Stimme+
Freizeit

Spargelernter in Ittlingen: Das machen Saisonarbeiter über den Tag am Hof

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Spargelernter arbeiten mehrere Stunden auf den Feldern bei Ittlingen. Aber was machen sie, wenn die Arbeit für den Tag vorbei ist? Eine Saisonarbeiterin erzählt, was sie in ihrer Freizeit gerne unternimmt.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Mit einem lauten „Plop“ landet die Stange Spargel in einem Auffangbehälter. Dort wartet sie darauf, dass sie in die richtige Kategorie und Kiste einsortiert wird. Zuständig für die Sortierung ist Katarzyna Kusk. Die Polin arbeitet als Erntehelferin auf dem Kraichgau Spargelhof in Ittlingen.

Spargel ernten in Ittlingen: Am Morgen werden die Stangen sortiert

Bereits seit 6 Uhr morgens stehen sie und sechs weitere Saisonarbeiter an der Sortiermaschine und ordnen die am Abend zuvor gestochenen Stangen der richtigen Klasse zu. Zwar wird der Spargel vorher von einer Maschine vorsortiert, „aber die macht es nicht so gut, wie unsere Helferinnen“, erklärt Reiner Keller, Spargelbauer und Inhaber von Kraichgau Spargel. Geerntet wurde das Gemüse bereits am Abend zuvor, ebenfalls von Katarzyna Kusk oder Kasia, wie sie alle am Hof nennen. Am Morgen werden die Stangen auf Länge geschnitten – 22 Zentimeter ist die Vorgabe. 

Eigentlich ist Katarzyna Kusk Ski-Lehrerin in Polen. Da sie das aber nur über den Winter machen kann, übernimmt sie in den anderen drei Jahreszeiten auch andere Jobs. Weshalb sie Spargel erntet? „Ich mag es einfach, aktiv zu sein. Ein Bürojob wäre nichts für mich“, erklärt Kusk. 20.000 Schritte sammelt sie am Tag bei der Ernte. „Danach gehe ich meistens noch ins Fitnessstudio oder joggen“, erklärt sie. Auch ein Buch liest sie ab und zu. Aber eigentlich ist sie am liebsten immer in Bewegung.

Erntehelfer bei Kraichgau Spargel Ittlingen: Klären Arbeit untereinander

Die Sortierung ist mittlerweile abgeschlossen, die Maschine ausgestellt. Die fertigen Kisten werden ins Kühlhaus gebracht. Vorher kommt noch eine Schicht Eis auf die Pflanzen. „Das Eis hat eine Temperatur von 0,5 Grad“, so Keller. Der Spargel darf nicht frieren, sonst geht er ein. Deshalb sei auch das Kühlhaus auf um die 2 Grad eingestellt. Immer wieder wird Kusk angesprochen, sie koordiniert, erklärt und gibt Anweisungen, bis der ganze Spargel ins Kühlhaus gebracht wurde.

Katarzyna Kusk ist Erntehelferin beim Kraichgau Spargelhof.
Katarzyna Kusk ist Erntehelferin beim Kraichgau Spargelhof.  Foto: Anna-Linda Hahn

Zum sechsten Mal ist die 29-Jährige bereits dabei und ist in der Zeit in die Rolle der Managerin geschlüpft. „Sie ist unsere Ansprechpartnerin, wenn es die gesamte Gruppe betrifft“, sagt Keller. Und auch sonst gibt sie den Ton an. Das kleine Team arbeite relativ selbstständig, so Keller. Da die meisten schon länger dabei sind, wissen sie genau, welche Aufgaben die ihren sind. Gibt es mal Schwierigkeiten, klärt Kusk das in ihrer Vermittlerrolle. Kommuniziert wird dabei auf spanisch. „Es ist einfacher als polnisch und hat sich bei uns so eingebürgert“, erklärt Keller. Auch Englisch kommt ab und zu zum Einsatz.

Kraichgau Spargel Ittlingen: 200 bis 800 Kilogramm Spargel wird täglich geerntet

Nachdem alles weggeräumt ist, wird erstmal gefrühstückt. Zwischen einer halben und dreiviertel Stunde nehmen sie sich Zeit dafür, organisieren die Pausenzeit selbst. Sind sie damit durch, fährt Katarzyna Kusk sie auf die Felder. Reiner Keller erzählt: „Zwischen 200 und 800 Kilogramm Spargel wird am Tag geerntet.“ Wie viel hänge immer von den Witterungsverhältnissen ab.

Die Helferinnen und Helfer leben für zehn Wochen auf dem Hof der Kellers. Kusk ist aus ihrer Heimatstadt Kock in Polen angereist und dafür um die zwölf Stunden mit dem Auto gefahren. Die Unterkunft wird den Helfern gestellt, um die Verpflegung kümmern sie sich selbst. Dabei haben sie Einzelzimmer. „Es ist immer schön warm“, sagt Kusk lachend. Das sei auch wichtig, wenn man den ganzen Tag draußen verbringt. Im April sind die Temperaturen mitunter noch kalt.

Sieben Hektar Spagelfelder beim Kraichgau Spargel in Ittlingen

Sieben Hektar Spargelfelder werden in der Saison geerntet. „Damit sind wir ein kleiner Betrieb“, weiß der Landwirt. Die Kellers verkaufen die Stangen direkt auf dem Hof. Reiner Keller beliefert aber auch noch umliegende Restaurants und Supermärkte sowie den Großmarkt. Ein paar Tonnen Spargel kommen dabei pro Saison herum.

Sind die zehn Wochen vorbei, heißt es für die Spargelernter, sich zu verabschieden. Auf dem Hof kommen dann schon die nächsten Erntehelfer an, um mit der Johannisbeer-Ernte zu beginnen. Für Katarzyna Kusk bedeutet das, ein Standort- und Jobwechsel. „Im Sommer arbeite ich mit Kindern bei Sommerfreizeiten in Polen.“ Für diese Jahr hat sie sich vorgenommen, nach Spanien zu gehen und dort als Rettungsschwimmerin zu arbeiten. Das stehe aber noch nicht ganz fest. Was allerdings feststeht: Nächstes Jahr kommt sie wieder zum Spargelernten nach Ittlingen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben