Tier-Tötungen in Rumänien: Sulzfelder ist Producer bei „Die Hunde-Mafia“
In Rumänien gibt es 600.000 Straßenhunde. Ein perfides Tötungssystem soll die Zahl verringern. An einer ProSieben-Doku über „Die Hunde-Mafia“ ist Florian Erker aus Sulzfeld beteiligt.
Hunderte Welpen hinter Gittern, weinende Tierfreunde und Verfolgungsjagden. Schon der Trailer zu „Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich“ bietet allerlei Zündstoff und ist schwer zu ertragen. Aber gerade deshalb liegt Florian Erker das Thema sehr am Herzen.
Der 40-Jährige stammt aus Sulzfeld, ist seit mehr als zehn Jahren in der Film- und TV-Branche tätig und hat bei „Die Hunde-Mafia“ als Producer und Co-Autor maßgeblich am Inhalt, an der Dramaturgie und der Gestaltung mitgewirkt.
Sulzfelder ist Producer von „Die Hunde-Mafia“ auf ProSieben
„’Die Hunde-Mafia’ ist eine insgesamt sechsteilige TV-Dokumentation, die ein niederträchtiges System offenlegt“, erklärt Erker, der beruflich unter seinem Pseudonym Sem Gray agiert und mit seiner Familie mittlerweile in Schleswig-Holstein lebt.

„In Rumänien gibt es 600.000 Straßenhunde. Die Regierung lässt diese Tiere einfangen. Wenn sich innerhalb von 14 Tagen kein Besitzer meldet und niemand anderes die Vierbeiner bei sich aufnimmt, werden die Hunde getötet.“
Laut Peta: Schon mehr als 1,1 Millionen getötete Hunde in Rumänien
Bei den Recherchen zu „Die Hunde-Mafia“ haben Erker und sein Team herausgefunden: Die Zahl der Straßenhunde ist dennoch konstant. Erker: „Die Tierrechtsorganisation Peta schätzt, dass in Rumänien seit Anfang der 2000er-Jahre mehr als 1,1 Millionen Tiere getötet wurden.“ Pro umgebrachtem Tier erhalten die Betreiber der Tötungsstationen zwischen 200 und 400 Euro.
„Der Ablauf der Tötungen ist klar geregelt, dass die Hunde möglichst wenig leiden müssen. In der Realität wird das aber kaum umgesetzt. Überwachungsaufnahmen, die wir gesehen haben, zeigen, wie Tiere gefoltert und totgeschlagen wurden oder ihnen Gift gespritzt wurde, die einen langen und elenden Todeskampf zur Folge hatten“, berichtet Florian Erker. „Sie schrien, das war schrecklich. Manches, was wir gesehen haben, geht wirklich in die tiefsten Niederungen der menschlichen Niedertracht.“ Teilweise werden Hunde offenbar zum Zweck der Tötung gezüchtet.
Influencer Nathan Goldblat bei „Die Hunde-Mafia“ vor der Kamera
Die Idee, die Vorgänge in Rumänien offenzulegen, hatte der Tierschützer und Content Creator Nathan Goldblat, der auf Instagram 693.000 Follower hat. Erker: „Der Kontakt zu Nathan kam über dessen Cousin zustande, mit dem ich befreundet bin. Nathan hat Partner gesucht und ich war dann als Producer bei der Erstellung des Pitchdecks beteiligt. Das ist eine Präsentation, die zeigt, was wir mit unserer Dokumentation inhaltlich und visuell vorhaben, um für das Projekt auch den richtigen Partner zu finden.“

Der TV-Sender ProSieben war interessiert und wird die sechs Teile der rund dreistündigen Doku am Mittwochabend, 15. April, um 20.15 Uhr im linearen Fernsehen zur Hauptsendezeit ausstrahlen. Im Nachhinein ist „Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich“ auf der Streaming-Plattform Joyn abrufbar. Die Berliner Firma Film Five war für die Produktion der Doku verantwortlich.
Als Gesicht der Doku steht vor allem Nathan Goldblat, aber auch weitere Content Creator vor der Kamera. Erker selbst arbeitete vor allem im Hintergrund. „Mich selbst sieht man in der Doku nur in wenigen Momenten“, berichtet der ehemalige Sulzfelder.
Zusammenarbeit mit NGO für ProSieben-Doku „Die Hunde-Mafia“
„Was den kreativen Output angeht, ist ’Die Hunde-Mafia’ definitiv das größte Projekt, an dem ich bislang mitgewirkt habe“, sagt Florian Erker. „Wir haben bereits früh mit Nichtregierungsorganisationen (NGO) zusammengearbeitet, haben viel auf Straßen in Rumänien und in Brüssel bei der Europäischen Union gedreht.“
Die Dreharbeiten erstreckten sich über den Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026. Erker: „Die Sendung kann sicher Aufmerksamkeit für das Thema erzeugen und den Fokus stärker darauf lenken als bisher.“
Doku „Die Hunde-Mafia“ am 15. April um 20.15 Uhr auf ProSieben
Allerdings verdienen einige Menschen mit dem aktuellen System offenbar viel Geld. „Schon eine kleine Hundetötungsstation generiert Einnahmen von bis zu drei Millionen Euro pro Jahr“, berichtet Erker. „Diese Betreiber haben natürlich wenig Interesse an einer Änderung der Umstände.“
Daher waren die Dreharbeiten nicht ungefährlich. Florian Erker: „Wir befanden uns auch in brenzligen Situationen. Es ist aber zum Glück nichts Gravierendes passiert, weil wir vorsichtig waren und rechtzeitig abgebrochen haben. Sonst hätte es tatsächlich eng werden können.“
Der frühere Sulzfelder ist froh, an „Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich“ mitgewirkt zu haben. „Ich bin sicher, dass die Dokumentation schon einiges erreicht hat. Nach der Ausstrahlung auf ProSieben zur Primetime am 15. April wird das Thema sicher noch weitere Kreise ziehen.“ Vor zehn Jahren hat Erker den Kurzfilm „Keine Kanaken an Bord“ veröffentlicht, der sich gegen Rechtsradikalismus einsetzt. Dafür hatte er auch auf dem Gelände der Eppinger Raußmühle gedreht.
Arbeit an ProSieben-Doku „Die Hunde-Mafia“ hat Sulzfelder verändert
Darüber hinaus ist Sem Gray/Florian Erker dankbar, Menschen kennengelernt zu haben, die ihr Leben komplett den Tierschutz verschrieben haben. Und auch für sich hat der frühere Sulzfelder einige Erkenntnisse aus dem Projekt gezogen. „Die Arbeit an ’Die Hunde-Mafia’ hat mich deutlich verändert. Wir haben selbst einen Hund, den meine Familie und ich sehr lieben. Ich würde aber nie wieder einen Hund bei einem Züchter, sondern fortan nur noch Tiere aus dem Tierheim holen, um diesen Leid zu ersparen.“
Darüber hinaus ist Erker seit der Arbeit an „Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich“ zum Vegetarier geworden. Der 40-Jährige erklärt: „Ich habe mich gefragt, warum es in Ordnung sein sollte, eine Kuh einzusperren und zu töten, wenn man es bei Hunden verurteilt. Für mich ist beides nicht in Ordnung. Daher habe ich meine Ernährung umgestellt.“
Neben Florian Erker setzt sich auch die Lauffener Hundetrainerin Viktoria Pfeil für Vierbeiner ein, die in Rumänien auf der Straße leben.
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