Es ist ein Trauerspiel, wenn die Hälfte der Wähler nicht zur Urne geht
Der ICE kommt nach Heilbronn und Weinsberg hat eine Bürgermeisterin. Deren Wahl war unerwartet deutlich – aber leider hat die Mehrheit der Wahlberechtigten gar keine Stimme abgegeben.

Worauf längst nur noch unerschütterliche Optimisten gehofft haben, wird im Januar Realität: Endlich in Heilbronn in den ICE steigen und auf direktem Weg nach Berlin fahren. Geschuldet ist das aber nicht der Bedeutung der Stadt, sondern Baumaßnahmen an anderer Stelle. Es ist nicht mehr als ein vorübergehender Ausweichshalt. Ganze dreimal immerhin ist die Direktverbindung in die Hauptstadt angedacht.
Heilbronn wird kein bedeutsamer Verkehrsknotenpunkt
Zwar könnten im Sommer weitere Fahrten hinzukommen, wenn die Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim gesperrt wird. Einen bedeutsamen Verkehrsknotenpunkt macht das aus Heilbronn aber noch lange nicht. Es ist nur eine temporäre Notwendigkeit, die vorübergehen die Möglichkeit bietet, mal eben zum Abendessen nach Berlin zu fahren. Der Rückweg könnte allerdings beschwerlich werden. Und so ist die erhoffte Abstimmung für den ICE durch viele potenzielle Fahrgäste eher unwahrscheinlich.
Kultur gehört zu den freiwilligen kommunalen Aufgaben einer Stadt, ist jedoch Grundpfeiler von guter Bildung. Das Theater Heilbronn ist also ein Gewinn für die Bürger, auch wenn nicht jeder das Angebot annimmt. Dass der Gemeinderat angesichts der Kosten, die der Steuerzahler übernimmt, dabei genau hinsieht, was die Spielstätten bieten, ist unerlässlich. Immerhin sind mehr als acht Millionen Euro Budget und Zuschuss keine Kleinigkeit.
Theater weist Kritik zu Recht zurück
Doch jede Kritik sollte sachlich und zutreffend sein. Nicht wie bei der jüngsten Haushaltsdebatte, als Linke-Stadtrat Konrad Wanner befürchtete, die Theaterleitung könnte sich "um Intendanzen in anderen Städten" kümmern. Was im besten Fall als Versprecher gewertet werden kann, ist inhaltlich schlicht falsch. Intendant Axel Vornam leitet ausschließlich das Heilbronner Theater. Inszenierungen an anderen Häusern übernimmt er hingegen sehr wohl. Das ist vertraglich erlaubt und in 15 Jahren zweimal geschehen, wie das Theater richtigstellte. Nicht ohne den Vorteil für Heilbronn herauszustreichen: Denn die beiden Opern, die Vornam in Heidelberg auf die Bühne brachte, wurden auch am hiesigen Theater gezeigt.
Nur acht Prozent der Bürgermeister im Land sind Frauen. Daran sollte sich dringend etwas ändern. Seit vergangenen Sonntag gibt es immerhin eine Rathauschefin mehr: Weinsberg hat Birgit Hannemann zum Stadtoberhaupt gewählt. Ein glatter Durchmarsch für die Kandidatin, die erst spät ins Rennen eingestiegen ist und gleich die Favoritenrolle übernahm.
Ein beruhigender Wahlausgang
Mit der Entscheidung im ersten Wahlgang hatte sie wohl nicht mal selbst gerechnet. Nach monatelangem Hin und Her ist es für Weinsberg ein im wahrsten Sinne beruhigender Wahlausgang. Die Bürgermeisterin muss nur noch zeigen, dass sie nicht nur Rhetorik, sondern auch die Praxis beherrscht. Erschütternd ist allerdings, dass nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten abgestimmt haben. Ein Trauerspiel für die Demokratie.

Stimme.de
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