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Geht die Forderung nach Tempo 30 in Innenstädten an der Realität vorbei?

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Sind 50 km/h zu schnell für die Stadt? Ein Pro & Contra unserer Redakteure.

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Bisher braucht es gute Gründe, um Tempo 30 vorzuschreiben. Zu Recht?
Bisher braucht es gute Gründe, um Tempo 30 vorzuschreiben. Zu Recht?  Foto: Andreas Arnold/dpa

 

Pro
Von Christoph Donauer

360 deutsche Städte und Gemeinden haben sich mit einer klaren Forderung zusammengeschlossen: Sie wollen vor Ort entscheiden, wo Tempo 30 gelten soll. Denn bisher gilt das abgesenkte Fahrtempo nur vor Kitas und Schulen oder bei einer konkreten Gefahr. Die Folge sind langwierige Einzelfallprüfungen.

Das zu korrigieren, ist überfällig. Mit jedem Jahr rollen mehr Autos durch deutsche Straßen und es geht laut Experten zunehmend rücksichtsloser zu. Städte und Gemeinden können selbst am besten beurteilen, wo Raser in die Schranken gewiesen werden müssen. Wohlgemerkt fordert die Initiative keineswegs flächendeckend Tempo 30, sondern lediglich die Möglichkeit, selbst zu entscheiden.

Mit durchgedrücktem Gaspedal ist man nicht schneller am Ziel

Wenn dadurch allmählich die Geschwindigkeit auf den Straßen sinkt, ist das eine gute Entwicklung. Fußgänger und Radfahrer sind sicherer unterwegs und verletzen sich bei einem Unfall weniger schwer, wenn Autos langsamer fahren. Das ist angesichts der steigenden Zahl tonnenschwerer Wagen besonders wichtig.

Ohnehin ist man mit durchgedrücktem Gaspedal nicht schneller am Ziel, sondern durch eine gute Verkehrsführung. Das beginnt bei klugen Ampelschaltungen und reicht bis zu Parkkonzepten, die verhindern, dass Autofahrer suchend um die Häuserblocks kreisen. In anderen Bereichen, etwa beim Lärm, sind positive Effekte von Tempo 30 bewiesen.

Die strengen Vorgaben zu lockern sollte nur der Anfang sein. Niedrigere Geschwindigkeiten auf Landstraßen und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn sind überfällig, allein schon für den Klimaschutz. Wahr ist aber auch: All das bringt nichts, wenn es nicht kontrolliert wird.

 

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Contra
Von Christian Gleichauf

Freie Fahrt für freie Bürger? Darum geht es hier nicht. Der Verkehr in unseren Innenstädten muss sicher sein, und zwar für alle Verkehrsteilnehmer. Wenn es plausible Gründe dafür gibt, die Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren, dann muss sie reduziert werden. Wo immer viele Radfahrer oder Fußgänger ungeschützt unterwegs sind, muss man nicht mit 14 Metern pro Sekunde haarscharf an ihnen vorbeibrausen. Doch auf einer breiten Vorfahrtsstraße mit 50 km/h unterwegs zu sein, hat nichts mit Raserei zu tun.

Es gibt deshalb keinen Grund, pauschal alle Tempolimits herunterzusetzen. Man spart so gut wie keinen Sprit und senkt maximal geringfügig die Luftschadstoffe, wenn man Fahrzeuge überall auf Tempo 30 abbremst. Das belegen auch Studien, die oft von der Gegenseite angeführt werden. Mit Verweis auf Sicherheit und Umwelt könnte man sonst auch gleich Tempo 70 auf Landstraßen einführen.

Wichtiger wäre, dass bestehende Regeln eingehalten werden

Das hätte zusätzlich zur Folge, dass man mit der Bahn doch mal schneller am Ziel ist. Doch die Akzeptanz für den ÖPNV wird nicht erhöht, indem man Autofahrer nervt. Es besteht dann sogar das Risiko, dass sich einige umso weniger an die Vorgaben halten - was erst recht zur Gefahr wird.

Wichtiger wäre, in der Stadt wie außerhalb darauf zu achten, dass erstens bestehende Regeln eingehalten werden. Poser machen auch bei Schrittgeschwindigkeit Lärm. Zweitens sollte der Verkehr flüssig bleiben. Das kann bei 50 km/h der Fall sein, aber auch mal bei 40 oder bei 30. Fortbewegung ist jedenfalls kein Selbstzweck. Es geht den meisten Verkehrsteilnehmern darum, an ein Ziel zu kommen - auch denen im Bus. Der Staat hat nicht die Aufgabe, sie dabei zu behindern, auch wenn mittlerweile vielen das Autofahren grundsätzlich ein Dorn im Auge ist.

 


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