Verwaltung in Siegelsbach mietet Hotel für ukrainische Flüchtlinge an
17 Frauen und Männer aus der Ukraine leben seit Ende Oktober im Hotel „Alte Post“ in Siegelsbach. Die Gemeinde hat alleine mit diesem Gebäude fast die erforderliche Quote an Unterbringungen erfüllt.

Wie viele andere Kommunen wird auch Siegelsbach durch den Angriffskrieg in der Ukraine vor große Herausforderungen gestellt. Denn der Königsteiner Schlüssel sieht vor, dass Baden-Württemberg 13 Prozent der geflüchteten Menschen aufnehmen muss, die dann „verteilt“ werden.
52 Geflüchtete aus verschiedenen Ländern leben in der Gemeinde
In der Kraichgaugemeinde leben zurzeit 52 Personen, die ihre Heimatländer verlassen mussten. Über die Hälfte kommt aus der Ukraine, 17 wohnen seit Ende Oktober im Hotel „Alte Post“ an der Hauptstraße. Bereits im März habe man sich die Räume angeschaut, sagt Bürgermeister Tobias Haucap. „Und wir dachten sofort: Das wäre eine Top-Unterkunft, wenn es klappt.“
Die Frauen und Männer aus Mariupol konnten in fertige Zimmer mit Bett, Fernseher und eigenem Bad einziehen. Den Frühstücksraum im Erdgeschoss haben die Eigentümer des Hotels durch eine Küchenzeile ergänzt, die Theke umgestellt. „Der Bauhof hat dann noch ausreichend Rauchmelder eingebaut, das wars“, sagt Haucap. Ohne das Gebäude hätte die Verwaltung eine Alternative finden müssen, um die erforderliche Quote zu erfüllen. Doch der Wohnungs- und Häusermarkt ist auch in Siegelsbach so gut wie leergefegt. „Außerdem wollten wir die Menschen nicht trennen, deshalb haben wir das Haus direkt voll gemacht“, so der Bürgermeister.
Keine finanziellen Vorteile durch Übererfüllung der Quote
Die neuen Bewohner haben sich mittlerweile gut eingefunden. Und wurden von den Siegelsbachern freundlich aufgenommen. Der Musikverein hat sie zu einem Konzert, der SV Siegelsbach zu seinem letzten Heimspiel vor der Winterpause eingeladen. „Wir planen aber ein Treffen mit den Flüchtlingen in der Unterkunft im Rödeweg“, erzählt Daniela Quintana Leiva. Die Hauptamtsleiterin ist oft auch sonntags in den verschiedenen Unterkünften vor Ort. Denn neben den Häusern in der Hauptstraße 68 und unweit des Baugebiets „Hinter der alten Schule“ betreibt die Verwaltung außerdem in der Stockbrunnengasse sowie in der Hauptstraße 77 Räume. „Wir liegen momentan über der erforderlichen Quote“, sagt Tobias Haucap. Finanzielle Vorteile hat die Gemeinde dadurch nicht, das Land übernimmt die Kosten nur im normalen Umfang, Eigenleistungen werden laut Haucap nicht bezahlt.
Auf fünf Jahre ist die Anmietung des Hotels festgelegt. Wie lange die Zimmer tatsächlich noch gebraucht werden, weiß freilich niemand. „Die gesamte Situation stellt uns vor wahnsinnige Herausforderungen“, so der Bürgermeister.
Dazu gehört auch die Kommunikation mit den geflohenen Menschen. Oft ist eine ehrenamtliche Dolmetscherin im Einsatz, die die Frauen und Männer zu Terminen begleitet. „Ansonsten verständigen wir uns durch eine Übersetzer-App“, erklärt Daniela Quintana Leiva. Dann spricht eine Person in ihrer Muttersprache in das Mikrofon des Handys, die App übersetzt das Gesagte anschließend ins Ukrainische.
Wartelisten für Sprachkurse
Einige Geflüchtete können allerdings mittlerweile ein paar Brocken Deutsch sprechen und nehmen an einem Sprachkurs teil. „Viele stehen aber auch auf Wartelisten“, sagt die Hauptamtsleiterin, die betont, wie gut sich die Ukrainer eingelebt hätten: „Sie bringen sich ein und wollten direkt wissen, wohin das zusammengekehrte Laub kommt.“ Zwei schulpflichtge Kinder leben ebenfalls in dem Hotel und besuchen die Verbundschule in Bad Rappenau.
Wie wird die Verteilung auf die Länder berechnet?
Mit dem Königsteiner Schlüssel wird jedes Jahr neu auf der Basis von Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl festgelegt, wie viele Asylbewerber ein Bundesland aufnehmen muss. So soll eine angemessene und gerechte Verteilung auf die Bundesländer sichergestellt werden. Dieses Verfahren wird auch auf die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angewandt. Dabei erfolgt die Erstverteilung der Asylsuchenden durch das computergestützte System EASY (Erstverteilung Asylbegehrende). Baden-Württemberg muss eine Quote von rund 13 Prozent erfüllen, Bayern liegt bei 15 Prozent.
Kommentare öffnen



Stimme.de
Kommentare