Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: „Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung – sondern eine rechtlich gebotene Duldung.„ Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleite die Maßnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort. Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten.
Wal im Livestream: „Timmy“ liegt weiter in Bucht – es gibt eine neue Idee zur Rettung
Der ursprüngliche Rettungsplan der privaten Initiative geht nicht auf. Es wird an einem neuen Konzept gearbeitet – ein Lastkahn soll eingesetzt werden. Kann der gestrandete Buckelwal vor Poel noch gerettet werden? Ein Livestream zeigt „Timmy“.
Viel passierte am frühen Donnerstagmorgen (23. April) im Livestream rund um den Buckelwal „Timmy“ – oder auch „Hope“ genannt – noch nicht. Der gestrandete Wal liegt noch immer in der Bucht vor der Insel Poel. Gegen Mittag sind Helfer zu sehen, die das Tier mit Wasser bespritzen. Außerdem soll ein Bagger weitere Spülarbeiten vornehmen und dem Wal mehr Platz verschaffen. Das Rettungskonzept der privaten Hilfsinitiative ist laut Umweltministerium überholt. Wie geht es jetzt weiter? Gibt es einen erneuten Rettungsversuch? Der Wal kann im Livestream von News5 beobachtet werden.
Buckelwal im Livestream: „Timmy“ liegt weiter vor Insel Poel – Helfer vor Ort
Ursprünglicher Rettungsplan für „Timmy“ geht nicht auf – „müssen Konzept überarbeiten“
Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht infrage, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwochabend bei einer Stellungnahme vor der Presse. Und weiter: „Wir müssen das Konzept überarbeiten.“
Die private Hilfsinitiative, die vor rund einer Woche vom Umweltminister grünes Licht für das Rettungskonzept erhalten hatte, war nicht wie geplant vor die Presse getreten. Sie arbeite unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans, sagte Backhaus. Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Im Zweifel könne das Land ein Veto einlegen.
Neues Rettungskonzept für Wal: Lastkahn und Schlepper sollen eingesetzt werden
Jetzt ist der Einsatz einer rund 15 Meter breiten, absenkbaren Barge im Gespräch. Dabei handelt es sich um eine Art nicht selbstfahrenden Lastkahn, der von Schleppern gezogen wird. Die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum in Richtung Wismarbucht, sagte ein Mitglied der privaten Rettungsinitiative. Wann genau sie eintreffe, sei nicht klar.
Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse. Allein das werde etwa einen Tag in Anspruch nehmen. Geplant ist zudem ein Zwischenstopp in der Werft in Wismar.
Das Konzept sehe den Einsatz von zwei Schleppern vor Ort vor. Beim Umweltministerium wollte man sich vor einer Lagebesprechung nicht zu den Details äußeren.
Wie dem Wal aktuell geholfen wird – mehr Platz, Tücher und Nahrungsangebot
Die Rettungsbemühungen konzentrierten sich nach Angaben der Initiative zuletzt darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet.
Inzwischen liegt der Wal in einer Mulde im Wasser, so soll möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten. Wegen der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt. Zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, fraß er nicht.
Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus. „Timmy“ ist mehrere Kilometer durch die Bucht vor der Insel Poel geschwommen.
Retten oder nicht retten? Was Experten rund um den gestrandeten Buckelwal empfehlen
Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. „Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, sagte er.
Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten. (lis/dpa)

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