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Religiöse Feste

Warum Mariä Himmelfahrt in Bayern kein einheitlicher Feiertag ist

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In manchen Teilen Bayerns wird am 15. August Mariä Himmelfahrt gefeiert – in Altötting schon am Vorabend bei der großen Prozession. Hier ein Feiertag, ein paar Kilometer weiter müssen die Menschen arbeiten? Das ist der Grund dafür.

von dpa und unserer Redaktion
Zahlreiche Gläubige mit Kerzen ziehen bei einer traditionellen Lichterprozession am Abend vor dem Feiertag Mariä Himmelfahrt zur Gnadenkapelle in Altötting. Am Vorabend des katholischen Festes wird die Gnadenkapelle am Kapellplatz von den Gläubigen mehrmals umrundet.
Zahlreiche Gläubige mit Kerzen ziehen bei einer traditionellen Lichterprozession am Abend vor dem Feiertag Mariä Himmelfahrt zur Gnadenkapelle in Altötting. Am Vorabend des katholischen Festes wird die Gnadenkapelle am Kapellplatz von den Gläubigen mehrmals umrundet.  Foto: dpa

 

Christi Himmelfahrt kennt jeder - am Vatertag fahren die Herren mit dem Bollerwagen in der Gegend umher. Und dann gibt es da auch noch Mariä Himmelfahrt. Zwar nicht in Baden-Württemberg oder anderen Bundesländern, dafür aber in Bayern, besser ausgedrückt in Teilen Bayerns. Je nach Wohnort ist er für die einen ein Feiertag, für andere ein normaler Arbeitstag. Mariä Himmelfahrt ist der komplizierteste Feiertag Bayerns - und das hat nicht einmal etwas mit Theologie zu tun.

Gläubige begehen am Vorabend des Feiertags die traditionelle Prozession.
Gläubige begehen am Vorabend des Feiertags die traditionelle Prozession.  Foto: dpa

Katholisch oder evangelisch? Angesichts des Bedeutungsverlusts der Kirchen und hoher Austrittszahlen hat diese Frage eigentlich wenig Relevanz. An einem Tag im Jahr in Bayern aber schon. Denn ob am 15. August ein Feiertag ist, hängt davon ab, ob in der Kommune mehr katholische Menschen leben oder mehr evangelische. Überwiegt der Anteil der Katholikinnen und Katholiken, ist Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Gibt es mehr Angehörige der evangelischen Kirche, ist der Tag ein ganz normaler Werktag - so etwa in fränkischen Städten wie Nürnberg, Erlangen, Hof, Bayreuth oder Coburg.

Mariä Himmelfahrt: Feiertag für die einen, Arbeitstag für die anderen

Ausschlaggebend sind die Zahlen des Zensus 2011, wie das Landesamt für Statistik in Fürth erläuterte. Auf dieser Basis entscheidet sich, ob Feier- oder Werktag. In 1704 Städten und Gemeinden haben die Menschen frei, in 352 nicht. Behörden, Läden und Produktionsstätten sind dort ganz normal geöffnet. Viele Menschen aus der katholischen Oberpfalz nutzen den Tag, um in Nürnberg ausführlich zu shoppen. Und aus dem überwiegend katholischen Bamberg kann man ja mal die Läden von Coburg oder Bayreuth entdecken. Vor allem in Franken gilt: Ist der Supermarkt vor der eigenen Haustür zu, hat der in der Nachbargemeinde vielleicht offen.

Das Landesamt für Statistik hält ob dieser komplizierten Verhältnisse nicht nur eine Übersichtskarte online bereit, sondern auch gleich eine Datenbank zur Feiertags-Frage.

Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbund: Einheitlicher Feiertag in ganz Bayern

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Mittelfranken fordert, den 15. August als Feiertag auf ganz Bayern auszuweiten. "Die aktuelle Regelung ist aus der Zeit gefallen", sagte der mittelfränkische DGB-Geschäftsführer Stephan Doll. "Die Menschen in Nürnberg und allen anderen evangelischen Gemeinden verdienen genauso einen freien Tag." Dies solle die neue Staatsregierung nach der Landtagswahl umsetzen.


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Die katholische Kirche feiert an dem Tag Mariä Himmelfahrt. Und das ist auch aus theologischer Sicht durchaus komplex. In der Bibel wird nämlich nicht explizit erwähnt, wann und wie Maria in den Himmel gelangt sein soll.

Woher stammt der Feiertag Mariä Himmelfahrt?

Seine Wurzeln hat das Hochfest "Mariä Aufnahme in den Himmel", so der offizielle Titel, in einem Marienfest, das sich Ende des vierten Jahrhunderts im heutigen Syrien entwickelte. Danach habe es sich im ganzen Osten ausgebreitet und sich zu einem Fest des Heimgangs Mariens entwickelt, heißt es beim Erzbistum München-Freising. So habe das Fest Eingang in die römische Liturgie gefunden.

1950 erließ Papst Pius XII. das Dogma, Maria sei "nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen". Gedeutet wird dies vielfach im Zusammenhang mit dem Glauben an die Auferstehung, der im Glaubensbekenntnis von katholischer und evangelischer Kirche zum Ausdruck kommt.

Diese Bräuche gibt es an Mariä Himmelfahrt

Zu Mariä Himmelfahrt haben sich in der katholischen Kirche verschiedene Bräuche entwickelt; am bekanntesten ist heute das Binden von Kräuterbuschen mit Heilkräutern, Getreideähren und Blumen. Die Sträuße werden in den Gottesdiensten gesegnet. Besonders groß wird das Fest etwa im Wallfahrtsort Altötting gefeiert oder auch im strikt konservativ geprägten Maria Vesperbild in Schwaben, wo der frühere Papst-Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein, erwartet wird.


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