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Erster Spargel wird im Kraichgau geerntet – große Spanne bei Preisen

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Der Kraichgau ist immer etwas schneller dran: Auf dem Schechter-Hof in Bockschaft und bei Reiner Keller, Inhaber von Kraichgau-Spargel in Ittlingen , wird der erste Spargel geerntet. Damit startet am Freitag der Verkauf von eigenem Spargel aus dem Raum Heilbronn.


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Der erste regionale Spargel ist da. Eckhard Schechter aus Bockschaft und Reiner Keller aus Ittlingen verkaufen von diesem Freitag an das Königsgemüse in ihren Hofläden, und die ersten Gastronomen legen das mineralreichen Gemüse aus dem Kraichgau auf ihre Teller. Auch wenn andere Sonderkulturen Regen vertragen würden: Für die Spargel-ernte ist das Wetter im Augenblick ideal. In der Regel dauert die Saison bis zum Johannistag (24. Juni).

Noch wächst der Spargel im Kraichgau im Minitunnel

Am frühen Morgen läuft Eckhard Schechter auf seinem Hof im Kirchardter Ortsteil Bockschaft die Dämme ab. Er schlägt die Folie auf und erkennt mit geübtem Blick, wo sich eine Spargelstange gebildet hat. Vorsichtig legt er die Spitzen frei. Einer seiner Erntehelfer nimmt Maß und sticht die Stange blind ab. Dazu gehört Erfahrung. Die Sonne scheint, aber der kalte Ostwind pfeift den Männern um die Ohren.

Der erste Spargel wächst, und zwar auf dem Schechter-Hof in Bockschaft und bei Landwirt Reiner Keller in Ittlingen
Der erste Spargel wächst, und zwar auf dem Schechter-Hof in Bockschaft und bei Landwirt Reiner Keller in Ittlingen  Foto: Berger, Mario

Während in den Sandgebieten an Neckar und Rhein die Spargelernte bereits in vollem Gang ist, ziehen die Anbauer aus dem Kraichgau erst jetzt nach und sind trotzdem die ersten im Raum Heilbronn. Sie nutzen Minitunnel, die über die sauber aufgeschütteten Dämme gespannt sind. Denn Spargel, egal ob weiß oder grün, braucht Wärme.

Spargel-Anbau im Kraichgau: Grünspargel kommt zwei, drei Wochen nach dem weißen Spargel

Deshalb gibt es bei Schechter und Keller auch noch keinen Grünspargel: Da diesem die schützende Hülle der Erde fehlt, müssen die Temperaturen erst noch beständiger werden. Die Lösslehmböden im Kraichgau fangen gerade erst an, sich aufzuwärmen. Seit 1998 baut Reiner Keller Spargel auf seinem Hof in Ittlingen an. „Früher“, erzählt er, „bekamen wir den Spargel von Verwandten aus der Pfalz.“ Er habe das Gemüse schon immer gern gegessen. Jetzt hat er sein eigenes: „Das ist perfekt.“ Doch Spargel ist ein Produkt, das viele Handgriffe erfordert, bis es vom Acker in die Küche gelangt. Stechen, waschen, nach Kategorien sortieren: An jeder Station wird Personal gebraucht.

In Bockschaft steht daher auch Renate Schechter mit an der Waschstraße. Was sie nicht verkaufen kann, verarbeitet sie zu Produkten, von denen sie einige das ganze Jahr über in ihrem Hofladen verkauft. 

Geübte Spargelstecher arbeiten mit Gefühl. Sie gehen pfleglich mit den zerbrechlichen Stangen um, die zu Deutschlands beliebtesten Gemüsesorten zählen.
Geübte Spargelstecher arbeiten mit Gefühl. Sie gehen pfleglich mit den zerbrechlichen Stangen um, die zu Deutschlands beliebtesten Gemüsesorten zählen.  Foto: Berger, Mario

Schechter in Bockschaft und Keller in Ittlingen vermarkten ihren Spargel direkt

Kleinere Produzenten wie Schechter und Keller leben von der Stammkundschaft und von treuen Gastronomen: Die würden den Spargel, der in mineralstoffreichen Lösslehmböden heranwachse, bevorzugen, berichten sie: des Aromas wegen. „Jeder Boden hat seine Vor- und seine Nachteile“, sagt Reiner Keller.

Im Sand sei der Spargel leichter zu ernten. Der Boden im Kraichgau halte die Wärme besser. Der Ertrag sei hier so gut wie in den Sandbodenregionen, „wenn nicht sogar besser“, so Keller. „Das ist wie beim Wein. Man schmeckt, woher er kommt.“ Beim Preis legt sich der Ittlinger schon jetzt fest: Er nimmt je nach Kategorie zwischen fünf und 19 Euro pro Kilo. Das entspricht dem Preis aus dem Vorjahr. Anfangs, sagt er, sei er etwas günstiger als andere, aber zum Ende der Saison hin wolle er auch nichts verschenken. Daher bleibe sein Preis über die ganze Saison hinweg gleich.

Eckard Schechter ist immer einer der ersten, die im Rau, Heilbronn eigenen Spargel anbieten. Der gedeiht im Kraichgau auf mineralhaltigem Lösslehmboden.
Eckard Schechter ist immer einer der ersten, die im Rau, Heilbronn eigenen Spargel anbieten. Der gedeiht im Kraichgau auf mineralhaltigem Lösslehmboden.  Foto: Berger, Mario

Spargel ist eines der beliebtesten Gemüse in Deutschland

Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, blickt optimistisch auf die Saison: „Nach den kühlen Wintertagen werden die Spargelstangen bei wärmeren Temperaturen stark sprießen und für viel Genuss sorgen.“ Wie Schumacher sagt auch Renate Schechter: „Bei uns gibt es Spargel für jeden Geldbeutel.“

Und auch für jeden Typ. Für Menschen, die die schnelle Küche bevorzugen, bietet sie fertig geschälten und geschnittenen Spargel in Päckchen an, die sogar eingefroren werden können. Mit Qualität, Fantasie und Engagement begegnen regionale Bauern Produkten, die zu Dumpingpreisen angeboten werden.

Der Selbstversorgungsgrad bei Spargel lag 2024 bei 85 Prozent. Damit sei weißer Spargel eine der wenigen Gemüsearten, die zu diesem hohen Grad in Deutschland erzeugt und auch verzehrt würden, schreibt der Verband. Der Kauf von heimischem Spargel sichere nicht nur die Selbstversorgung im eigenen Land, sondern sei auch nachhaltig und fair. 

Gläserne Produktion in Bockschaft

Im Rahmen der Gläsernen Produktion lassen sich Eckhard und Renate Schechter beim Spargelernten über die Schultern gucken, und zwar am Sonntag, 25. Mai. Bei Führungen können die Gäste in Bockschaft sowohl den Spargelacker als auch Waschstraße und Schälanlage besichtigen. Es sei wichtig, „dass die Leute sehen, wie viele Handgriffe nötig sind, bis ein Kilo Spargel zusammengekommen ist“, sagt Eckard Schechter. Seine Familie betreibt in sechster Generation Landwirtschaft. Wie Reiner Keller in Ittlingen hat auch er 1998 mit dem Anbau von Spargel begonnen.

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