung aber aufgeht - das zeichnet sich jetzt schon ab - wird an der Software liegen. Dort wird sich entscheiden, ob die deutschen Hersteller ihre Autos weiterhin als Premium-Fahrzeuge verkaufen können, oder ob Tesla und andere der Maßstab bleiben.
Wenn Audi hier den Anschluss findet, dann werden auch die günstigeren VWs, Skodas und Seats davon profitieren. Sie könnten der Beifang der neuen Flaggschiff-Strategie sein. Doch wehe, wenn das nicht gelingt.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare