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Pro & Contra: Braucht es die Dienstpflicht?

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Die Reaktivierung der Wehrpflicht kommt auch für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nicht infrage. In die Diskussion bringt er aber eine allgemeine Dienstpflicht. Unsere Redakteure haben dazu unterschiedliche Ansichten.

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 Foto: Sergey Kohl/stock.adobe.com

Pro
Von Christian Gleichauf

Es mag gute Gründe für die Aussetzung der Wehrpflicht gegeben haben. Gute Gründe gegen eine Dienstpflicht für junge Menschen, die ein Jahr für das Gemeinwohl investieren, gibt es wenige. Vom Einsatz für kranke, alte oder behinderte Menschen, für den Katastrophenschutz, für die Feuerwehr oder das Rote Kreuz, für Entwicklungshilfe oder Kinder, Kultur und Umwelt profitieren nicht zuletzt die Dienstpflichtigen selbst. Dazu kommt: Der Fachkräftemangel in vielen Bereichen könnte gelindert werden.

Nicht nur widerwillige Rekruten

Natürlich - das steht für Verteidigungsminister Pistorius nicht an letzter Stelle - würde auch die Bundeswehr profitieren. Ein Grundwehrdienst von zwölf Monaten erscheint nicht mehr sinnvoll, weil die Anforderungen an Soldaten mit dem modernen Kriegsgerät gestiegen sind. Aber der eine oder die andere würden sich für einige Jahre verpflichten, wenn sie damit zugleich die Dienstpflicht erfüllen.

Ein Pluspunkt: Wenn es die eigene Wahl ist, besteht die Truppe auch nicht nur aus widerwillig eingezogenen Rekruten. In jedem Fall ist in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass mehr junge Menschen einen Dienst an der Waffe wieder in Erwägung ziehen müssen.

Es soll keine verlorene Lebenszeit sein, auch finanziell nicht

Man wird sich mit Kreativität und juristischem Rat wohl auch künftig um die Pflicht drücken können, aber der Gleichbehandlungsgrundsatz bliebe diesmal besser gewahrt. Sowohl junge Männer als auch Frauen könnten sich gemäß ihrer Neigung engagieren.

Mit einer anständigen Bezahlung dürfte es für die meisten auch finanziell keine verlorene Lebenszeit sein. Denn für junge Menschen war es noch nie von Nachteil, über den Tellerrand zu schauen oder - wie es heute eher heißen muss - die eigene Blase für einige Zeit zu verlassen.

 

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Contra
Von Christoph Donauer

Wenn Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Diskussion um eine Dienstpflicht ernsthaft für "wertvoll" hält, kann man darüber nur den Kopf schütteln. Alle paar Monate wird ebendiese Diskussion aufgewärmt, immer mit dem vorwurfsvollen Unterton, es sei an der Zeit, dass junge Menschen der Gesellschaft jetzt etwas zurückgeben.

Nicht an allem sind die jungen Menschen schuld

Ohne Zweifel genießen Rettungsdienste und Pflegeberufe nicht die Wertschätzung, die sie verdient hätten. Daran sind jedoch nicht junge Menschen Schuld, sondern das jahrelange Kaputtsparen dieser Branchen und untragbare Arbeitsbedingungen bei einem Lohn, der in vielen Regionen Deutschlands kaum zum Leben reicht. Bei Bundeswehr und Polizei kommen die vielen Fälle von Diskriminierung und Rechtsextremismus dazu.

Ebenfalls völlig falsch ist die Auffassung, dass junge Menschen sich nicht für die Gesellschaft engagieren würden. Angebote wie der Bundesfreiwilligendienst, das Freiwillige Soziale Jahr und Co. boomen. Ähnlich sieht es bei politischen Vereinigungen wie Fridays for Future aus. Im aktuellen Bundestag sind so viele junge Politiker wie noch nie.

Es gibt genügend Herausforderungen

Doch vor allem muss man sich fragen, was die jungen Menschen eigentlich von der Gesellschaft erwarten dürfen, für die sie sich einsetzen sollen? Da sieht es äußerst mau aus: Beim Klimaschutz geht es in die falsche Richtung, statt einer digitalen Verwaltung wird die Bürokratie hochgehalten.

Wenn junge Menschen mehr Inklusion und weniger Diskriminierung fordern, ernten sie Debatten über angebliche Denkverbote und "Gender-Wahn". Ein eigenes Haus, eine sichere Rente, das haben viele junge Menschen längst abgeschrieben. Das in Ordnung zu bringen wäre nötiger, als ständig von der Dienstpflicht zu träumen.

 


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