"Das Kurhaus bietet neben dem großen Saal für maximal 455 Personen (Reihenbestuhlung) noch einen kleinen Saal für maximal 120 Personen sowie Konferenzräume für maximal 35 Personen an", schreibt die Stadt in ihrer Nutzungsordnung. Auch das Foyer könne bei gewerblichen Veranstaltungen genutzt werden. Das Restaurant bietet Platz für 94 Gäste. Parkplätze sind vor dem Kurhaus in ausreichender Zahl vorhanden. Details zur Neuverpachtung beantworten Mitarbeiterinnen der Gebäudeverwaltung unter 07264/922-477. Weitere Informationen unter www.badrappenau.de. rik
Stadt Bad Rappenau sucht neuen Pächter für ihr Kurhaus
Küchenmeister und Kurhaus-Pächter Michael Güthlein hat seinen Vertrag mit der Stadt Bad Rappenau nach knapp zehn Jahren gekündigt. Die sucht jetzt einen Nachfolger: Ab 1. Januar 2026 soll die Veranstaltungsstätte mit Restaurant und Biergarten neu verpachtet werden.

Die Stadt Bad Rappenau sucht für das Kurhaus einen neuen Pächter. Küchenmeister Michael Güthlein und seine Frau Martha, die die Veranstaltungsstätte samt Restaurant und Biergarten seit dem Weggang von Martin Kübler Ende 2014 bewirtschaften, haben ihren Vertrag zum Ende 2025 gekündigt.
Die Küche im Fine Dine im Kurhaus wird allgemein geschätzt. Für Oberbürgermeister Sebastian Frei kam die Kündigung daher auch überraschend: "Das ist bedauerlich. Ich habe immer gut mit Güthleins zusammengearbeitet", sagt er, bezeichnet einen Wechsel nach zehn, 15 Jahren aber auch als "nicht ungewöhnlich".
Küchenmeister Güthlein verlässt Kurhaus Bad Rappenau Ende 2025
Das Gastronomen-Ehepaar selbst äußert sich auch auf Nachfrage nicht zu den Gründen für ihre Kündigung. Nur so viel: Zu den Stammgästen habe man einen guten Kontakt. Diese wüssten alle Bescheid, sagt Martha Güthlein am Telefon. Den Vertrag habe man fristgerecht gekündigt.
Das bestätigt auch die Stadt Bad Rappenau. Sie sucht ab 1. Januar 2026 einen Nachfolger für die kommunale Veranstaltungsstätte samt Restaurant. Der Pachtpreis soll mit dem Nachfolger verhandelt werden. Nur so viel: "Er soll marktgerecht sein. Im Vordergrund aber steht für mich, dass das Kurhaus gut betreut ist und den Service bietet, den die Bevölkerung sucht", so Sebastian Frei.
Kurhaus gehört zu Bad Rappenau wie die Harmonie zu Heilbronn
Dass Kurhaus gehört zu Bad Rappenau wie die Harmonie zu Heilbronn, die Ballei zu Neckarsulm oder die Kochana zu Oedheim. Es ist das, was der Volksmund "die gute Stube" nennt. Unterm Jahr finden dort zahlreiche Veranstaltungen statt. Sowohl das städtische Kulturamt als auch Externe, etwa die Badische Landesbühne, nutzen das Kurhaus für ihre Aufführungen. Hochzeiten, Familienfeiern oder Tagungen sind dort möglich. Im Sommer sitzen die Gäste im Biergarten am See.Mit Michael Güthlein hatte die Stadt 2014 einen Gastronomen gefunden, der diese Vielfalt bedienen kann.
Das Objekt sei "nicht ganz trivial", sagt Sebastian Frei. Man habe Spitzenzeiten, wo man viel Personal brauche. "Und Zeiten, wo das nicht so ist."
Seit wenigen Tagen steht die Ausschreibung für das Kurhaus auf der Website der Stadt. Einige Interessenten "aus Bad Rappenau und Umgebung" hätten sich schon gemeldet, sagt der OB: "Wir haben auch schon Ortsbesichtigungen gemacht." Doch den Richtigen zu finden sei nicht ganz einfach: "Schließlich muss es für beide Seiten passen." Und so sondiere man gerade die Lage, habe aber auch noch ein bisschen Zeit.
Stadt Bad Rappenau konkurriert bei Pächtersuche mit anderen Städten
Dass die Situation allgemein nicht einfach ist, weiß auch er. "Viele suchen einen Pächter." Doch das Kurhaus sei mehr als nur Gastronomie: Es sei vor allem ein Ort, an dem sich Menschen treffen.
Seit 2019 hätten in Baden-Württemberg mehr als 3000 gastronomische Betriebe zugemacht, erklärt Martin Kübler als Dehoga-Vorsitzende im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Viele, weil sie keinen Nachfolger oder genügend Personal gefunden hätten. Viele aber auch, weil die Zeiten rauer geworden sind.
Inflation, Energiewende, Teuerungen bei den Lebensmitteln: "Das Kapital bei den Kunden sitzt nicht mehr so locker." Für die Misere in der Gastronomie macht der Küchen- und Konditormeister, der in Bad Rappenau das Golfrestaurant Neunzehn, betreibt, daher auch die Politik verantwortlich.
Dehoga sieht Misere in der Gastronomie als Folge der Mehrwertsteuer-Erhöhung
Die Erhöhung der in der Pandemie gesenkten Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent habe die Gastronomen hart getroffen, sagt er. "Der Trend geht zum Imbiss und zu To Go", spitzt er seine Aussage zu: Diese bezahlen nach wie vor nur sieben Prozent Mehrwertsteuer. Die Dehoga sieht darin eine Ungleichbehandlung, zumal der Aufwand für Restaurantbetreiber deutlich höher sei, wie Kübler betont.
Dass ein Gastronom unter diesen Umständen überlege, aufzuhören, sei nachvollziehbar. "Viele ältere", beobachtet er den Wandel, "hören lieber zwei, drei Jahre früher auf, bevor sie noch mehr Geld verbrennen." Gastronomie werde mehr und mehr zum Luxus. "Diejenigen, die durchhalten, müssen richtig Geld verlangen. Und trotzdem hat der Wirt weniger als vorher."

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